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Mit Laserpistolen gingen Polizisten wie Alfred Christl gestern massiv gegen Temposünder vor.

„Die meisten schon gewarnt“

Auf der anderen Seite der Radarfalle: Wir gehen mit der Polizei auf Raserfang

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„Bitte lächeln“: Beim sechsten Blitzmarathon auf Bayerns Straßen machte die Polizei gestern 24 Stunden lang Jagd auf Raser. Wir haben die Beamten begleitet.

Irschenberg – Mittwoch, kurz nach 13 Uhr an der B 472 bei Irschenberg. Polizeihauptkommissar Alfred Christl schaut konzentriert durch seine Laserpistole, fokussiert einen schwarzen Punkt in der Mitte des Displays auf die Kennzeichen der vorbeifahrenden Autos. Ein schwarzer Golf kommt in Christls Sichtfeld, er drückt den Abzug am Holzgriff des Lasergeräts. Im Display leuchtet eine rote 80 auf. 70 Stundenkilometer sind erlaubt, der Münchner war zehn Kilometer pro Stunde zu schnell. Christl greift zum Funkgerät. „Der Münchner Golf mit 80“, gibt er durch. Einige hundert Meter weiter winken Christls Kollegen den Golf an die Seite. Eine Verwarnung und zehn Euro kostet die Geschwindigkeitsübertretung.

Wie Christl und seine Kollegen machten gestern 1900 Polizisten an rund 2000 Messstellen im Freistaat Jagd auf Raser. Die sechste Auflage des Blitzmarathons begann um 6 Uhr und dauerte 24 Stunden. Dabei geht es nicht darum, den Autofahrern möglichst viel Geld abzunehmen, sagt Katharina Schreiber, Leiterin der Inspektion Miesbach: „Wir wollen die Autofahrer für die Gefahren überhöhter Geschwindigkeit sensibilisieren. Deshalb liegen Blitzstellen an Unfallschwerpunkten, werden großflächig bekannt gegeben.“

Schreiber beeindruckt es, wie viele Temposünder den Beamten trotzdem ins Netz gehen. Alleine in den ersten 30 Minuten waren es an dieser Stelle sieben. Der Schnellste war mit 89 Kilometern pro Stunde unterwegs. In der zweiten halben Stunde sind noch drei Autofahrer zu schnell. Das sei normal, findet die Polizei-Chefin: „Sobald die Radiostationen unseren Standort durchgeben, fahren die Menschen langsamer. Die Warnung per Lichthupe erledigt den Rest.“ Alleine das sei schon ein Erfolg. Immerhin fahren die Menschen vorübergehend vernünftig.

Wegen des pädagogischen Effekts verzichtet die Polizei beim Blitzmarathon bewusst auf Blitzgeräte, erklärt Schreiber. „Laserpistolen wirken stärker präventiv. Wer zu schnell fährt, erhält die Strafe sofort, nicht erst Wochen später. Dadurch weiß er, was er falsch gemacht hat.“ Das habe zu einer merklichen Verbesserung geführt.

Zumindest bei den ersten Fahrern funktioniert das System auch heute. Keiner diskutiert oder zweifelt die Genauigkeit der Messgeräte an. Das ist nicht immer so, weiß Christl: „Manche beschuldigen uns, mit dem Blitzen nur Geld in die Polizeikasse spülen zu wollen. Dabei geht das Geld der Stellen an Landesstraßen komplett an den Freistaat. Für uns hat das keinen Vorteil.“

Landstraßen stehen dieses Jahr im Fokus des Blitzmarathons, weil sich hier die meisten Unfälle ereignen. Schreiber erklärt: „Hauptursachen sind überhöhte Geschwindigkeit und Ablenkung.“

Der Blitzmarathon findet im Rahmen des Bayerischen Verkehrssicherheitsprogrammes statt. Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle sank 2017 auf 548, den niedrigsten Stand der Geschichte. Dabei starben mit 608 Menschen ebenfalls die wenigstens seit Beginn der Aufzeichnung. Schreiber hofft, dass der Blitzmarathon diese Zahlen weiter senkt. „Wir appellieren an die Vernunft der Autofahrer. Funktioniert das nicht, zielen wir auf den Geldbeutel. Da werden alle zahm.“

Lesen Sie mehr: Polizei zieht erstes Fazit des Blitzmarathons

mas

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