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Mit Vollgas in die Zukunft: Bürgermeister Hans Schönauer (l.), Verwaltungs-Mitarbeiterin Irmgard Dinges und Zweiter Bürgermeister Klaus Meixner (r.) bei der Förderbescheid-Übergabe zum Breitbandausbau durch Finanzminister Markus Söder.

Breitbandausbau

Warum Buchbichl und Niklasreuth noch lange warten können

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Bis Juni 2018 wird die Telekom in Irschenberg die Leitungen für das schnelle Internet verlegen. Ausgespart bleiben Buchbichl und Niklasreuth. Schuld ist der Streit zwischen Gemeinde und Avacom.

Irschenberg– „Breitband ist Zukunft“, sagte Finanzminister Markus Söder, als er Irschenbergs Bürgermeister Hans Schönauer den Förderbescheid für den Ausbau des schnellen Internets in der Gemeinde in die Hand drückte. Bis Ende Juni 2018 wird die Deutsche Telekom gemäß Kooperationsvertrag die Ortsteile Auerschmied, Reichersdorf, Radthal, Hasling, Desl, Wendling, Schlachtham, Schwaig und Grub ans flotte Datennetz mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit pro Sekunde anschließen. 414 000 Euro und damit gut 80 Prozent der Kosten übernimmt der Freistaat. Einen bitteren Beigeschmack haben die Worte des Ministers jedoch für die Bürger in Buchbichl und Niklasreuth. Sie bleiben vorerst vom Ausbau ausgeschlossen – und damit quasi in der Vergangenheit stecken.

Das Unheil zeichnete sich bereits länger ab, und zwar in Form eines Streits zwischen der Gemeinde und der Valleyer Firma Avacomm. Wie berichtet, hatte der Netzbetreiber bereits 2015 einen eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau in Buchbichl und Niklasreuth angemeldet. Als die Gemeinde später ins Förderverfahren einstieg, ohne die beiden von Avacomm zum Ausbau beantragten Ortsteile auszunehmen, legte das Unternehmen Widerspruch bei der Bundesnetzagentur ein. Die entschied nach monatelangem Verfahren zugunsten von Avacomm.

Doch anstatt die Kabel zu verlegen, wartete der Netzbetreiber ab. Weil die Gemeinde die Ausschreibungsunterlagen nicht entsprechend der Entscheidung der Bundesnetzagentur geändert habe und damit unklar gewesen sei, welche Gebiete die Telekom ausbauen werde, habe für Avacomm keine Investitionssicherheit bestanden, lässt das Unternehmen in einer Pressemitteilung verlauten. Da die Gemeinde ein klärendes Gespräch abgelehnt habe, habe man sich direkt an die Telekom gewandt. Hierbei habe sich herausgestellt, dass diese tatsächlich einen Teil des Gebiets der Avacomm ausbauen werde. Damit wäre jedoch die Maßnahme der Avacomm „entwertet und völlig unwirtschaftlich“ geworden. Deshalb habe man sich nun entschieden, die reservierten Kabelverzweiger wieder zurückzugeben.

Die Konsequenz für die betroffenen Haushalte ist äußerst unerfreulich, wie Michael Müller von der Beratungsfirma Corwese bei der Irschenberger Bürgerversammlung mitteilte. Weil Buchbichl und Niklasreuth aus dem Förderverfahren herausgenommen wurden, verzögert sich der Breitbandausbau dort um bis zu zwei weitere Jahre. „Das ist gewissermaßen ein Neustart“, sagt Müller auf Nachfrage unserer Zeitung. Erfahrungsgemäß dauere es ein Jahr bis zum Förderbescheid, weitere zwölf Monate brauche die Telekom für den Ausbau der Leitungen.

Irschenbergs Geschäftsleiter Josef Bögl bestätigt diesen Zeitplan. „Aus Sicht der Bürger ist das natürlich sehr schade“, sagt Bögl. Die Gemeinde habe das neue Verfahren aber bereits gestartet. „Wir gehen schnell voran.“ Den Vorwurf von Avacomm, man habe die Ausschreibung nicht angepasst, weist Bögl zurück.

Das Valleyer Unternehmen hat das Kapitel Irschenberg mittlerweile abgehakt – und nicht nur das. „Der ganze Landkreis Miesbach ist für uns kein strategisches Ausbaugebiet mehr“, sagt Avacomm-Geschäftsführer Helmut Gallitscher. Bestandskunden werde man aber auf Wunsch so lange wie möglich weiter versorgen. Auch Glasfaserhausanschlüsse werde man noch realisieren. „Wir werden niemanden im Stich lassen“, betont Gallitscher.

Ansonsten werde sich sein Unternehmen auf den Netzausbau westlich und östlich von München konzentrieren. Die dortigen Gemeinden seien Avacomm gegenüber wesentlich aufgeschlossener. „Sie haben nämlich keine guten Erfahrungen mit der Monopolsituation der Telekom gemacht.“

Für Bürgermeister Schönauer ist die Entwicklung ein „Meilenstein“, wie er im Gemeinderat freudig bekannt gab. Nachdem er einige Wochen aufgrund gesundheitlicher Beschwerden gefehlt hatte (wir berichteten), hat der Rathauschef die Fäden in Irschenberg wieder in die Hand genommen. Einige medizinische Maßnahmen müsse er noch über sich ergehen lassen, dazu sei aber kein Reha-Aufenthalt nötig. „Ich soll ein bisserl langsamer tun“, sagte er mit einem Lachen. „Mal schauen, ob ich das einhalten kann.“ Langsam ist nach dem Förderbescheid des Freistaats in Sachen Breitband jetzt Vergangenheit. Schönauer freut’s: „Endlich geht’s mit dem DSL weiter.“

sg/nip

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