Unternehmer fordern bei Versammlung beim Dinzler sofortige Lockerungen

Kampfansage des Mittelstands: Unternehmer fordern jetzt Lockerungen

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Die Versammlung von hundert mittelständischen Unternehmern am Samstag in Irschenberg war eine Kampfansage in Richtung Politik. Sie forderten die umgehende Wiedereröffnung der Betriebe.

Irschenberg ‒ Über der Bühne in der Kaffeerösterei Dinzler am Irschenberg, auf der Dinzler-Chef Franz Richter im Namen seiner Mitinitiatoren Marco Golshani aus Kolbermoor und Markus Dettendorfer aus Söchtenau (Kreis Rosenheim) die Gäste begrüßte, prangten 64 Logos mittelständischer Unternehmen unterschiedlichster Größe aus der Region. „Es ist Zeit zu kämpfen und die Menschen in München und Berlin, die in einer Politikerblase leben, da rauszuholen“, forderte Richter unter Applaus. Es war nicht das erste Mal, dass sich der Unternehmer kritisch äußerte. Über 150 Rückmeldungen von Unternehmer-Kollegen innerhalb von vier Tagen untermauerten dies, sagte Thomas Steinke, Vorstand der Dinzler Kaffeerösterei AG, der die Veranstaltung moderierte.

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In einem Offenen Brief fordern die Unternehmer die Rückgabe der persönlichen und unternehmerischen Freiheit, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung im Umgang mit gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken, umgehende Wiedereröffnung der Betriebe, die Reduzierung von staatlicher Regulierung und die Rückkehr zur freien sozialen Marktwirtschaft. Unterschrieben haben diese Forderungen vor und nach der Veranstaltung, die coronabedingt auf 100 Teilnehmer begrenzt war und von der Polizei überprüft wurde, insgesamt 161 Unternehmer, die aktuell 7412 Arbeitsplätze repräsentieren.

Küchenrevolutionär Willi Bruckbauer von der Firma Bora etwa ist dabei, weil er sich von der Politik keinen Zick-Zack-Kurs, sondern daten- und faktenbasierte Entscheidungen hinsichtlich Corona wünscht: „Wir wollen keine Diskussion, wir wollen nur arbeiten“, rief er unter Applaus. Der Staatsregierung warf er unter anderem Willkür und ein Reglementierungssystem auf der Basis fehlerhafter Tests vor.

Auch Irschenbergs Bürgermeister Klaus Meixner (CSU), der bis zu seiner Wahl vor zwei Jahren noch eine Zimmerei führte, unterschrieb den Offenen Brief. Dabei betonte er, dass der soziale Friede auf dem Spiel stehe. „Die Leute wollen arbeiten und nicht auf Zuschüsse warten. Die Gesellschaft leidet, und Kinder können den Verlust nicht aufholen“, sagte Meixner. „Wir können nicht warten, bis Corona aus ist. Es muss ein Umdenken stattfinden, wie wir mit Corona leben.“ Der Bürgermeister forderte, dass alle Betriebe und Gaststätten unter den bereits erstellten Hygiene-Konzepten wieder öffnen sollen.

Auch Mitinitiator und Maschinenbauer Markus Dettendorfer aus Bad Endorf befand, dass man mit Corona leben müsse. Er forderte den Zusammenschluss der Unternehmer, um nach der „einjährigen Zerstörungspolitik“ aktiv zu werden, von unten Druck zu machen und über die Öffentlichkeit sowie über die gewählten Volksvertreter einen Politikwechsel herbeizuführen. „Wir sind keine Coronaleugner oder Querdenker“, stellte er klar. Aber die Unternehmer wollten die Akteure auf ihrem Spielfeld, in ihrem Wirtschaftsraum, ihrem Land sein und nicht länger daneben sitzen und obendrein die Zeche zahlen. Dettendorfer rief deshalb zur Vernetzung auf.

Etliche Unternehmer schlossen sich begeistert und kämpferisch den Forderungen an. Doch es gab angesichts der politischen Parolen auch Zurückhaltung. Am Ende verließen auch einige Unternehmer die Kaffeerösterei, ohne den Offenen Brief unterschrieben zu haben.

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Rubriklistenbild: © Ralf Poeplau

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