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Bühne frei auf dem Reiterhof: (v.l.) Katja, Franziska und Barbara Otten organisieren heuer den ersten Koppel Sommer Irschenberg. 

Picknick-Konzerte beim Koppel Sommer Irschenberg

Corona zum Trotz: Open Air-Kulturfestival feiert Premiere

Konzerte und Kabarett live erleben in Picknick-Atmosphäre: Das gibt‘s beim Koppel Sommer Irschenberg auf der Reitanlage der Familie Otten. Ein Kultur-Open-Air trotz Corona.

Irschenberg – Dass der Sommer im Corona-Jahr 2020 noch ein Kulturfestival hervorbringen würde – das hätte wohl kaum mehr einer geglaubt. Die Familie Otten macht es möglich: Als Open Air auf ihrer Reitanlage startet am Sonntag, 5. Juli, der erste Koppel Sommer Irschenberg. Zwei Monate lang treten fast jedes Wochenende Musiker und Kabarettisten auf, darunter Michael Altinger und Constanze Lindner.

Es scheint fast verwunderlicher, dass es bislang noch kein Kulturprogramm an der Reitanlage in Irschenberg gab, als andersrum. Die Familie Otten, die den Reiterhof seit 2007 betreibt, hat nicht nur die Liebe zu Pferden, sondern auch zum Theater im Blut. Schon ihr Großvater, erzählt Katja Otten, hat das Theater geliebt. 

Als er nach dem Zweiten Weltkrieg und russischer Kriegsgefangenschaft auf dem Heimweg nach Neubiberg kam – zum Glück, denn genau dorthin hatte es zwischenzeitlich auch seine Frau verschlagen – trat er dem dortigen Theaterverein bei. „Er war natürlich immer der Preiß“, erzählt Katja Otten und lacht: „Wenn die Leute am Ende den Preißn am liebsten schlagen wollten, war er richtig stolz, dass er so gut gespielt hat.“ 

Die Familie hat nicht nur eine Leidenschaft für Pferde - sondern auch für die Bühne

Die Bühnenleidenschaft vererbte er auch an seine Tochter Barbara, die von Kindesbeinen an ebenfalls bei der Volksbühne Neubiberg mitwirkte. Barbara Otten leitete die Bühne sogar 20 Jahre lang und führte Regie bei vielen beliebten, auch anspruchsvollen Volksstücken, wie dem „Bauerndiplomat“ – und steckte wiederum gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang auch die Töchter Franziska und Katja von klein auf mit der Theaterleidenschaft an.

Trotzdem brauchte Katja Otten etwa zehn Jahre, bis sie ihre Eltern überzeugt hatte, die Familientradition auch in Irschenberg weiterzuführen. Heuer im Frühjahr stand für die Familie fest: Sie wollen die ohnehin für Veranstaltungen wie etwa Hochzeiten umgebaute alte Remise für Theaterprojekte nutzen. Die Ottens wollten gerade anfangen, Kontakte zu hiesigen Theatervereinen zu knüpfen und Mitstreiter zu suchen – da kam Corona.

Zunächst standen zwar auch auf dem Reiterhof andere Sorgen im Vordergrund, weil über Wochen der Reitunterricht untersagt war. Doch als alles wieder anlief, machten Katja Otten, ihre Eltern und Schwester Franziska die fortdauernde Not der Kulturszene zur Tugend. Denn während Veranstaltungen in den Innenräumen eingesessener Bühnen - wie dem Miesbacher Waitzinger Keller oder dem Holzkirchner Kultur im Oberbräu - wegen der strengen Auflagen oft kaum wirtschaftlich umzusetzen sind, hat die Reitanlage in Schwaig 9 viel Platz im Freien: für Picknick-Konzerte.

Beim ersten Koppel Sommer Irschenberg sind namhafte Künstler dabei

Die Familie Otten hat sich nicht lumpen lassen und für rund 8000 Euro eine überdachte Bühne mit 46 Quadratmetern gekauft, die derzeit aufgebaut wird – eine Miete wäre auch nicht günstiger gekommen. Eine dicke Investition in unsicheren Corona-Zeiten. Aber die Familie will auch keine Eintagsfliege: „Die Bühne können wir ja auch in den nächsten Jahren weiter nutzen“, sagt Katja Otten – auch wenn es dazu noch keine konkreten Pläne gibt.

Denn nun soll erst einmal der erste Koppel Sommer Irschenberg über die Bühne gehen. Die Familie kann dank ihrer Kontakte in die Kulturszene gleich bei der Premiere mit bekannten Künstlern aufwarten: Mit dabei sind etwa Michael Altinger und Constanze Lindner, Roland Hefter und Christoph Weiherer, oder Bastian Pusch und Andreas Speckmann „Notenlos“.

Picknick-Konzerte in Hanglage 

Die Bühne steht vor einem Wiesenhang, der sich fast wie ein Kessel um sie herum schmiegt und damit dem Publikum von jeder Position gute Akustik und nahezu freie Sicht bietet, selbst wenn der Vordermann den Klappstuhl auspacken sollte, versichert Katja Otten. Die Besucher dürfen daher Campingstühle ebenso mitbringen wie Picknickdecken, auch Regenschirme sind erlaubt. Nicht aber mitgebrachte Speisen und Getränke. Für die Bewirtung mit Brotzeiten und Getränken sorgt die Familie in einem Gastrozelt. Der „Programmpunkt“ ist wichtig, erklärt Katja Otten: „Vom Eintrittspreis bleibt für uns als Veranstalter nichts übrig.“

Praktische Probleme mit dem Mindestabstand erwartet Katja Otten nicht: „Wir haben uns schon so lange Gedanken drüber gemacht, wie wir das lösen – wir haben Laufwege, Einbahnregelungen und abgesteckte Sitzbereiche.“ Nur für eines bastelt die Familie noch an einer Lösung: Seit kurzem dürfen ja wieder zehn Personen im Freien zusammensitzen. „Wir überlegen, wie wir Bereiche für Gruppen anbieten können. Denn Gruppenbuchungen sind ja nicht möglich, jeder muss sein Online-Ticket einzeln kaufen.“ Auch das ist Corona geschuldet: So haben die Veranstalter automatisch eine Liste der tatsächlichen Besucher, für den Fall der Fälle.

Tickets und Infos gibt es auf der Internetseite des Koppel Sommer Irschenberg.

Katrin Hager

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