Mehr als nur ein Energiefeld: Franziska Auracher möchte mit dem Solarpark Irschenberg an der A 8 nicht nur grüne Energie zu erzeugen, sondern auch einen lebensraum für Blumen und Insekten zu schaffen.
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Mehr als nur ein Energiefeld: Franziska Auracher möchte mit dem Solarpark Irschenberg an der A 8 nicht nur grüne Energie zu erzeugen, sondern auch einen lebensraum für Blumen und Insekten zu schaffen.

Interview mit Franziska Auracher

Der Solarpark Irschenberg und sein Öko-Potenzial: „Wir wollen der Natur etwas zurückgeben“

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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In Irschenberg neben der A8 wird bald Sonnenenergie geerntet: Eine Firma aus Franken baut einen Solarpark. Die Miteigentümerin spricht im Interview über das Potenzial.

Irschenberg – Es ist kein alltägliches Projekt, das derzeit in der Gemeinde Irschenberg entsteht. An der Südseite der A 8 auf Höhe des Ortsteils Oberhasling baut die Firma JT Solar 4 GmbH & Co.KG aus Merkendorf bei Ansbach/Mittelfranken auf einem 1,58 Hektar großen Areal den Solarpark Irschenberg. Die Freiflächen-Fotovoltaikanlage mit einer Modulfläche von 0,87 Hektar 1,84 Millionen Kilowattstunden pro Jahr an grünem Strom erzeugen, was für rund 400 Haushalte reichen würde – und nicht nur das. Was das Energiefeld sonst noch für Öko-Chancen bereit hält, verrät Miteigentümerin Franziska Auracher (29) aus Irschenberg im Interview.

Frau Auracher, wie weit ist der Aufbau des Solarparks Irschenberg mittlerweile? Geht’s bald los?

Die Module sind mittlerweile auf die Schienen geklemmt und sie sind verstringt, das heißt in Reihe geschaltet. Jetzt fehlt nur noch die Kompaktstation – also Trafo und Übergabestation in einem. Das sollte bis Ende August alles da sein. Wenn alles gut läuft, kann es im September losgehen.

Sie sind 29 Jahre alt und Mitbetreiberin einer Freiflächenanlage. Wie kam es dazu?

Thematisch bin ich als Umweltingenieurin nicht weit weg. Ich habe Umweltsicherung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf studiert und bin in Mittelfranken auch beruflich gestartet. Aktuell bin ich selbstständige Energieberaterin in Dinkelsbühl, denn das ist mein Steckenpferd. Außerdem arbeite ich bei der Firma MHB Montage GmbH in Merkendorf als Planerin für Fotovoltaik-Anlagen.

Jetzt kommt noch dazu, dass Ihnen das Grundstück an der A 8 auch noch gehört.

Ja, meine Familie hat dort eine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Ursprünglich wollte ich eine Photovoltaikanlage auf unser Hausdach bauen, aber das ging nicht, weil es unter Denkmalschutz steht. Also habe ich mit meinen Chef Joshua Tlapak von der MHB Montage GmbH, der bei dem Solarpark in Irschenberg mein Geschäftspartner ist, nach Alternativlösungen gesucht. Am Ende war es dieser Solarpark. Er bringt die Technik ein, ich das Grundstück.

„Wir wollen die Fläche zum Biotop machen“

Wie hat denn die Gemeinde Irschenberg auf dieses ungewöhnliche Projekt reagiert, für das planungsrechtlich sogar ein Sondergebiet geschaffen werden musste?

Die Reaktion war sehr positiv – wir haben gute Rückmeldungen bekommen. Zum einen gibt es ja auch Gewerbesteuer, und das Landschaftsbild wird kaum beeinträchtigt. Diese optische Verträglichkeit war mir selbst auch sehr wichtig. Eigentlich ist es ja nur von der Autobahn aus zu sehen. Und es ist ja nicht nur grüner Strom. Wir haben dort ja mehr vor.

Was denn genau?

Wir wollen die Fläche zu einem Biotop machen. Deshalb wollen wir auch Kontakt mit dem Bund Naturschutz aufnehmen, um ihn ins Boot zu holen und auszuloten, was man dort machen kann. Wir haben mehrere Ideen, unter anderem dort Schafe weiden lassen, eine Blühwiese anlegen sowie Bienenstöcke und Insektenhotels aufstellen. Es soll einfach ein stimmiges Biotop werden, das es dem Boden ermöglicht, sich auszuruhen. Wir wollen der Natur etwas zurückgeben.

Was muss man bei solch einer Freiflächenanlage wie Ihrer beachten?

Wichtig ist, wo der Netzverknüpfungspunkt liegt. Wenn der weiter als zwei Kilometer entfernt ist, braucht es größere Anlagen. Bei uns liegt der Punkt recht nah. Deshalb kommen wir mit rund eineinhalb Hektar aus. Letztlich spielen da viele Dinge mit rein. Deshalb bin ich meinem Chef auch sehr dankbar, weil er das Projekt mit sehr viel Erfahrung und Vertrauen begleitet hat.

„Ein Energiemix wäre am besten“

Welche Chancen haben für Sie als Energieberaterin solche Freiflächenanlagen wie Ihr Solarpark generell beim Umbau auf regenerative Energien?

Generell wäre aus meiner Sicht ein Energiemix am besten: Fotovoltaik, Biogas und Windkraft. Da Windkraft bei uns aber schon allein wegen des Eingriffs ins Landschaftsbild schwer umzusetzen ist, können Freiflächen-Fotovoltaikanlagen eine gute Alternative sein – vielleicht auch entlang von Bahnstrecken. Was für die Fotovoltaik spricht: Grundsätzlich haben wir hier in Südbayern eine optimale Sonneneinstrahlung. Wenn ein Dach sehr flach ist, kann sogar eine Nordausrichtung funktionieren. Aber es kommt letztlich sehr auf die individuellen Voraussetzungen an.

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ddy

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