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Die Freilichtbühne im Hof: Das Irschenberger Theater feierte vor 300 Besuchern Premiere mit „Märzengrund“ – ein Stück großes Volkstheater.

Deutsche Uraufführung von „Märzengrund“ in Irschenberg

Oberammergau bekommt Konkurrenz

300 Besucher verfolgten an diesem Wochenende die Premiere von „Märzengrund“ auf der Freilichtbühne in Omermoos bei Irschenberg. Dem großen Volkstheater wie in Oberammergau kann die Inszenierung des Sozialdramas zumindest das Wasser reichen. 

Irschenberg – Anspruchsvolle Stücke und gekonnte Inszenierungen: Dafür sind Sepp Grundbacher und sein Irschenberger Theater bekannt. Aber mit Felix Mitterers Sozialdrama „Märzengrund“ sprengen sie alle Erwartungen. Auf der Freilichtbühne in Obermoos ist großes Volkstheater zu sehen.

Oberammergau hat mit Irschenberg Konkurrenz bekommen. Ein wenig jedenfalls und was den Festspielanspruch angeht. Denn was Spielleiter Sepp Grundbacher und das Irschenberger Theater auf die ausgeklügelte, dreiteilige, in die Tenne des Obermoos-Hofs integrierte Bühne bringen, ist in mehr als einer Hinsicht großes Volkstheater. Das zeigte die Premiere am Freitag – in deutscher Uraufführung. Der Natur- als Theaterraum, der Hof als Spielstätte, Wind und Wetterleuchten als Komparsen offenbarten ein rundes Konzept.

„Märzengrund“ von Felix Mitterer zeichnet die wahre Geschichte eines begabten, spürigen Bauernsohnes nach. Der entzieht sich der Welt, seiner Familie, dem sozialen Miteinander und vor allem dem Wertesystem, um – wie ein Wilder oder wie ein Erleuchteter? – mit den Tieren auf der Hochalm im Märzengrund zu leben. 40 Jahre lang.

Dabei ließ es sich so gut an mit dem kleinen, aufgeweckten Elias, gespielt von Marinus Niggl. „Ich ginge lieber in den Wald wie der Robinson Crusoe“, verkündet der kleine Bub seiner Schwester (Helena Gruber) und klagt als Jugendlicher – dann besetzt mit Andreas Nirschl – über Strahlen und Wellen, die ihm Kopfschmerzen bereiten. Eindruckvoll, wie Nirschl den zusehends in eine Depression abrutschenden jungen Elias spielt, der schließlich in die Psychiatrie eingewiesen wird und entscheidet, auf das Hoferbe und das normale Leben zu verzichten, um auf der Alm zu leben. Es kommt zum Bruch mit dem geschäftstüchtigen Vater (Hans Nirschl). Das Dorf (Marcel Schmid, Gerti Reichenberger, Anna Schmid), dem Grundbacher auf der unteren Spielebene Platz gibt, zerreißt sich da schon das Maul.

Den erwachsenen Elias, der nur mehr Kontakt zu Almhirt Sepp (Andreas Liedschreiber) und zu Jägern (Thomas Huber) hat, immer mehr mit der Natur verschmilzt und Visionen und Erscheinungen (Maria Thrainer) hat, mimt Sepp Kröll. Er schafft es, die emotionalen Fallhöhen auszuleuchten und die Ambivalenz des Charakters herauszuarbeiten. Die herausragendste schauspielerische Leistung aber erbringt Theresia Benda-Pelzer als Elias’ Mutter. Sie entwickelt sich von der stolzen, ehrgeizigen Großbäuerin über die sorgende Mutter, die den Sohn auf der Alm besucht, zum körperlichen und seelischen Wrack. Das tragische Ende ist vorgezeichnet.

Was sich in fragmentartigen Szenen auf den drei Bühnenebenen sowie in Filmsequenzen auf Großbildschirm abspielt, ist mehr als eine Aussteiger-Geschichte. Es eine Studie der (bäuerlichen) Gesellschaft. Ist der Bauernstand der Ernährer des Volkes und Bewahrer der Natur? Oder haben sich Bauern der industrialisierten Landwirtschaft, dem Tourismus und dem Immobilienmarkt unterworfen und ihr Selbstverständnis verloren? Wer ist der „bessere“ Bauer – der, der emsig wirtschaftet, oder der, der die Natur erhält? Wie wertvoll und gesund ist die Natur für den Menschen? Und kann er als soziales Wesen ohne Gesellschaft überleben? Fragen, an denen die Besucher auf der 400 Personen fassenden Tribüne nicht vorbei kommen, weil Grundbacher ihnen das Stück wie einen Spiegel vorhält.

Weitere Vorstellungen

Weitere Vorstellungen finden statt am 15., 16., 19., 20., 23. und 26. Juli (Einlass und Bewirtung ab 19 Uhr, Beginn 21 Uhr) auf der Freilichtbühne in Irschenberg (Obermoos 1). Karten zu 22 Euro (ermäßigt 17) gibt es im Vorverkauf. Infos und jeweils aktuelle Hinweise, ob die Freilichtaufführung stattfindet, gibt‘s auf der Internetseite des Irschenberger Theaters.

Alexandra Korimorth

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