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Letzte Vorbereitungen: Das Festzelt anlässlich der Feierlichkeiten in Niklasreuth steht bereits. Sixtus Juffinger jun. (Mitte) sorgt gemeinsam mit Vater Sixtus Juffinger für die Innendekoration.

„Ohne die Vereine rührt sich nichts“

Dreifach-Jubiläum: Feiermarathon in Niklasreuth

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125 Jahre, 120 Jahre und 10 Jahre: In Niklasreuth feiern Feuerwehr, Trachtenverein und Goaßlschnalzer gemeinsam Geburtstag. Mit insgesamt zehn Festtagen. 

Niklasreuth – Drei Jubiläumsvereine, neun Festtage. In Niklasreuth herrscht Ausnahmezustand. Mittendrin ist Sixtus Juffinger jun. Für den 21-Jährigen dürfte der Feiermarathon besonders anstrengend werden, denn er ist Mitglied in allen drei Vereinen: Feuerwehr, Trachtenverein und Goaßlschnalzer. Ein Interview mit einem jungen Mann vom Dorf. Da, wo man sich noch duzt.

Euch steht ein straffes Programm bevor. Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um den Festtag-Marathon zu überstehen?

Einen großen Durscht (lacht). Mit wenig Schlaf auskommen ist auch wichtig. Meine drei Wochen Urlaub habe ich für die Festtage, den Auf- und Abbau und die „Akklimatisierungsphase“, also die Woche nach dem Fest, verplant.

Gibt’s im Ort überhaupt noch ein anderes Gesprächsthema?

Nicht wirklich. Wenn die richtigen Leute zusammensitzen, dann geht’s nur noch darum. Wer macht Zeltwache, wer macht die erste Schicht, wer die zweite? Wer bringt welches Teil? Wer hat was organisiert?

Wie wichtig sind die Vereine im Dorf?

Sehr wichtig. Sonst rührt sich nichts. Wir haben ansonsten nur noch die Musi, den Schützenverein und einen Burschenverein. Bei uns ist jeder überall dabei, man trifft sich beinahe jeden Tag. Wenn es die Vereine nicht geben würde, wäre das Dorf ausgestorben.

War es selbstverständlich, dass Du Dich den Vereinen anschließt?

Ja, weil die Spezln da auch alle dabei sind. In der ersten Klasse geht’s bei den Plattlern los, dann fängst du bei der Feuerwehr an. Mein Vater ist Vorsitzender, mein Opa war Ehrenkommandant, da rutschst du im Prinzip von selbst rein.

In diesem Jahr dürfte der Zeitaufwand besonders groß sein...

Ja, die ersten Ausschusssitzungen haben im Dezember des vergangenen Jahres stattgefunden, die tatsächliche Festvorbereitung läuft seit drei Wochen. Letzte Woche haben wir mit dem Zeltaufbau begonnen. Vorher mussten wir schon den Zeltplatz vermessen und alles für den Aufbau organisieren.

Welche Rolle spielst Du dabei?

Bei den Schnalzern bin ich Vorschnalzer und Kassier, da bin ich mit einem Kollegen verantwortlich. Wir sind auch im Festausschuss. Das sind zehn bis 15 Leute, die wegen allem gefragt werden.

Wie sehr bist Du während der Festtage eingebunden?

Am Samstag, beim Schnalzertreffen, werde ich die Kassen einräumen und überprüfen und mit dem Hauptkassier der Feuerwehr abrechnen. Bei der Feuerwehr bin ich, wie alle aktiven Mitglieder, an diesem Tag für einen reibungslosen Festverlauf mitverantwortlich. Die folgende Woche wiederholt sich das Ganze beim Trachtenverein in ähnlicher Weise.

Beim Festmarathon kommt es nicht nur auf Durchhaltevermögen, sondern auch auf entsprechende Kleidervorräte an...

Die Feuerwehr rückt ja nur am Sonntag in Uniform aus, jeder hat auch nur eine. Dafür hab’ ich einige weiße und nochmal so viele karierte Trachtenhemden, da ist Kapazität da (lacht). Zwischen der Kleidung, die wir im Trachtenverein tragen, und der, die wir beim Schnalzen anhaben, ist kein großer Unterschied mehr: Weißes Hemd und Gilet von der Miesbacher Tracht. Da müssen wir nur den Hut wechseln. Wir haben bei den Schnalzern zwar einen anderen Hosenträger, aber der passt zu allem.

Auf welchen Tag freust Du Dich am meisten?

Aufs Schnalzertreffen, da werden aus der Gegend bestimmt viele kommen, weil es der erste bayerische Tag ist. Wir haben 20 Gruppen eingeladen. Wir rechnen also mit etwa 200 Schnalzern.

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