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Gewaltiger Groove: Herbert Pixner (2.v.r.) und sein Ensemble beim Irschenberg-Festival.

Festival in Irschenberg

Musikantenstadl der Moderne

Irschenberg - Beim Festival in Irschenberg war das Zelt ausverkauft.750 Zuhörer bejubelten den Auftritt von Herbert Pixner. Auch ein Achtjähriger sorgte für gute Stimmung.

Musikantenstadl 2.0. So fühle es sich hier an, sagt Sam Keller und lacht. Er ist als Besucher auf dem Irschenberg-Festival und hört Herbert Pixner zu. Es ist Tag zwei des Festivals, und dramatisch wabern die Saiten von Harfe, Bass und elektrisch verstärkter Gitarre durch das Zelt. Die Sage vom Hirtabua wird zum kernigen Rock-Melodram. „Gache Töne“, findet Keller. Almerisch-landlerisch, nennt es Pixner. Volksmusik aus den Alpen. Eine Seelenverwandtschaft zu Hubert von Goisern kann man durchaus heraushören, vor allem, wenn Pixner sein Akkordeon die Tonleiter hinauf und hinunter hetzt.

„Sauber egal“ sei, was sie spielten, sagt Pixner. „Hauptsach’ es groovt.“ Und der Landler groovt gewaltig. Schneller als ein bayerischer Landler sei das tiroler Pendant, erklärt der Protagonist und tritt mit seinem Ensemble sogleich den Beweis an. Begleitet von kräftigem Stampfen auf den Boden und klirrender Harfe schöpft es intensiv den Landler-Rhythmus aus. Die Musik wechselt gefühlvoll zwischen laut und leise. All das gebe es auf Scheibe gepresst am Zeltausgang zu kaufen, sagt Pixner. „Fünf san scho wegchgangen“, tirolert er – vier mehr als am Tag zuvor. Solch feinen Humor streut er gerne ein, das lockert den Abend auf.

Als Pixner auf die Bühne kam, war die Stimmung schon gut angewärmt. Dafür hatte Simon Kammerloher aus Oberaudorf gesorgt. Mit seiner Ziach spielte er gut bayerisch auf – vor dem Zelt, während die Zuschauer in der Schlage auf den Einlass warteten. Mit acht Jahren ganz alleine vor 750 Leuten spielen, das müsse man sich erst einmal trauen, betont Organisatorin Kathrin Weimar.

Lounge-Feeling im Außenbereich

Im Zelt wird den Zuhörern auch optisch etwas geboten. Verspielte Muster werden an die Decke projiziert und wechseln im Rhythmus der Musik. Lila, rosa, rot. Gar nicht so leicht, ein rundes Zelt ordentlich zu beschallen und zu beleuchten, betont Pixner in Richtung Ton- und Lichttechnik. Er erzählt vom Sommer auf der Alm und die gruselige Hirtabua-Sage. Fast ein wenig kitschig. Lagerfeuerromantik, zu der die rauchige Note in der Luft passt, die den Feuerschalen vor dem Zelt geschuldet ist.

Überhaupt die Atmosphäre im Außenbereich: Da haben sich die Irschenberger Mühe gegeben. Aus Paletten sind Bänke und Stehtische entstanden – und Sonnenliegen. Aus einem rot blinkenden Wagen werden Mandeln und Popcorn verkauft, und aus Boxen schallt vorwärtstreibende Loungemusik. „Ganz kurzfristig“ hätten sie dem Außenbereich einen neuen Anstrich verpasst, sagt Weimar. „Zirkusmäßig“ sollte es sein, und genau so fühlt es an – wie eine Mischung aus Zirkus und Sommerparty.

Und eben Musikantenstadel 2.0, mitsamt Abstecher in den Senegal. Pixner klopft mit einem Affenzahn auf den Korpus seines Akkordeons. Immer schneller. Komplexe Rhythmen schälen sich heraus. Danach seien die Finger doppelt so dick wie vorher, kommentiert er. Während der letzten paar Takte klatschen die Zuhörer kräftig mit, um anschließend in ohrenbetäubenden Jubel auszubrechen. Auffallend heftig, dieser Applaus. Dann gibt es noch „a ganz a speziells Stückl“ für Mamas und Omas – und alle die es noch werden wollen: den „Herzallerliebst Walzer“. Dazu wandern rote Muster über die Zeltplane, und die sechs beleuchteten Säulen hinter den Musikern schimmern rötlich. Zuhörer schunkeln sachte, und wieder mündet ein Stück in ohrenbetäubenden Jubel. Zweifellos ein Festival-Höhepunkt.

Von Johanna Wieshammer

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