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Irschenbergs Kirchturm muss saniert werden. Mesner Anian Niggl zeigt ein Stück, das im Turm aus der feuchten Westwand herausgebrochen ist.

Keine Glocken läuten mehr

Hier läuten keine Glocken mehr, weil der Kirchturm langsam zerbröselt

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Irschenbergs Kirchturm geht es schlecht. In der Westseite sickert es ins Mauerwerk. Der Stein hält das aus, aber nicht die Fugen. Immer mehr Mörtel bricht aus der Wand.

Irschenberg - Der Sonntagmorgen ist still geworden in Irschenberg. Seit Mitte August wird nicht mehr zum Gottesdienst geläutet. Dafür gewährleistet ein Bauzaun einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum 148 Jahre alten Kirchturm von St. Johann Baptist, aus dem sich immer wieder Mörtelbrocken lösen. Grund ist das feuchte Mauerwerk auf der Westseite.

Der Verfall der Fugen auf dieser Wetterseite hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Als Pfarrer Tadeusz Kmiec-Forstner 2012 seinen Dienst in Irschenberg aufnahm, habe er sämtliche Gebäude begutachtet – damals gab es am Turm noch keine großen Auffälligkeiten. Als vor rund zwei Jahren Anian Niggl das Amt des Mesners übernahm, entdeckte dieser bei der Begehung erste verdächtige kleine Brocken auf den Treppen. „Damals war das schwer zuzuordnen“, sagt Niggl. Vielleicht hänge es ja mit der 2009 eingebauten bronzenen Johannesglocke zusammen – so erste Vermutungen. Als jedoch auch außen Brocken entdeckt wurden – wie innen nur auf der Westseite –, folgte die Untersuchung des Gemäuers. Das Ergebnis: Das Mauerwerk ist zu 100 Prozent durchfeuchtet. Stellenweise lässt sich der Mörtel mit den Fingern zu Bröseln zerreiben. Eine erste vorsichtige Kostenschätzung liegt auch schon vor. Im Raum stehen 460 000 Euro.

Physikalisch ist das keine Überraschung, sagt Niggl: „Kalktuffstein nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie auch wieder ab, aber das machen die Fugen nicht mit.“ Sie speicherten die Feuchtigkeit und verloren im Lauf der Jahre zunehmend ihre Bindekraft. Ein Problem, das auch frühere Generationen kannten. Denn einst war die Westseite des Turms verputzt. Bei der Erneuerung der Fensterjalousien auf Höhe der Glocken im Jahr 1967 sei der Putz entfernt worden, erinnert sich Niggl.

Hinzu kommt, wie Kmiec-Forstner berichtet, dass auch eine chemische Belastung der Fugen nicht auszuschließen ist. Ursache könnten schädliche Umwelteinflüsse wie Salze sein – gut vorstellbar so nah an der Salzburger Autobahn. Was die Lösung aber nicht vereinfacht, stellt der Priester fest: „Wir wissen noch nicht, was wir tun können, um das Problem dauerhaft in den Griff zu bekommen.“ Am Neuverfugen innen und außen komme die Pfarrei aber nicht vorbei.

Als erste Maßnahme wurde nun ein Gerüst rund um den Turm errichtet. Dann werden die Westseite sowie die angrenzende Nord- und Südseite mit einem Wetterschutz verhüllt. „Das Mauerwerk muss zuerst richtig austrocknen“, erklärt der Pfarrer. Im Frühjahr könne man dann mit der Sanierung beginnen – wie auch immer die aussehen mag. Dafür sind noch einige Untersuchungen auf allen Seiten notwendig, um Gewissheit über Ausmaß und Ursache zu haben. „Wir werden alles genau prüfen lassen und uns nicht nur auf die Westseite konzentrieren“, sagt Kmiec-Forstner. Dann müsse zusammen mit dem Denkmalschutz nach geeigneten Maßnahmen gesucht werden. Verputzen sei wohl keine Option.

Offen ist auch, wie die Kosten für die Sanierung gestemmt werden. Die Pfarrei, die gerade einen Pfarrsaal baut – kommende Woche werden Fenster und Türen eingebaut, dann folgt über den Winter der Innenausbau –, hat keine Reserven. Das Geld sei aktuell aber nachrangig, sagt Kmiec-Forstner. „Zuerst brauchen wir eine Lösung für unseren Turm.“

ddy

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