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Ein Dach wie ein Schwamm: Diese begrünte Fläche auf dem Gebäude der Schlössle-Galerie in Pforzheim dient nicht nur der Erholung, sondern auch zur vorübergehenden Aufnahme von großen Regenmengen.

Fraunhofer Institut plant Projekte mit vier Gemeinden

Forscher entwickeln in Irschenberg Dächer der Zukunft

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Saugfähige Dächer, stabile Straßen: Die „Oberflächen der Zukunft“ will das Fraunhofer Institut für Bauphysik erforschen. Projekte mit vier Gemeinden sind geplant. Auch Irschenberg ist dabei.

Landkreis – Die Nebenstraßen in Irschenberg müssen einiges aushalten. Regelmäßig rumpeln schwere landwirtschaftliche Maschinen über den Asphalt, bei Regen frisst sich das stehende Wasser in den Unterbau. „Bei uns gibt es viele Hochmoore, da versickert nichts“, erklärt Gemeinde-Geschäftsleiter Josef Bögl. Anders sieht es im Irschenberger Haushalt aus. Jedes Jahr steckt die Gemeinde größere Summen in den Straßenbau. Doch dank eines Forschungsprojekts des Fraunhofer Instituts für Bauphysik könnte das sprichwörtliche Fass ohne Boden schon bald abgedichtet werden.

Prof. Philip Leistner ist Leiter des Fraunhofer Instituts für Bauphysik.

Wie berichtet, hat sich das Institut mit Sitz in Oberlaindern für ein Förderprogramm des Bundesforschungsministeriums beworben. Insgesamt 3,1 Millionen Euro macht das Ministerium für neue Lösungen in der Oberflächengestaltung locker. Ein Teil davon soll auch in den Landkreis Miesbach fließen. So hat das Fraunhofer Institut neben Irschenberg die Gemeinden Valley, Holzkirchen und Rottach-Egern sowie den Landkreis als Partner gewinnen können. Auch Geretsried und die Stadt Rosenheim sind mit an Bord. Wissenschaftliche Unterstützung liefern die TU München und die Uni Stuttgart, auch mehrere Firmen steuern ihre Expertise bei.

Die erste Hürde ist bereits geschafft. Vor kurzem hat Fraunhofer den Förderantrag eingereicht, erklärt Institutsleiter Prof. Philip Leistner. „Die Bürokratie war für manche unserer Partner schon eine Herausforderung, aber wir haben sie gemeistert.“ Sollte das Ministerium zustimmen, könnte das Projekt Anfang November starten. Ziel sei es, nicht nur neue Verfahren für Straßenbau, Regenrückhalteflächen oder Gehweggestaltung zu entwickeln, sondern den Gemeinden auch einen Umsetzungsleitfaden mit an die Hand zu geben. „Das ist oft eine Frage der Baukultur“, sagt Leistner. Auch die Bürger sollen einbezogen werden – als Nutzer, aber auch als Eigentümer von gestaltbaren (Ober-)Flächen.

Die jeweiligen Themenfelder sind auf die teilnehmenden Gemeinden zugeschnitten. So wird in Irschenberg nicht nur mit besonders widerstandsfähigen Straßendecken experimentiert, sondern auch mit begrünten Flachdächern. Die speichern bei Starkregenereignissen jede Menge Wasser und geben es kontrolliert wieder ab. „Im Prinzip wie ein Schwamm“, sagt Leistner.

Die Gestaltung von Gehwegen steht hingegen in Rottach-Egern im Fokus. Hier sollen Bodenbeläge erforscht werden, die sich auch ohne „chemische Keule“ leicht und effizient reinigen lassen. In Valley beschäftigen sich die Wissenschaftler neben Regenrückhalteflächen wie in Irschenberg mit der digitalen Erfassung des Baumbestands aus der Luft. „Das erspart personalaufwendige Kontrollgänge während des Jahres“, erklärt Leistner. An ein heiß diskutiertes Thema knüpfen die Forscher in Holzkirchen an: die Folgen einer Umgehungsstraße für den Ortskern. Hierbei soll untersucht werden, wie sich das Zentrum mit baulicher Gestaltung in ein neues Begegnungszentrum verwandeln lässt.

Drei Jahre haben die Experten für all diese Themen Zeit. Ob bis dahin schon die ersten Maßnahmen umgesetzt werden, liegt in erster Linie an den beteiligten Gemeinden. Die Baukosten müssten diese nämlich selbst schultern, sagt Leistner. „Das Förderprogramm deckt nur die Forschung ab.“ Trotzdem geht er davon aus, dass sich einige Praxisbeispiele verwirklichen lassen – etwa ein Regenrückhaltedach auf einem Gewerbebetrieb. Hauptziel des Projekts sei aber die Entwicklung von Techniken, die auch in anderen Städten und Gemeinden zum Einsatz kommen können.

Für Irschenbergs Bürgermeister Hans Schönauer ein weiteres gutes Argument, sich an dem Programm zu beteiligen. „Wir haben erst mal keine Kosten und können bei der Forschung mitwirken.“

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