In die Jahre gekommen ist das Klärwerk von Irschenberg. Der Neubau soll am bisherigen Standort erfolgen – für schätzungsweise 6,5 Millionen Euro. Foto: Thomas Plettenberg
+
In die Jahre gekommen ist das Klärwerk von Irschenberg. Der Neubau soll am bisherigen Standort erfolgen – für schätzungsweise 6,5 Millionen Euro.

Fahrplan für Neubau steht

Gemeinde Irschenberg findet kein Förderprogramm für neues Klärwerk

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
    schließen

Dass das Klärwerk von Irschenberg erneuert werden muss, ist seit längerer Zeit keine Frage mehr. Offen ist aber nach wie vor die Finanzierung.

Irschenberg – „Es ist klar, dass wir bei den Kosten zweigleisig fahren müssen“, erklärt Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) auf Nachfrage unserer Zeitung. Das heißt: Ein Teil der Baukosten in Höhe von schätzungsweise 6,5 Millionen Euro wird über die Gebührenhöhe abgerechnet – als sogenannte rentierliche Schulden –, einen Teil müssen die angeschlossenen Bürger wohl im Rahmen eines einmaligen Verbesserungsbeitrags stemmen.

Wie berichtet, ist die Anlage mittlerweile an die 42 Jahre alt. Die aktuellen Anforderungen an Reinigungsgrade werden nicht mehr erfüllt. Deshalb muss die Gemeinde ein neues Klärwerk bauen. Die Möglichkeit, sich an das Entsorgungssystem von Bruckmühl anzuhängen, wurde bereits geprüft und als zu teuer verworfen. Es bleibt damit beim Neubau der Anlage, der am bestehenden Standort bei laufendem Betrieb umgesetzt werden soll.

Der Fahrplan zum Neubau steht

Der Fahrplan sieht derzeit so aus: Aktuell werden die Ingenieur-Leistungen vergeben. Dazu gehört, wer die Ausschreibung abwickelt. Im Frühjahr soll der Entwurf der Genehmigungsplanung vorliegen – die Genehmigung ist für Sommer 2021 geplant. Dann kann auch die Ausschreibung beginnen. Die Gewerksvergabe ist für Winter 2021/22 vorgesehen. Baubeginn wäre im Frühjahr 2022, die Inbetriebnahme im Frühjahr 2023. Alles davon abhängig, wie sich die Situation mit Corona gestaltet – auch mit Blick auf den gemeindlichen Haushalt

Keine staatliche Förderung in Sicht

Denn die Splittung der Kosten ist eine diffizile Angelegenheit. Denn in Irschenberg, das bekanntlich aus über 100 Ortsteilen und Weilern besteht, sind bei Weitem nicht alle Bürger an das gemeindliche Kanalisationsnetz angeschlossen. Vielfach reicht eine Drei-Kammer-Anlage für das Klären vor Ort. Damit verringert sich die Zahl der angeschlossenen Haushalte, was zur Folge hat, dass sich für den einzelnen die Abgabe erhöht.

Beim Versuch, staatliche Fördermöglichkeiten zu finden, hatte die Gemeinde bislang keinen Erfolg – was Meixner wurmt: „Für bestehende Anlagen gibt es kein Programm, lediglich für Leitungen. Da fragt man sich schon.“ Dabei würde beispielsweise ein Zwei-Millionen-Zuschuss die Bürger spürbar entlasten. Ohne bleiben jedoch sie in der Pflicht.

Bayrischzell geht es ähnlich

Ein Problem, das Irschenberg nicht allein hat. Auch die Gemeinde Bayrischzell braucht eine neue Kläranlage und steht mit geschätzten 3,5 Millionen Baukosten vor demselben Problem. Meixner will sich deshalb mit seinem Amtskollegen Georg Kittenrainer besprechen. Ziel sei es, die Bürger so wenig wie möglich zu belasten.

Wie berichtet, liegt es im Entscheidungsbereich der Gemeinde, die Finanzierung zu definieren. In Miesbach beispielsweise war es vor einigen Jahren eine politische Entscheidung, bei den Investitionen zum Wasserwerk und -netz auf hohe einmalige Beiträge zu verzichten. Im Haushalt 2020 schlagen diese Schulden mit 9,2 Millionen Euro zu Buche – als rentierliche Schulden, die über den Verbrauch abgetragen werden und aktuell vom Niedrigzins-Niveau profitieren.

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare