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Gelungener Auftakt: Der Stand der Genussregion Irschenberg bei der Grünen Woche in Berlin ist gut angekommen bei den Besuchern. 

Zweiter Bürgermeister: „Wir müssen aus der Sache raus“

Genussregion: Gemeinderat zieht Option zurück

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Richtig verbandelt waren die Gemeinde und die Genussregion Irschenberg ohnehin noch nie. Jetzt steht fest, dass sie auch in Zukunft getrennte Wege gehen werden. Das hat der Gemeinderat entschieden.

Irschenberg – Die Genussregion Irschenberg ist gut angekommen in Berlin. Auch den Geschmack von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner scheint das junge Unternehmen bei der Grünen Woche getroffen zu haben. „Der Minister hat den Stand als einen der schönsten in der Bayernhalle bezeichnet“, berichtete Gesellschafter und Bürgermeister Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) nun im Gemeinderat. Doch statt wie früher für eine Beteiligung der Gemeinde an der Vermarktung regionaler Schmankerl zu werben, schlug Schönauer diesmal andere Töne an.

„Eine Geschäftsbeziehung basiert auf Vertrauen“, zitierte er aus einem Schreiben, das Genussregion-Geschäftsführer Stefan Drössler ins Rathaus geschickt hatte. Dies sei für Drössler „nach den Ereignissen des vergangenen Jahres“ aber nicht mehr vorhanden. Zu groß sei die Gefahr, bei einem „weiteren Querschuss über Nacht Pleite zu gehen“. Er selbst wolle sich dazu nicht mehr weiter äußern, erklärte Schönauer. Die weitere Diskussion überließ er seinen Gemeinderäten – nachdem er wegen seiner persönlichen Beteiligung an der Genussregion den Sitzungssaal verlassen hatte.

Nicht zuletzt diese Beteiligung des Bürgermeisters war es, die Ende 2016 die Kritiker des Projektes auf den Plan rief. Gemeinderat Hans Maier (FDP/Aktive Bürger) sprach sogar von mangelnder Transparenz und einem möglichen Interessenskonflikt (wir berichteten). Der Gegenwind, der schon beim mehrheitlichen Beschluss einer zehnprozentigen Beteiligungsoption der Gemeinde an der Genussregion im Juni 2016 spürbar war, hatte sich weiter verschärft. Und gänzlich abgeflaut ist er auch mit ein paar Monaten Abstand nicht, wie nun die Debatte bei der jüngsten Sitzung zeigte.

„Ich habe schon immer gesagt, dass so ein Projekt nicht Aufgabe der Gemeinde ist“, sagte Zweiter Bürgermeister Klaus Meixner (CSU). Nach dem Schreiben des Geschäftsführers gebe es für ihn nur noch einen Weg: „Wir müssen aus der Sache raus.“ Meixner schlug vor, den Beschluss aus dem Juni wieder aufzuheben und ferner festzulegen, auch künftig auf eine Beteiligung zu verzichten. „Dann haben wir einen klaren Schnitt zwischen Genussregion und Gemeinde“, erklärte er.

Dritter Bürgermeister Hans Nirschl (FWG Irschenberg/Reichersdorf) sah diese Entwicklung auch mit einem traurigen Auge. „Das wäre ja Werbung für die Gemeinde gewesen“, sagte er. Aber nachdem der Geschäftsführer keine Basis für eine Zusammenarbeit mehr sehe, bleibe eben nichts anderes übrig. Enttäuscht zeigte sich auch Nirschls Fraktionskollege Marinus Eyrainer. Bei einer Firma mit dem Namen „Genussregion Irschenberg“ gehöre die Gemeinde eigentlich dazu, meinte er. „Es ist traurig, dass wir das nicht auf die Reihe gebracht haben“, ergänzte Maria Lettenbichler (FWG Niklasreuth).

Ihr Fraktionskollege Franz Gasteiger wurde sogar noch deutlicher. „Wir sind sabotiert worden“, sagte er in Richtung von Maier. Der verteidigte seine Kritik mit der anfänglichen Unsicherheit über die Gesellschafterstruktur. „Wir wussten bei unserem Beitritt ja nicht, wie die Beteiligungsverhältnisse aussehen.“ Zudem könne die Gemeinde bis 31. Dezember 2017 jederzeit wieder mit zehn Prozent in die Genussregion einsteigen. „Die Vereinbarung gibt es“, sagte Maier. Die Mehrheit im Gremium sah das aufgrund des gestörten Vertrauensverhältnisses aber als nicht mehr möglich an. Gegen zwei Stimmen beschlossen die Gemeinderäte, auf die Option zu verzichten. Der Aufhebungsbeschluss fiel einstimmig.

Das Ende der Genussregion bedeutet dies aber nicht, betont der Geschäftsführer auf Nachfrage unserer Zeitung. „Das ist eine richtig gute Sache, die wir auf keinen Fall sterben lassen wollen“, sagt Drössler. Nach dem „Störfeuer“ sei es aber wichtig gewesen, das Unternehmen „sauber aufzustellen“ und damit vom Kommunalrecht unabhängig zu machen. Jetzt gelte es, das Projekt langsam weiter aufzubauen. Und zwar so, dass auch die Irschenberger profitieren. Daran, stellt Drössler klar, habe sich durch den jetzigen Gemeinderatsbeschluss nichts geändert. „Wir sehen uns weiter in der Verpflichtung, der Region etwas Gutes zu tun.“

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