+
Ein Motiv der Kirche in Wilparting prangt auch auf einigen Produkten der Genussregion Irschenberg.

Beteiligung des Bürgermeisters sorgt für Kritik

Genussregion: Ratsmitglied fürchtet Interessenskonflikt

Irschenberg - Die persönliche Beteiligung von Bürgermeister Hans Schönauer an der Genussregion Irschenberg GmbH sorgt für Verstimmung. Gemeinderat Hans Maier fürchtet einen Interessenskonflikt. 

Die Genussregion Irschenberg schmeckt offenbar nicht jedem im Ort. So sehr Bürgermeister Hans Schönauer die anfangs als „Schmankerlkiste“ bezeichnete Idee im Gemeinderat bewarb: Nicht alle ließen sich von seiner Begeisterung anstecken. Die 50-prozentige Beteiligung des Bürgermeisters an der nun gegründeten GmbH hat die Kritik zusätzlich angeheizt.

Einer der Gegner ist Ratsmitglied Hans Maier von den Aktiven Bürgern. Bereits bei der namentlichen Abstimmung in der Gemeinderatssitzung am 13. Juni lehnte er eine zehnprozentige Beteiligung der Gemeinde an der Vermarktung von Lebensmitteln aus der Region ab. Auch drei weitere Ratsmitglieder stimmten dagegen. Als Schönauer nun die Gründung der Firma bekannt gab, erkundigte sich Maier nach den Beteiligungsverhältnissen. Der Bürgermeister ließ sich nicht darauf ein und legte seinen Gesellschafterstatus erst auf Nachfrage unserer Zeitung offen. Für Maier ein „Mangel an öffentlicher Transparenz“.

So sei vor der Abstimmung im Juni keine Rede von einer persönlichen Beteiligung des Bürgermeisters an der Genussregion gewesen. Da es sich hierbei aber um eine „gewinnorientierte Firma“ handle, fürchtet Maier einen Interessenskonflikt. Als Beispiel nennt er die Werbung. Seit Monaten seien Produkte in Irschenberger Betrieben erhältlich, auf denen die Banderole „Exklusiv hergestellt für die Gemeinde Irschenberg“ klebe. Auch auf dem Reider Markt im November in Niklasreuth tauchte in der Ausstellerliste die Gemeinde als Betreiber des Stands der Genussregion auf.

An einen Zufall oder ein Versehen will Maier nicht glauben. Für ihn hat es eher den Anschein, als würde der Bürgermeister im Namen der Gemeinde für eine private Firma werben, an der er selbst beteiligt ist. Diese Verquickung könnte noch offensichtlicher werden, wenn die Gemeinde eines Tages bei der Genussregion Produkte kauft – zum Beispiel für Geschenkkörbe. „Ich sehe da durchaus Diskussionsbedarf in Sachen Befangenheit und Neutralitätspflicht“, sagt Maier.

Den Bürgermeister trifft diese Kritik hart. Er ist nicht nur überrascht, sondern auch enttäuscht über die für ihn unverständlichen Reaktionen auf seine Idee. So habe er die anfängliche Skepsis im Gemeinderat durchaus nachvollziehen können – und daher nach einer anderen Möglichkeit gesucht, dem in seinen Augen vielversprechenden Projekt eine Chance zu geben. Als er dem ihm privat bekannten Lebensmittelgroßhändler und Unternehmer Stefan Drössler aus Adelzhausen von seiner Idee einer EU-konformen Erzeugungs- und Vertriebsplattform für kleinbäuerliche Produkte erzählt habe, sei dieser sofort begeistert gewesen.

Folglich investierten Schönauer und Drössler jeweils 6250 Euro und gründeten die GmbH. Drössler ist Geschäftsführer, Schönauer „stiller Teilhaber“, wie er sagt. All das, betont der Bürgermeister, sei im Handelsregister für jeden öffentlich einzusehen. „Was will ich denn da verheimlichen?“ Zudem habe er den Gemeinderat stets über den aktuellen Stand der Genussregion informiert – wenn auch vorerst nichtöffentlich.

Auch den Vorwurf des Interessenskonfliktes weist der Bürgermeister zurück. Es sei richtig, dass die Gemeinde die erste Charge Schokolade bestellt habe. „Da hat es aber die Firma noch gar nicht gegeben“, sagt Schönauer. Als die GmbH gegründet worden sei, habe sie umgehend alles rückabgewickelt. „Der Gemeinde ist kein Schaden entstanden.“ Zudem gehe es bislang um nicht mehr als 400 Tafeln Schokolade. Bei einem Gewinn von 30 Cent pro Stück seien die Einnahmen der Genussregion überschaubar.

Tatsächlich sei die GmbH aktuell sogar im Minus. Deshalb habe er dem Gemeinderat angeboten, die beschlossene Beteiligung vorerst noch nicht umzusetzen. „Sonst hätte es geheißen, ich reite die Gemeinde mit rein“, erklärt Schönauer. Falls gewünscht, würden er und Drössler aber sofort jeweils fünf Prozent ihrer Anteile abtreten. „Dann trägt die Gemeinde aber auch das Verlustrisiko mit.“

Schönauer kündigt an, das Thema in der Januar-Sitzung des Gemeinderats erneut auf den Tisch zu bringen. Zudem werde er – falls gewünscht – die Kommunalaufsicht einschalten, um die Rechtmäßigkeit seiner Beteiligung von neutraler Stelle prüfen zu lassen. Sollte die Kritik trotzdem nicht abebben, schließt der Bürgermeister ein vorzeitiges Ende der Genussregion nicht aus. Auch wenn er die Idee nach wie vor für „grandios“ hält: Sein Lebensglück hänge nicht davon ab, betont er. „Dann habe ich halt Lehrgeld bezahlt.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Miesbacherin (55) verunglückt tödlich auf Motorrad
Die 55-Jährige überholte am Dienstag als zweite einen Lastwagen im österreichischen Vorarlberg - und prallte frontal auf ein Auto. Sie starb noch am Unfallort.
Miesbacherin (55) verunglückt tödlich auf Motorrad
Am Monte Mare: Unbekannter versucht Auto aufzubrechen
Während der Besitzer im Monte Mare schuftete, machte sich an seinem Dacia Duster ein Unbekannter zu schaffen. Er versuchte das Schloss aufzubrechen. 
Am Monte Mare: Unbekannter versucht Auto aufzubrechen
Freibad öffnet am Donnerstag - mit Zittern und Bangen
Im Mai öffnen die Freibäder – auch in Miesbach. Doch während man sich andernorts vor allem gutes Wetter wünscht, bangt man in Miesbach um etwas anderes: Hoffentlich hält …
Freibad öffnet am Donnerstag - mit Zittern und Bangen
Wasser-Behörde baut Leitzach fischfreundlich um
Konkret baut das Wassserwirtschaftsamt sämtliche Schwellen so um, dass sie für Fische passierbar werden. Bisher war das nicht der Fall. Die Arbeiten haben schon begonnen.
Wasser-Behörde baut Leitzach fischfreundlich um

Kommentare