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Passt das dahin? Zwischen den Gewerbeflächen in Buchbichl und an der Autobahn möchte Irschenberg der Firma Lettenbichler die Möglichkeit geben, sich anzusiedeln. Der Bund Naturschutz hält das für Irrsinn. 

Stellungnahme

Geplante Gewerbeansiedlung im Grünen bei Irschenberg: Naturschützer entsetzt

Wie bitte? Ein Sondergebiet Transport mitten im Nirgendwo? Da spielt der Bund Naturschutz nicht mit. Er zeigt sich entsetzt über die Entscheidung und lehnt die Irschenberger Pläne strikt ab.

Irschenberg – Nur wenige Meter südlich: das Gewerbegebiet Buchbichl, ein paar hundert Meter nördlich: das Gewerbegebiet Wendling mit bestehenden Erweiterungsmöglichkeiten. Warum Irschenberg ausgerechnet eine bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche westlich der B 472 für die Ansiedlung des Transportunternehmens Lettenbichler (wir berichteten) freigeben möchte, will sich der Kreisgruppe Miesbach im Bund Naturschutz nicht erschließen. Die darf in dem Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans mitreden, der Gemeinderat muss die Einwände des Umweltverbands berücksichtigen und erklären, warum er gegebenenfalls dennoch an den Ansiedlungsplänen festhält.

Dem Bund Naturschutz stinken gleich mehrere Dinge. Zum einen hat er den Eindruck gewonnen, dass Irschenberg ein Schein-Verfahren durchzieht und schon vorab alles Notwendige mit maßgeblichen Stellen wie Regierung von Oberbayern und Landratsamt ausgekartelt hat. „Der BN kritisiert diese Vorgehensweise aufs Schärfste“, schreibt Kreisgruppen-Chef Manfred Burger in seiner Stellungnahme.

Bürgermeister Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) bestreitet gar nicht, dass man vorab bei besagten Stellen angeklopft habe. „Wir haben halt gefragt: Könnt Ihr Euch das vorstellen?“ Kein ungewöhnlicher Vorgang, so der Rathauschef. Zur Ansiedlung just an der vorgeschlagenen Stelle sagt Schönauer: „Wir haben überlegt, wo das hinpassen könnte, und der Gemeinderat war der Ansicht, dass sich dieses Grundstück anbietet.“ Dort werde niemand gestört.

Das ist Burger deutlich zu wenig. Einfach zu postulieren, man habe halt kein anderes Grundstück, ist dem Miesbacher zu lapidar. Gegebenenfalls müsse das Unternehmen halt in einer anderen Gemeinde fündig werden. Genau das aber will Schönauer nicht. „Das ist ein alt eingesessener Betrieb und ein guter Steuerzahler.“ So hatte der Bürgermeister schon im Gemeinderat argumentiert, der die Flächennutzunsplan-Änderung gegen die Stimme von Hans Maier (FDP/Aktive Bürger) ins Verfahren schickte.

Maier hatte da ebenso argumentiert wie jetzt der BN: Die Ansiedlung „verstößt gegen das nach wie vor gültige Anbindegebot“ und widerspreche dem Landesentwicklungsplan, der eine Zersiedelung der Landschaft verhindern soll. Der BN führt zudem ein nahe gelegenes Bio top und FFH-Gebiet ins Feld. Hier bestehe eine „große Gefahr der Beeinträchtigung“. Dahingehend fehlten in den Unterlagen eingehende Prüfungen. Burger geht davon aus, das auf dem rund 7500 Quadratmeter großen Firmengelände des Logistikunternehmens auch eine Tankstelle entstehen soll.

All das wäre an anderer Stelle viel besser aufgehoben, findet Burger – nämlich ein paar hundert Meter weiter nördlich, direkt an der Bundesstraße gegenüber der OMV-Tankstelle. Das Gelände ist im Flächennutzungsplan der Gemeinde bereits als Gewerbegebiet ausgewiesen und befinde sich in einem ohnehin „bereits stark verändertem Umfeld“.

Diesem Ansinnen erteilt Schönauer eine Absage. Für besagte Fläche – sie ist insgesamt rund 20 000 Quadratmeter groß – gebe es bereits eine konkrete Anfrage eines anderen Betriebs. Hier bevorzuge die Gemeinde produzierendes Gewerbe. Transport und Logistik wolle man – ebenso wie in Salzhub auf der anderen Seite der Autobahn – nicht haben.

Der BN kann die Standortentscheidung nicht nachvollziehen und verlangt „Einsichtnahme in die Standortalternativenprüfung nach dem Umweltinformationsrecht“.

Daniel Krehl

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