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Rund 800 Konzertbesucher waren ins Zirkuszelt nach Irschenberg gekommen, um Hans Söllner und seine Band „Bayaman Sissdem“ zu hören. Der Liedermacher präsentierte Lieder aus 30 Jahren seines Schaffens.

Er schreit und schimpft, jault und flüstert

Hans Söllner in Irschenberg: Der will doch nur spielen

Liedermacher-Rebell Hans Söllner ist bekannt für ausufernde Zwischentexte. Ganz anders gab er sich zum Auftakt des IrschenBergFestivals mit seiner Reggae-Band „Bayaman Sissdem“.

Irschenberg – Der bayerische Liedermacher-Rebell Hans Söllner ist bekannt für ausufernde Zwischentexte bei seinen Live-Konzerten. Ganz anders gab er sich zum Auftakt des IrschenBergFestivals im Zirkuszelt beim Dinzler, als der Reichenhaller zusammen mit seiner Reggae-Band „Bayaman Sissdem“ bei winterlichen Temperaturen die Ehre des Eröffnungskonzerts hatte.

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Hans Söllner in Irschenberg: Der will doch nur spielen

Vor 800 Besuchern im Sternenzelt glänzte der „Hansä“ dafür umso mehr musikalisch und gab – ganz bei sich und gelassen – mit zwanzig Liedern einen opulenten Querschnitt aus seinem über 30-jährigen Schaffen zum Besten. Über 300 000 Euro hat der streitbare Barde, der sich nichts gefallen lässt, in seiner „Glanzzeit“ angeblich an Strafgeldern bezahlt, als er noch ohne Rücksicht auf Verluste wild um sich schlug. Stoiber, Beckstein oder Merkel verbal an die Wäsche ging und einen Prozess nach dem anderen am Hals hatte.

Das hat sich geändert, heißt aber auf keinen Fall, dass der 63-Jährige inzwischen altersmilde geworden ist. Seine Themen sind zeitlos und immer noch die gleichen. Nach wie vor besingt er Frieden und Freiheit, geißelt er Verlogenheit in der Politik, Unrecht und Ungerechtigkeit, streitet er für Humanität, Liebe und Respekt. Im Klassiker „Der Sturm“ fordert er „Freiheit für die Kinder, die arbeiten, bis sie sterben“, warnt: „Hör ned auf Politiker, wenn’s betteln um dei Gunst, weil’s sonst a Wahl verlieren, hör ned auf die Mächtigen, heit san‘s groß und mächtig, morgen san‘s alle tot.“

Nach wie vor schreit und schimpft, jault und flüstert er, lacht und grinst er. Hans Söllner hat ja auch seine Themen, die schmunzeln lassen: „I bin ned für die Legalisierung von Drogen, i bin für die Legalisierung von Freiheit, und da g’hert des dazua“.

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Hans Söllner: Hits von „Edeltraud“ bis „Mei Voda hod an Marihuana-Baam“

Die Kult-Songs „Edeltraud“ („du host a sauguats Gras obaut“), „Mei Voda hod an Marihuana-Baam“ (und seitdem ist er viel besser drauf) oder „Boarischer Krautmo“ in einer äußerst lässigen Version deckten diesen Themenbereich humorvoll ab. Das Publikum, das ein Altersspektrum von 20 bis 70 abdeckte, nahm den Aufruf „Seid’s bereit?“ gerne auf und brachte sich fröhlich ein. Immer wenn Söllner seine Band „Bayaman Sissdem“ mitbringt, ist Reggae angesagt. Sumali Bärlinger (Bass), Manfred Puchner (Gitarre), Peter Pichler (Akkordeon) und Stefan Hofer (Schlagzeug) sind perfekt eingespielt, gaben dem Hans volle Rückendeckung und sorgten für Karibikfeeling mit teils harten, teils fast zärtlichen Liedern („Frühling“, „Sei ned so traurig, wenn i geh‘“) – immer auf Bairisch.

So verfügt Söllner über ein Alleinstellungsmerkmal, das nichts von seiner Zugkraft eingebüßt hat. Vielen alten Songs wie etwa „Hey Staat“ („Heid sog da i amoi, wos i ois mach für di, und dann sog du mir amoi, was du ois machst für mi“) verpasste er ein neues Reggae-Gewand und sorgte so für frischen musikalischen Wind. Er redete wenig. „Das ist jedes Mal anders. Und ich mach‘ das vor allem dann, wenn das Publikum steht. Wenn es sitzt, schaut’s wieder anders aus.“

Die Fans, die möglichst viel von seiner groovigen, in Körper und Gebein fahrenden Musik hören wollten, werden es dem unerbittlichen Mahner, dessen Wut manchmal wie eine Naturgewalt aus ihm herausbricht, der aber gleichzeitig vor Lebenslust strotzt, gedankt haben. Ob es ihm in Irschenberg gefallen habe: „Super, ein toller Auftakt für die Sommersaison – und des mitten im Winter.“

Hans Söllner mosert gern über Politiker. Nun will er selbst einer werden und sich als Kandidat für den OB-Posten von Bad Reichenhall aufstellen lassen.

Der Bericht vom letzten Jahr: Irschenberg Festival: Max Mutzke sorgt für fulminanten Auftakt

von Reinhold Schmid

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