Komplizierter Einsatz: Mit der Drehleiter ging ein Trupp von außen gegen den Brand vor, nahm Schindeln weg und löschte von oben. Ein zweites Team mit Atemschutz bekämpfte das Feuer vom Wohnraum aus.
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Komplizierter Einsatz: Mit der Drehleiter ging ein Trupp von außen gegen den Brand vor, nahm Schindeln weg und löschte von oben. Ein zweites Team mit Atemschutz bekämpfte das Feuer vom Wohnraum aus.

Feuerwehren retten Wohnhaus

Heftiger Blitzschlag in Irschenberg: Rauch macht zwei Familien obdachlos

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Das Gewitter, das sich am Donnerstagabend über Irschenberg entlud, war ziemlich heftig. Aber gerade einer der letzten Blitze hatte es besonders in sich: Er schlug in ein Wohnhaus im Ortsteil Oberhasling ein. Die Folgen waren fatal: Der Dachstuhl brannte, die Wohnräume sind verraucht. Der Schaden liegt bei über 200 000 Euro.

Irschenberg – Es ist ein Unglück, das theoretisch überall möglich ist. Passiert ist es aber am Donnerstagabend in der Gemeinde Irschenberg im Ortsteil Oberhasling. Ein Blitzschlag hat dort gegen 23 Uhr einen Dachstuhl in Brand gesetzt. Rund 85 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Irschenberg, Reichersdorf, Miesbach, Weyarn und Vagen (Kreis Rosenheim) kämpften über zwei Stunden gegen die Flammen – letztlich mit Erfolg.

Das Feuer konnte vom Dachstuhl aus nicht auf das restliche Gebäude übergreifen. Zudem wurde niemand der sieben in dem Haus wohnenden Personen verletzt. Die zwei Familien, die dort im ersten Stock unter dem Dach leben, konnten selbstständig das Haus verlassen. Sie hatten lediglich leichte Rauchgasvergiftungen und wurden durch den ebenfalls alarmierten Rettungsdienst behandelt.

Der Erste, der am Einsatzort eintraf, war Irschenbergs Kommandant Tom Niggl. „Es war eine komplizierte Situation“, berichtet er auf Nachfrage unserer Zeitung. „Im Obergeschoß war eine starke Rauchentwicklung, die schwer zu lokalisieren war. Der Rauch verdichtete sich schnell.“

Die Einsatzkräfte setzen von zwei Seiten an: Ein Trupp mit Atemschutz griff von innen an, während ein zweiter über die aus Miesbach angeforderte Drehleiter das Dach öffnete und dort löschte. Dabei erschwerte die Isolierung die Arbeiten, weil hier Wasser allein nicht reichte – es musste auch Löschmittel eingesetzt werden.

Aus Niggls Sicht hat der Einsatz reibungslos funktioniert: „Die Feuerwehren haben sehr gut zusammengearbeitet.“ Zudem wurde das Feuer gelöscht, ohne dabei einen Wasserschaden in den Wohnräumen zu verursachen. „Wir haben innen klein abgelöscht.“ Entweder wurden kokelnde Gegenstände über das Fenster nach draußen befördert oder drinnen dosiert gelöscht.

Von Vorteil war, dass die Feuerwehr schnell vor Ort war, sagt Niggl: „Der Alarm ging um 23.10 Uhr ein. Sieben Minuten später war das erste Fahrzeug da.“ In der Folge habe man Hand in Hand gearbeitet. „Ich würde sagen, wir konnten viel abwenden.“

Reibungsloser Ablauf: Rund 85 Einsatzkräfte aus fünf Feuerwehren bekämpften in der Nacht die Flammen.

Dennoch ist der Schaden beträchtlich. Die Polizei Miesbach geht in ihrem Bericht zum Einsatz davon aus, dass der Schaden bei über 200 000 Euro liegen dürfte. Grund dafür ist der Rauch, wie Irschenbergs Kommandant erklärt: „Der Rauch hat von oben in die Wohnräume gedrückt. Und dort war alles offen, so dass der Rauch auch überall hinziehen konnte.“ Zuvor habe sich der Rauch bereits unter dem Dach komplett ausgebreitet. Die Folge ist für die betroffenen Familien bitter: Beide Wohnungen sind nicht mehr bewohnbar. Noch in der Nacht mussten die Bewohner das Haus verlassen. Eine Familie kam privat unter, die andere wurde in einem Gasthaus einquartiert.

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Wie heftig der Blitzeinschlag war, hat selbst Niggl überrascht: „So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Der Blitz sei so stark gewesen, dass er zum Teil Steckdosen aus der Wand geschossen habe. Und um diese Stellen sei ein 30 bis 40 Zentimeter breiter schwarzer Ring zu sehen. Auch Teile der Holzdecke seien runtergekommen.

Am Tag danach: Nur Holzreste und Isoliermatten zeugten am Freitag vom Löscheinsatz in der Nacht.

Am Tag danach machte sich Irschenbergs Bürgermeister Klaus Meixner ein Bild von den Folgen des Blitzeinschlags. „Äußerlich ist gar nicht viel zu sehen“, stellt er fest. Das Dach ist mittlerweile wieder geschlossen, lediglich Holzreste und Isoliermatten lagen neben dem Haus. Dennoch bestätigt Meixner Niggls Einschätzung: „Innen ist es grob. Das ist ein Totalschaden. Da ist alles kaputt. Der Rauch hat das ganze Haus unbewohnbar gemacht.“ Es wieder herzurichten, werde Monate dauern. Dennoch macht Meixner – selbst Zimmerermeister mit jahrelang eigenem Betrieb – den Betroffenen Mut, dass sie seitens der Handwerksbetriebe durchaus auf Unterstützung hoffen dürfen. „Solche Notfälle versucht man in der Regel vorzuziehen.“

Für den Bürgermeister ist nun wichtig, dass die beiden Familien für diese Zeit zügig ein neues Zuhause finden. „Wir suchen eine Unterkunft und hören uns um, wo sie bis dahin wohnen können“, sagt er. Wer geeignete Wohnräume hat oder weiß, wird gebeten, sich bei der Gemeinde Irschenberg im Rathaus zu melden.

Auch wenn die Brandursache nach ersten Ermittlungen sich als Blitzschlag darstellt, muss der Fall ordentlich untersucht werden. Die Kriminalpolizei in Miesbach hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Was Meixner unabhängig davon betroffen macht, ist die Willkür, die in diesem Unglück steckt, diese Laune des Schicksals: „Der Blitz hätte in jedes Haus einschlagen können. Jedem hätte das passieren können.“

ddy

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