Gags im Sekundentakt: Christoph Grissemann (l.) und Dirk Stermann lieferten in Irschenberg ein unterhaltsames Pointenfeuerwerk ab, das es gelegentlich aber an Aktualität missen ließ.
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Gags im Sekundentakt: Christoph Grissemann (l.) und Dirk Stermann lieferten in Irschenberg ein unterhaltsames Pointenfeuerwerk ab, dem es gelegentlich aber an Aktualität fehlte.

Satiriker-Duo von „Willkommen Österreich“

Irschenberg-Festival: Stermann und Grissemann mit bösen Gags der Wiener Art - „bizarre Mischung“

  • Alexandra Korimorth
    VonAlexandra Korimorth
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Die TV-Stars Stermann und Grissemann gastierten beim Irschenberg-Festival. In ihrem unterhaltsamen Programm fanden sich auch Gags unter der Gürtellinie.

Irschenberg – Der Auftakt des Irschenbergfestivals 2021 mit dem aus dem ORF bekannten deutsch-österreichischen Satiriker-Duos Stermann und Grissemann begann als tiefschwarz-humoriges Feuerwerk und endete mit einem dramaturgischen Coitus interruptus. Corona-Spätfolgen?

Dreimal wurden Dirk Stermann und Christoph Grissemann mit ihrem Programm „Gags, Gags, Gags“ coronabedingt verschoben. Beim vierten Anlauf hat es beim Irschenbergfestival nun geklappt – laut Veranstalter Tom Janko dank des Förderprojekts „Neustart Kultur“, mit dem der Freisaat Bayern die durch die nur 200 statt der sonst üblichen 1000 Zuschauer verursachte Finanzierungslücke deckte. Für die bayerische Staatsregierung gab es dafür ebenso Applaus wie für das Durchhaltevermögen des Publikums.

Unter der Gürtellinie: Gags bekannter TV-Stars aus der Kultsendung „Willkommen Österreich“

Dessen Erwartungshaltung, zumal nach der langen Kultur-Zwangspause, gegenüber der über Staatsgrenzen hinweg bekannten TV-Stars aus der Kultsendung „Willkommen Österreich“ war entsprechend groß. Schon beim vermeintlichen Warm-up zur 1165., mit Pleiten, Pech und Pannen behafteten Folge der Show – so das Konzept ihres Bühnenprogramms, mit dem sie seit 2017 on Tour sind – hauten Stermann und Grissemann ihre Gags im Sekundentakt raus. Oder besser gesagt: sich gegenseitig um die Ohren und unter die Gürtellinie.

Gegenseitig stellten sie sich als „bizarre Mischung aus Richard Gere und Johannes Heesters inklusive mit Ejakulat gestylter Karfiolfrisur“ vor – oder angesichts der Altersakne von Christoph Maria Grissemann als das „offizielle Gesicht zur Mondlandung“ und „Meister Proper des ORF“. Wie gewohnt bekam die österreichische Prominenz beim Namedropping ihr Fett weg: Josef Hader, die Witwe von Jörg Haider. Der haarige Michael Niavarani, mit dem man den Abend zuvor im Swinger Club zubrachte. Madonna. „Brangelina“. Sebastian Kurz mit seiner „Sicherung der Außengrenzen-Frisur“. Oder Markus Söder, dem Resultat von einmaligen Sex zwischen Barbie und Ken und seinem „Slim-fit-Gestelze“.

Recep Tayyip Erdogan habe die Türkei bildungsmäßig in den Abgrund geritten, indem er die Darwinsche Evolutionstheorie aus den Schulbüchern strich. Denn: „Der Türke kann nicht an die Evolution glauben, weil Affen keinen Schnurrbart tragen.“

Abruptes Ende statt Höhepunkt: Publikum ratlos - Applaus kommt trotz verschwundener Künstler

Eingespielt wurden, um die Wartezeit auf die Studiogäste zu verkürzen, die freilich nie auftauchen sollten, auch am Dienstagabend Fundstücke aus dem österreichischen „Bildungsfernsehen“. Das waren Beiträge, die so absurd waren, dass man anzweifeln musste, dass sie tatsächlich so ausgestrahlt wurden – egal ob Schnipsel der Quiz-Show „Bingo“ oder das englischsprachige „Russia Today“-Interview mit dem Tiroler FPÖ-Sprecher Johann Überbacher.

Vor der Pause waren Stermann und Grissemann die Lacher des Publikums sicher, auch wenn man sich hier und da etwas aktuellere Bezüge gewünscht hätte. Aber vielleicht war es auch der mehrmaligen Verschiebung geschuldet, dass das Programm nicht aktualisiert worden war und dass das Dreamteam des schwarzen Wiener Humors nicht ganz so eingespielt wirkte wie sonst.

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Nach der Pause, als sich weder lebende noch tote oder fast tote Studiogäste auftun ließen – immerhin Tobias Moretti, Andre Heller und Josef Hader entschuldigten sich per Videonachricht – blickten die Satiriker von einem fiktiven Zeitpunkt in der Zukunft auf ihre Karrieren und ihre gescheiterten Selbstmordversuche zurück. Mit suizidaler Plastiktüte auf dem Kopf verabschiedet sich Grissemann, begleitet vom „Senza te“-singenden Stermann im Diskokugel-Lichterregen und Nebel aus der Nebelmaschine vom ratlos zurückbleibenden Publikum. Statt des erwarteten Höhepunkts gab es ein abruptes Ende, und es dauerte etwas, bis dann doch applaudiert wurde. Die Künstler aber waren und blieben nicht mehr gesehen.

Weitere Auftritte für die Konzerte Kapelle So & So, D‘Bavaresi, Cafe del Mundo, Andreas Kümmert und Django Asül gibt es noch Karten an allen Münchenticket Vorverkaufsstellen und online bei www.crossgammy.de. Konzertbeginn ist jeweils um 20 Uhr. Die Veranstaltungen finden im großen Zirkuszelt mit maximal 200 Personen statt. (ak)

Die Zuschauerkritik: Petra Eckardt-Köstler (57) aus München genoss die „besondere Stimmung“

Zuschauerin Petra Eckardt-Köstler (57) aus München.

Eckardt-Köstler sagt: „Dieser Termin war für mich als gebürtige Wienerin einfach Pflicht, und ich komme extra dafür aus München. Da er dreimal wegen Corona verschoben wurde und uns dieses Virus jetzt schon fast zwei Jahre blockiert, ist es einfach nur großartig, dass der Kabarettabend – und ja – das gesamte Festival jetzt stattfindet. Dass die Veranstalter uns das ermöglichen, ist echt super. Und dass hier eine so besondere Stimmung herrschte, mag daran gelegen haben, dass wir sowas so lange nicht genießen konnten. Aber vielleicht auch, dass nur 200 Leute reindurften. Für mich ist es meine dritte Live-Veranstaltung seit der Lockerung, und ich habe mich hier sehr sicher gefühlt. Aber ich bin auch zweifach geimpft und habe auch von mir aus alles getan, um mich und andere zu schützen.“

Für Kulturveranstaltungen in Bayern gelten seit 1. Juli neue Regeln - hier ein Überblick.

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