Irschenberg ist vom öffentlichen Busverkehr kaum erschlossen
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Endtstation Irschenberg: Eine Busverbindung in den Landkreis Rosenheim gibt es von Mai bis Oktober mit der Wendelstein-Ringlinie, doch die führt nicht über Irschenberg – auch wenn dieser Bus auf der Linie 9558 das suggeriert.

Leben an der Landkreisgrenze

Irschenberg ist vom öffentlichen Busverkehr kaum erschlossen

  • Dieter Dorby
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Die spärliche Anbindung an den ÖPNV kostet Irschenberg Prestige. Nach Norden und Osten ist die Gemeinde abgeschnitten. Eine Verbindung in den Kreis Rosenheim könnte aber kommen.

Irschenberg – Der Ort Irschenberg ist eine Durchgangsstation. Viele Reisende auf der A 8 kennen ihn – sei es von Staumeldungen aus dem Radio oder von Abstechern zur Raststätte, zu McDonald’s oder zu Dinzler. Wer sich zwischen München und Österreich bewegt, kommt an Irschenberg nicht vorbei.

Doch Irschenberg ist auch Endstation. Die Buslinie 9558 verkehrt nur innerhalb der Grenzen des Landkreises Miesbach und steuert den Ort von Miesbach her an. Im Norden und Osten ist die Kommune abgeschnitten – dort verläuft die Grenze zum Kreis Rosenheim. Wer zu den Nachbarn will, fährt mit dem Fahrrad, dem Motorrad oder dem Auto, aber nicht mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

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Irschenberg ist vom öffentlichen Busverkehr kaum erschlossen

Diese spärliche Anbindung kostet die Gemeinde Prestige. So leistungsfähig sie durch ihre zentrale Lage an der Autobahn ist, so rückständig ist sie beim ÖPNV. Bei der Fortschreibung des Regionalplans Oberland soll Irschenberg zum „allgemeinen ländlichen Raum“ abgestuft werden, während fast der gesamte übrige Landkreis als Mittelzentrum (Holzkirchen, Miesbach-Hausham), verbundene Mittelzentren (Tegernsee mit Gmund, Bad Wiessee, Rottach-Egern und Kreuth) oder Grundzentrum (Bayrischzell, Fischbachau, Schliersee und Waakirchen) geführt wird. Lediglich Irschenberg, Valley, Warngau, Weyarn und Otterfing weisen keinen gehobenen Status auf. Und nicht nur das: Auch aus dem Alpenraum wurde Irschenberg herausgenommen. Das zentrale Argument für diese Abstufung: die kaum vorhandene Erschließung durch den ÖPNV.

Bürgermeister Klaus Meixner ist dieser Zustand nicht neu. „Das war schon zu meiner Lehrzeit vor über 40 Jahren so“, sagt der Zimmerermeister. „Damals hatte ich meine Lehrstelle in Au und musste zur Berufsschule nach Rosenheim. Mit dem Radl bin ich in unseren Ortsteil Grub gefahren, wo um 6.30 Uhr der Bus losfuhr.“ Um 18 Uhr ging es zurück. Doch seit vielen Jahren gibt es auch diesen Bus nicht mehr. „Das hat sich nicht rentiert“, sagt Meixner. „Für unsere Gemeinde ist die fehlende Busanbindung in den Nachbarlandkreis ein großer Nachteil.“

Denn so wie damals Meixner geht es den Auszubildenden heute noch. Sie müssen zur Arbeit und zur Berufsschule. Richtung Miesbach verkehrt der Bus sporadisch, Richtung Rosenheim gar nicht. Obwohl dort in Bruckmühl der Zug nach München hält, was für manchen Pendler eine Option wäre, auf ein Auto zu verzichten. Aber nicht ohne Bus.

Unterstützung findet Meixner im Landkreis Rosenheim bei Hans Schaberl, Bürgermeister der westlichsten Landkreisgemeinde Feldkirchen-Westerham. „Damit rennt man bei uns offene Türen ein“, sagt er. „Auch bei uns hat man das Gefühl, dass an der Landkreisgrenze die Welt endet.“ Eine Verbindung nach Irschenberg oder – für seine Gemeinde noch näher – Valley oder Weyarn wäre überlegenswert. Das gelte auch für Radwege. „An der Grenze steht man oft im Niemandsland.“ Auch das Berufsschulproblem bestätigt der Bürgermeister – in umgekehrter Richtung: „Wir haben eine Näherin, die in Miesbach lernt und mit dem Mofa fahren muss.“ Wie Meixner hält er es für wichtig, zumindest Zubringerbusse zu den Bahnhaltestellen einzurichten. Auch für Rentner, die aufs Auto verzichten wollen, sei das ein Thema.

In Bruckmühl hat Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW) indes noch keinen Bedarf ausgemacht. „Bei uns nichts aktenkundig in dieser Richtung“, sagt er. Pendlerströme in Richtung Irschenberg und Miesbach gebe es sehr wohl – so gesehen wäre eine Busverbindung „nice to have“. Denn: „Wenn es hilft, den Individualverkehr zu verringern, kann man gerne in diese Richtung arbeiten.“ Jedoch müsse man zuerst Potenzial und Kosten prüfen. Ein Austausch zwischen den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden wäre ein erster Schritt.

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Anbindung in den Kreis könnte kommen

Geht es nach Peter Bartl, wäre eine Anbindung an den Landkreis Rosenheim kein so großer Akt. „Beide Seiten müssen es wollen“, sagt der der stellvertretende RVO-Niederlassungsleiter. Technisch wäre ein Antrag bei der Regierung von Oberbayern zu stellen – inklusive Fahrplan und Tarifangebot. Dann würden beide Landkreise offiziell eingebunden, wobei eine vorherige Absprache sinnvoll wäre. In diese Richtung gehe auch der Quer-Alpenbus, der von Rosenheim über Bad Aibling, Miesbach und Bad Tölz nach Weilheim führen soll, allerdings ohne an jeder Milchkanne zu halten.

Auf diesen verweist im Miesbacher Landratsamt der zuständige Fachgebietsleiter Peter Schiffmann: „Aufgrund der Komplexität und des Vergaberechts wird es aber leider noch etwa zwei bis drei Jahre dauern, bis der erste Bus tatsächlich unterwegs ist.“ Im Nahverkehrsplan des Landkreises sei mindestens ein Stundentakt zwischen Irschenberg und Miesbach das Ziel. „Eine Anbindung in den Landkreis Rosenheim wäre eine Option“, sagt Schiffmann. Weitere Hoffnungen ruhen auf dem Beitritt zum MVV, „wenn auch der Landkreis Rosenheim beitritt, was die Abstimmungsprozesse erheblich erleichtern würde zum Beispiel beim Tarif“.

Interessant sich dabei die Irschenberger Pendlerzahlen, die dem Landratsamt vorliegen. 282 fahren nach Miesbach, 115 nach Brückmühl, 96 nach Bad Aibling, 147 nach Rosenheim und 135 nach München. Das heißt: Die wichtigste Verkehrsbeziehung ist die nach Miesbach. „Wenn auch die in Richtung Landkreis Rosenheim nicht gänzlich uninteressant sind“, sagt Schiffmann. Für Schüler gebe es Verflechtungen nach Miesbach, Fischbachau und Holzkirchen, aber nicht signifikant in den Kreis Rosenheim.

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