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Der Gemeinde geht’s gut: Irschenbergs Bürgermeister Hans Schönauer wusste „den anständigsten Bürgern Europas“ im Trachtenheim viel Positives zu berichten.

Bürgerversammlung

Irschenberg: jung, reich und gar nicht kriminell

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Wenn der Bürgermeister am Ende einer Bürgerversammlung keine Fragen beantworten muss, ist das ein Zeichen von Resignation oder von Zufriedenheit. In Irschenberg schien Letzteres der Fall zu sein.

Irschenberg - Als Irschenbergs Bürgermeister Hans Schönauer am Ende seines Berichts zur Fragerunde bittet, herrscht unter den rund 80 Anwesenden bei der Bürgerversammlung im Trachtenheim kollektives Schweigen. Kein Wunder angesichts der beinahe ausnahmslos positiven Zahlen, die der Rathauschef zuvor präsentiert hatte. Die Gemeinde blickt auf ein – vor allem aus finanzieller Sicht – erfolgreiches Jahr 2016 zurück. 

In einer unruhigen, rastlosen Zeit mit Bürgerkriegen, Naturkatastrophen und Flüchtlingsströmen sei man zusammengekommen, um zu schauen, wie es im Kleinen aussieht, sagte Schönauer zu Beginn. Zumindest in Irschenberg sieht es gut aus. Wie berichtet, sprudelten die Gewerbesteuereinnahmen unerwartet stark: rund drei Millionen Euro mehr als geplant flossen in die Gemeindekasse. Rund 35 Prozent stammen dabei aus dem Tourismus. Etwa 42.000 Gästeankünfte verzeichnete die Gemeinde 2016. Den positiven Zahlen zum Trotz erhob Schönauer mahnend den Zeigefinger. „Das ist eine Momentaufnahme, das wird auch wieder abfallen.“ Aufgabe der Gemeinde sei es, für magere Zeiten vorzusorgen. 

In Sachen Kinderbetreuung scheint die Zukunft in Irschenberg gesichert. Ende dieses Jahres soll der neue Kindergarten eröffnen, Kostenpunkt: rund 2,5 Millionen Euro. Ein wichtiger Schritt ist seit Freitag getan. „Die Erbpacht fürs Grundstück ist beschlossen, der Vertrag wurde heute abgeschlossen“, sagte der Bürgermeister. Wohl auch unter Zutun von Pfarrer Tadeusz Kmiec-Forstner, der laut Schönauer „sanften Druck“ auf das Ordinariat ausgeübt hatte. 

„Wir haben 2508 Kühe, die meisten im Landkreis.“

Dass es den Kindergarten braucht, zeigt nicht zuletzt ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung. 23 Todesfällen im vergangenen Jahr stehen 43 Geburten gegenüber. Schönauer: „Wir sind die jüngste Gemeinde im Landkreis.“ Der Bevölkerungszuwachs in Irschenberg ist dennoch überschaubar. Seit 2003 ist die Zahl der Einwohner um 176 auf 3229 angewachsen. Die Zahl der Landwirte ist gleichzeitig auf 140 geschrumpft. Dennoch: „Wir haben 2508 Kühe, die meisten im Landkreis.“ 

Was die Bautätigkeit angeht, setzt Irschenberg auf maßvolle Entwicklung: Um fünf Wohnhäuser, drei landwirtschaftliche Gebäude und drei Gewerbebauten hat sich der Bestand im zurückliegenden Jahr vergrößert. In den vergangenen 16 Jahren waren es insgesamt 97 Wohnhäuser, 79 landwirtschaftliche Gebäude und 26 Gewerbebauten. Platz 16 von 17 im Landkreis. „So viel wird in anderen Gemeinden in zwei Jahren gebaut“, sagte Schönauer. 

Um einen quasi-negativen Aspekt kam der Bürgermeister in seinem Bericht dann doch nicht herum: die hohe Kriminalitätsrate. Hochgerechnet auf 100 000 Einwohner komme die Gemeinde auf rund 14 000 Straftaten jährlich. Zum Vergleich: In ganz Bayern sind es im Schnitt zwischen 5000 und 6500 Straftaten. Schönauer lässt auf seine Bürger dennoch nichts kommen – die hohe Kriminalitätsrate sei der Nähe zur Autobahn geschuldet. „Wir sind den Zahlen nach eine der kriminellsten Gemeinden Deutschlands, haben aber die anständigsten Bürger Europas.“

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