Übernachtungsmöglichkeiten und Wirtshausbetrieb sind im Gasthof Post schon lange Geschichte. Jetzt gibt es neue Vorstellungen für eine Wohnbebauung. Konkrete Pläne will der Bauträger nun ausarbeiten.
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Übernachtungsmöglichkeiten und Wirtshausbetrieb sind im Gasthof Post schon lange Geschichte. Jetzt gibt es neue Vorstellungen für eine Wohnbebauung. Konkrete Pläne will der Bauträger nun ausarbeiten.

Bauträger legt Vorplanung vor

Mehr Wohnungen für das Postwirt-Areal

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Neuer Eigentümer, neue Planung – auf dem Postwirt-Areal in Irschenberg soll nun nach Jahren der Ungewissheit und des Stillstands der Bau neuer Wohnungen starten. Die die werden mehr als bislang geplant.

Die Bayern Wohnen GmbH, die den leer stehenden Gasthof – wie berichtet – Ende 2017 gekauft hat, hat nun ein Konzept entwickelt, das Projektleiterin Ines Adamik und Architektin Ines Stenzel am Montagabend im Gemeinderat vorstellten. Die konkrete Planung ist noch nicht abgeschlossen, berichtete Adamik, doch stehe eines bereits fest: Man brauche andere Baugrenzen.

Bislang war ein T-förmiges Gebäude vorgesehen, doch diese Form sei nicht optimal, erklärte Planerin Stenzel: „Wir würden lieber drei Gebäude daraus machen.“ Der Vorteil: Den First nach Nord-Süd ausgerichtet, könne man auf die nach Norden gerichtete Längsseite verzichten. Das erfordert aber ebenso eine Änderung des Bebauungsplans wie die geänderte Tiefgaragenzufahrt, die von der Nordseite nach Westen an die Straße verlegt und damit verkürzt werden soll. Ansonsten werden die Vorgaben auf dem rund 3900 Quadratmeter großen Grundstück bei einer Grundflächenzahl von 0,4 eingehalten. Auch die Geschossflächenzahl von 1,0 wird bei der Gesamtwohnfläche von rund 3000 Quadratmetern nicht ausgeschöpft.

Deutlich mehr Wohnungen als bislang geplant

Geplant sind laut Adamik 32 bis 34 Wohneinheiten, die sich eventuell nachträglich miteinander kombinieren lassen. „Wir wollen einen Mix aus Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen bauen“, erklärt die Projektleiterin, wobei der Schwerpunkt bei Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen liegen soll – alles auf Grundlage von Marktanalysen. „Es werden eben nicht nur Wohnungen für Familien gesucht, sondern auch für junge Leute und Senioren, die kleinere Zuschnitte benötigen.“

Im Gemeinderat wurde die neue Planung positiv aufgenommen. „Die Belichtung ist gut gelöst“, fand der amtierende Bürgermeister Klaus Meixner (CSU). „Das ist besser als die T-Form.“ Dass es mehr Wohnungen werden sollen, ist aus seiner Sicht Nebensache, weil die Fläche gleich bleibe. Auch Vize-Bürgermeister Hans Nirschl (FWG Irschenberg/Reichersdorf) lobte die Planung: „Wir waren positiv überrascht. Das ist eine gute Lösung, denn wir brauchen Wohnungen.“

Gegenwind für Kritiker Hans Maier

Kritisch reagierte dagegen Hans Maier (FDP/Aktive Bürger), der beiden Damen riet, die positiven Rückmeldungen aus der nicht öffentlichen Vorbesprechung nicht als „Freifahrtschein“ zu betrachten. Vor allem störte er sich daran, dass die Zahl der Wohnungen so stark erhöht werden soll. Kindergarten und Schule seien voll, stellte er mit Blick auf die Infrastruktur fest. „Wir brauchen aber bezahlbaren Wohnraum.“ Das Mehr an Wohnungen beschere dem Bauträger einen größeren Mehrwert – an dem solle auch die Gemeinde profitieren, da diese die Kosten für Wasser und Kanal trage.

Nirschl wollte dies so nicht stehen lassen: „Danke für deine Belehrungen, die brauchen wir alle nicht.“ Wenn es mehr Wohnungen werden, sei das nicht schlimm. „Wir brauchen auch kleine Wohnungen für Singles und Paare.“ Außerdem werde so etwas nicht am Ratstisch verhandelt.

Adamik verwies ihrerseits auf Baukostensteigerungen von zuletzt 15 Prozent und gab zu bedenken, dass sich gerade die ursprünglich sehr großen Wohnungen kaum jemand leisten könne – zumal der Quadratmeterpreis bei 4500 Euro liegen soll. „Wer kann schon 900 000 Euro für eine Wohnung bezahlen?“

Positive Resonanz aus dem Gremium

Auch Meixner begrüßte es, dass das Projekt nach der jahrelangen Hängepartie wieder in Bewegung komme: „Wir sind froh, dass dort gebaut wird, denn wir brauchen Wohnraum.“ Maiers Einwand, dass die Gemeinde auch diesmal keine Garantie habe, dass gebaut wird, konterte Regina Gruber (FWG Irschenberg/Reichersdorf): „Es bringt doch nichts, auf der Historie zu beharren.“ Und Franz Gasteiger (Freie Wähler Niklasreuth) ergänzte: „Die Fläche bleibt ja gleich, und der Bau wird insgesamt gefälliger.“ Was auch Tom Niggl (CSU) so sah: „Wir haben da viel herumgedreht. Optisch ist das jetzt die beste Lösung.“

Jahrelange Hängepartie

Wie berichtet, wurde das Postwirt-Anwesen 2013 von der Eigentümerfamilie des ehemaligen Traditionsgasthofs Postwirt an einen Bauunternehmer aus Brunnthal verkaufte. Der beantragte den Neubau eines Wellnesshotels, 2015 hatte er die Genehmigung im Sack. Doch dann hatte es sich der Investor anders überlegt und wünschte sich stattdessen besagte Wohnanlage. Nach intensiven Debatten rückte die Mehrheit der Gemeinderäte von ihrem ursprünglichen Wunsch, den Postwirt zu erhalten, ab und machte den Weg frei für 21 Wohnungen. Und wieder passierte nichts – bis zum Verkauf Ende 2017 an die Bayern Wohnen Verwaltungs GmbH mit Sitz in Stephanskirchen (Kreis Rosenheim).

Der Gemeinderat sprach sich mit Ausnahme von Maier für die Änderung des Bebauungsplans aus. Während das Verfahren läuft, arbeitet der Bauträger seine Pläne aus. Derzeit geht Adamik davon aus, dass bereits im dritten Quartal 2019 mit dem Verkauf der Wohnungen begonnen werden kann. Der Abbruch sei für die Wintermonate geplant, der Baubeginn für das zweite Quartal 2020. Der Einzug könnte im zweiten Quartal 2021 erfolgen.

ddy

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