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Nicht so gern gesehen: Für Automobilisten, die gerne an die Tempogrenze gehen, gibt es in der Region kaum passende Angebote.

Antrag abgeschmettert

Rallye-Freunde ausgebremst 

Es hätte ein Fest für die werden sollen, die Benzin im Blut haben. Doch Vollgas-Fetischisten sind in Irschenberg nicht willkommen. Lieber hat man dort Oldies.

Irschenberg – In Zeiten von E-Mobilität und steigendem Umweltbewusstsein auch bei Autofahrern mutet manchen das Thema Motorsport immer mehr antiquiert an. Gerhard Heger, Vorsitzender des AMC Miesbach, hat seinen Enthusiasmus für PS-starke Boliden nicht verloren. Heuer wollten er und seine Mitstreiter mal wieder etwas Größeres auf die Beine stellen: eine Rallye 70 im Oberland. Doch bisher hagelte es nur Absagen. Am Montag zum Beispiel im Irschenberger Gemeinderat.

Einen schönen Rundkurs hätte sich der AMC in Irschenberg vorstellen können. Über Buchfeld im Osten runter nach Schlachtham auf die Südseite der Autobahn Richtung Wilparting, dann über Leiten und Obholz wieder zurück. Rund acht Kilometer wären das einfach. Daraus ließe sich eine schöne Wertung nach zwei Runden stricken. Heger & Co. hatten in einem Dreivierteljahr Vorbereitung schon alles ausgetüftelt und auch auf der AMC-Homepage Lust auf die Veranstaltung gemacht. „Nach 18 Jahren Pause will der AMC Miesbach zurück auf die Rallye-Bühne“, heißt es da. Sieben Wertungsprüfungen, davon zwei Rundkurse, sind genannt – auf einer Strecke von 56 Kilometern. Deshalb auch der Begriff Rallye 70. Er bemisst sich an den Kilometern der Streckenprüfung – also den Abschnitten, auf denen es heißt: schnellstmöglich von A nach B. Vollgas. Alles unter 35 Kilometer heißt Rallye 35, drüber eben Rallye 70. Die Gesamtstrecke, die die PS-Freunde im Oberland hätten zurücklegen dürfen: 150 Kilometer. Außerhalb der gesperrten Abschnitte müssen sich die Rallyefahrer natürlich an die Straßenverkehrsordnung halten.

Dies müssen die Teilnehmer von Oldtimer-Treffen sowieso. Die tingeln eher im Genießertempo durch die Landschaft und sind deshalb deutlich willkommener als die Vollgas-Fanatiker. Das wurde auch im Irschenberger Gemeinderat deutlich. „Oldtimer lass ich mir eingehen, aber das ist der Wahnsinn“, sagte etwa Thomas Stadler (FWG Irschenberg-Reichersdorf). Hans Maier (FDP/FaB) missfiel eine solche Sprit-Fresser-Veranstaltung in einer „als umweltfreundlich ausgezeichneten Gemeinde“ ebenfalls. Zweiter Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) brachte noch in Erinnerung, dass während der fünf- bis sechsstündigen Sperrung die Anwohner ihre Grundstücke nicht verlassen können, und Bürgermeister Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) das Thema Sicherheit. Das Ergebnis: einhellige Ablehnung.

AMC-Chef Heger trägt’s mit Fassung: „Schade ist es schon, aber ich bin nicht allzu sehr enttäuscht.“ Er wisse, dass das Thema Rallye „immer sensibler“ betrachtet werde, just aus den Gründen, die auch in Irschenberg genannt wurden: Umweltschutz und Sicherheit. Manche Vorbehalte kann Heger dennoch nicht ganz nachvollziehen. Bei früheren Veranstaltungen – auch in Irschenberg – habe es nie Probleme gegeben. Und auch vergangenes Jahr nicht, als der AMC in Fischbachau einen Rallyesprint durchführen konnte.

Darauf hofft Heger auch für heuer: Anders als von Miesbach und Feldkirchen-Westerham, auf deren Hoheitsgebiet bei der Rallye 70 ebenfalls Wertungsprüfungen hätten stattfinden sollen, gibt es von dort noch keine Absage. Am Samstag, 10. März, könnten am Auerberg wieder die PS-starken Boliden den Ton angeben.

Auch die Freunde historischer Karossen hat der AMC heuer wieder im Blick. Heger liebäugelt damit, den Faden nach zwei Jahren Pause wieder aufzunehmen. „Irgendwas muss man ja tun“, sagt er. Zuletzt lockte die Rallye 50 Oldtimer nach Miesbach. Der bisherige Termin am zweiten Septemberwochenende ist allerdings schon von einer anderen Veranstaltung belegt: der Wendelstein Historic des Classic Cabrio Clubs, die vom 7. bis 9. September durchs Oberland führt. Und auch die Oldtimerfreunde Miesbach organisieren wieder ein großes Oldtimer-Treffen. Anlässlich der Feierlichkeiten zu 100 Jahre Stadterhebung Miesbach laden sie am Samstag, 21. Juli, Liebhaber historischer Boliden in die Kreisstadt ein. Vor vier Jahren waren knapp 500 Teilnehmer gekommen.

Für Freunde der Tempo-Fahrt auf gesperrten Straßen bleiben derweil wenig Gelegenheiten. Heger nimmt’s sportlich: „Man versucht’s halt immer wieder aufs Neue.“

Daniel Krehl

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