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Kein Spritgeld für die Helfer: Die Bitte um Fahrtkostenerstattung stieß der Helferkreis Asyl – im Bild Veronika Westphal (r.), Anneliese Lintzmeyer (l.) und Christa Gschwendtner (3.v.r.) – lehnte der Irschenberger Gemeinderat ab. Jetzt schauen sich die Helfer nach anderen Geldquellen um. 

Helferkreis bleibt auf Kosten sitzen

Gemeinde will Asylhelfern nichts für Fahrten zahlen

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Der Helferkreis Asyl in Irschenberg bietet unbürokratische Hilfe und holt die Flüchtlinge zweimal pro Woche aus Miesbach ab. Alles ehrenamtlich. Die Gemeinde will nichts zahlen.

Irschenberg – Gäbe es den Helferkreis Asyl in Irschenberg nicht, würden die sieben in Jedling untergebrachten Flüchtlinge regelmäßig in Miesbach stranden. Denn die Busfahrt, die sie zwei Mal pro Woche zum Deutschkurs in der Kreisstadt unternehmen, endet in einer Sackgasse. „Um 19.30 Uhr geht kein Bus mehr zurück“, erklärt Veronika Westphal, eine der beiden Sprecherinnen des im Februar gegründeten Helferkreises. Also springen die Ehrenamtlichen ein und holen die Asylbewerber mit ihren privaten Autos wieder ab.

Vier Helfer teilen sich die Fahrdienste untereinander auf. Dabei opfern sie nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Eine Fahrtkostenerstattung gibt es bislang nicht. Um die Engagierten zumindest an dieser Stelle zu entlasten, hatte der Helferkreis nun einen Zuschussantrag ins Irschenberger Rathaus geschickt. Ein Wunschbetrag war darin nicht genannt. Auf Nachfrage unserer Zeitung beziffert Westphal die Auslagen aber auf etwa 60 Euro pro Monat.

Nicht nur zu den Deutschkursen rücken die ehrenamtlichen Taxifahrer aus. Auch zur Tafel bringen sie die Mitglieder der beiden Familien aus Syrien und Afghanistan. Hin und wieder stehen spontane Arzt- oder Behördentermine an. „Wir kutschieren die Flüchtlinge nicht zur Gaudi herum“, betont Westphal. „Das sind alles essentielle Termine für die Integration.“

Daran zweifelte im Gemeinderat niemand. Dennoch riet Bürgermeister Hans Schönauer (FWG) von einer Kostenübernahme durch die Gemeinde ab. So habe der Integrationsbeauftragte des Landkreises, Max Niedermeier, bei der Gründung des Helferkreises zugesichert, dass keine finanzielle Belastung auf die Kommune zukomme.

Zugleich befürchtete Schönauer, dass im Falle einer Zusage weitere Vereine an das Rathaus herantreten könnten. „Wenn wir einmal damit anfangen, kommen andere auch“, sagte Schönauer. Beispielsweise gebe es viele ältere Leute, die sich eine Fahrtmöglichkeit wünschen würden. „Am Kirchplatz warten genügend Senioren auf den Bus“, bestätigte Klaus Waldschütz jun. (CSU). Zudem befinde sich die Unterkunft in Jedling in unmittelbarer Nähe zu einer Haltestelle, ergänzte Thomas Stadler (FWG). Dass die Anbindung trotzdem „fürchterlich“ sei, gab sein Fraktionskollege Franz Anian Nirschl zu Bedenken. Marinus Eyrainer (FWG) empfahl dem Helferkreis, zuerst mit Niedermeier über die Möglichkeiten der Fahrtkostenerstattung zu sprechen.

Ein Plädoyer für die Helfer hielt Hans Maier (Aktive Bürger). Die Wohnlage der Flüchtlingsfamilien in Jedling sei ungünstig. „Da kommt keiner weg.“ Dass in Irschenberg in Sachen Asyl alles reibungslos laufe, sei dem Helferkreis zu verdanken. Mit „Ach und Krach“ habe man damals sieben Leute zusammengebracht. Eine finanzielle Unterstützung wäre wichtig – auch, weil nicht alle Helfer „finanziell gut gebettet“ seien. Schönauers Verweis auf die Senioren griff Maier in einem Vorschlag auf. „Vielleicht könnten wir das Angebot ja auf eine Nachbarschaftshilfe wie in Fischbachau ausweiten?“, fragte er.

Im Gremium fand sich für den Zuschuss am Ende keine Mehrheit. Einstimmig lehnten die Gemeinderäte den Antrag ab. Schönauer verwies dabei auf die Ersthelfergruppe First Responder, die ebenfalls keine Mittel aus dem Rathaus-Säckel erhalten würden. „Da geht es doch auch.“

Beim Helferkreis nimmt man die Ablehnung nicht krumm. Da man aber nicht als Verein organisiert sei und deshalb kein Spendenkonto führen könne, sei es schwierig, auf anderem Wege an eine Kostenerstattung zu kommen, meint Westphal. Sie will in naher Zukunft noch mal im Rathaus vorstellig werden. „Eine Unterstützung wäre auch ein Zeichen der Wertschätzung.“

sg

Beitritt zu PIA

Solidarisch zeigte sich der Irschenberger Gemeinderat bei einem anderen Asyl-Thema: Einstimmig segneten die Mitglieder den Beitritt zum Förderverein des Pakts für Integration und Arbeit ab. Ein symbolischer Betrag von 200 Euro werden dafür jedes Jahr fällig, erklärte Bürgermeister Hans Schönauer. Irschenberg sei zuletzt die einzige Gemeinde gewesen, die sich noch nicht zur PIA-Mitgliedschaft bekannt hatte.

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