Auf der Kippe: Der Delinquent (M., Katharina Grundbacher) und sein Henker (Sepp Grundbacher) treiben bei der „Hinrichtung“ in der gleichnamigen schwarzen Komödie ihren Jux mit der Putzfrau (Resi Krause).
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Auf der Kippe: Der Delinquent (M., Katharina Grundbacher) und sein Henker (Sepp Grundbacher) treiben bei der „Hinrichtung“ in der gleichnamigen schwarzen Komödie ihren Jux mit der Putzfrau (Resi Krause).

Schwarze Komödie „Die Hinrichtung“

Irschenberger Theater: Mordsgaudi mit Henker

  • VonHeidi Siefert
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Das Irschenberger Theater spielt wieder: Unter der Regie von Steffi Baier bringt die Gruppe um Sepp Grundbacher die schwarze Komödie „Die Hinrichtung“ auf die Bühne.

Irschenberg – Ob jemand ein Markl hätt, fragten die Zuschauer lachend am Absatz zum unbeleuchteten Treppenhaus und trugen damit den „Running Gag“ des Stücks noch mit nach draußen: Dass sich die „Hinrichtung“ in der gleichnamigen schwarzen Komödie schwierig gestaltet, liegt unter anderem darin begründet, dass die Zeitschaltuhr für den Hinrichtungsraum nur mit Münzgeld funktioniert. Schon einmal hatten das Irschenberger Theater das Stück von Bernd Späth gespielt, nach zehn Jahren kommt es nun unter der Regie von Steffi Baier neu aufgezogen auf die Bühne.

Lang hätten sie überlegt, ob es an der Zeit sei, ein Theater zu inszenieren, sagt Sepp Grundbacher nach dem lang anhaltenden Applaus der begeisterten Gäste im Saal beim Wirt in Loiderding. Grundbacher ist vom Bühnenauftritt sichtlich gezeichnet, Bier im Gesicht, Putzwasser auf dem zerrissenen Anzug. Voller Einsatz, mal wieder. „Ich hab das Gefühl, es ist uns gelungen, euch einen schönen Abend zu gestalten.“ In der Tat.

Grundbacher hatte dazu selbst maßgeblich beigetragen in der Rolle des Aushilfs-Henkers, den man aus der Pension holt, weil sich sein Nachfolger am Vortag der Hinrichtung beim Fußball verletzt hatte. Wenn er im Sortieren alles Notwendigen fassungslos konstatiert, dass man am Vortag doch keinen Sport treibe, weil „man kann doch keine Hinrichtung verschieben, weil der Libero gefoult wird“, wird schnell klar, dass bei ihm in 28 Dienstjahren der Beruf immer im Mittelpunkt stand. Einzig sein Engagement als Schriftführer beim Philatelistenverein hatte daneben seine Berechtigung. Dafür soll er geehrt werden. Ausgerechnet an jenem Tag, an dem er den Mörder Lorenz Demleitner (Katharina Grundbacher) durch den Strang ins Jenseits befördern soll. Und das zieht sich.

Der Delinquent verschläft. Der Hinrichtungsraum ist in einem jämmerlichen Zustand. Schon die Eingangstür kann der im besten Trachtenanzug für die Ehrung ausstaffierte Henker nur mit Demleitners Hilfe öffnen, weil das Schloss klemmt. Es entspannen sich herrliche Diskussionen von praktischen Dingen bis zu lebensphilosophischen Betrachtungen, die allein den Theaterbesuch lohnen würden. Auch wegen des Inhalts, vor allem aber wegen ihres brillanten Spiels auf nahezu leerer Bühne. Nicht von Ungefähr ziehen die Irschenberger selbst in ihrer Ankündigung Parallelen zu Karl Valentin und Monty Python.

Voller Einsatz und unerwartete Wendungen

Kongenial ergänzt das die Abordnung der Briefmarkenfreunde (Gusti und Thomas Huber, Sepp Kröll, Andi Liedschreiber, Hans Nirschl), die unvermittelt mit fröhlichem Gepolter zum Geehrten kommt und aus dem Zwiegespräch ein zünftiges Spektakel werden lässt. Im Leiterwagl haben sie nicht nur Urkunde und Ehrengabe mitgebracht, sondern auch Brotzeit und Bier, und so wird es nach den Formalitäten grad lustig.

Höhepunkt soll die Hinrichtung werden, die eine unerwartete Wendung nimmt, als der gewiefte Demleitner die allgemeine Aufregung durch das Auftreten des Landesgerichtspräsidenten und seines Adlatus (Monika Eyrainer und Gerti Reichenberger) nutzt, um das Geschehen in eine für ihn angenehme Richtung zu drehen. Die Putzfrau (Resi Krause), die mit Kittelschürze und stoischer Beharrlichkeit in ihrer Tätigkeit alle Klischees erfüllt, hätte man sich weniger einsilbig gewünscht. Das ein oder andere schnippische Wort hätte ihr Auftreten noch gut ergänzt.

Wegen der bisherigen Resonanz hat das Irschenberger Theater noch weitere Spieltermine beim Wirt in Loiderding angesetzt: am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, 21., 22. und 23. September (Karte: 16 Euro). Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Da es coronabedingt nur einen Akt mit knapp über einer Stunde Spielzeit gibt, ist das Stück auch von der Zeit absolut wochentagstauglich. Bereits ab 18 Uhr gibt es im Biergarten Speisen und Getränke mit musikalischer Umrahmung.

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