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Sieben Bläser auf unkonventionellen Pfaden: Das Wiener Ensemble Federspiel hat im Zirkuszelt am Irschenberg die Besucher in ganz neue, innovative Klanggefilde entführt.

350 Zuhörer staunen

Heilig’s Blechle: Wiener Blasmusiker begeistern beim IrschenBergFestival

Blasmusik beim IrschenBergFestival: Diese besondere Kombination brachte das Wiener Septett Federspiel im Zirkuszelt auf die Bühne. Mit Bierzelt hatte das Konzert aber nichts zu tun.

Irschenberg – Das IrschenBergFestival bringt nicht nur bekannte Namen in der Region auf eine angemessen große Bühne, es ist auch immer für eine Überraschung gut. Ehe am Sonntagabend Liedermacher Konstantin Wecker – der das Festival schon vor zwei Jahren beehrte – vor vollen Rängen im ausverkauften Zirkuszelt neben der Kaffeerösterei Dinzler das Finale des diesjährigen Konzertreigens bestreiten sollte, brachte am Samstag das Wiener Bläserseptett Federspiel im mit 350 Zuhörern gut gefüllten Zelt ein Konzert der ganz besonderen Art auf die Bühne.

Das Ensemble demonstrierte, wie Blasmusik jenseits ausgetretener Pfade klingen kann, wie sensibles Zusammenspiel aussehen und welche Töne man den Instrumenten entlocken kann – und was überhaupt damit möglich ist neben Walzer, Marsch und Polka. Nicht, dass derlei in der Musik von Federspiel nicht vorkommen würde – im Gegenteil. Aber es sind die außergewöhnlichen Arrangements in rhythmischem Gewand, das scheinbar mühelose, feine Spiel auf den Blechblasinstrumenten Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba sowie der Klarinette als einzigem Holzblasinstrument, was das junge Ensemble so einzigartig macht in ihrem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Ayac Iuan Jiménez Salvador, Thomas Winalek, Matthias Werner, Philip Haas, Roland Eitzinger, Simon Zöchbauer und Frédéric Alvarado-Dupuy haben sich schon als Musikschüler zu Federspiel zusammengetan, studierten allesamt ihr Blasinstrument, sind jetzt Anfang 30 und verfügen nach 15 Jahren über das wertvolle Prädikat der Unverkennbarkeit. An diesem „für Österreich besonderen Tag“, wie Philip Haas angesichts der angekündigten Neuwahlen in seiner Begrüßung anmerkte, spielten die Wiener aus ihrem Programm „Wolpertinger“. Ihr Repertoire: Volkmusik aus Österreich, seinen osteuropäischen Nachbarländern sowie Lateinamerika, die der in Mexiko geborene Trompeter Jimenez-Salvador in die Gruppe einbrachte. In dem Lied „El Buscapiés“, das einfühlsam von Klarinette und Posaune begleitet wurde, zeigte dieser auch seine gesanglichen Stärken.

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Traditioneller Musik, in der sie fest verankert sind, wie Jodlern und Landlern verpassten Federspiel ihr typisches jugendlich-freches Gewand, reicherten sie mit weltmusikalischen Elementen an und zelebrierten diese Melange mit einer grenzenlosen Experimentier- und Spielfreude. „Mia stell’n uns da vire, und es hört’s uns zua, zerscht mach ma an Wirbe, und jetzt is a Ruah“, sangen sie.

Vor allem überzeugten die sieben lässigen Topmusiker durch den überragenden Umgang mit ihren Instrumenten und ihrer klanglichen Spitzenklasse. Ihr Ausdrucksspektrum reicht von ganz zart und weich bis zu wild oder gar ekstatisch. Die bewusst eingesetzten schrägen und atonalen Harmonien bewirken, dass die darauf folgenden „normalen“ dann umso brillanter und versöhnlicher klingen.

In Titeln wie „Tau“ oder dem melancholischen Walzer „Am Rosenhang“ verarbeitet das Septett persönlich Erlebtes in komplizierte, nach eigener Aussage „unnotierbare“ Rhythmen, in unverwechselbare Musik. Federspiel verzaubern in ihrer Feinheit, überrollen einen mit ihrer Wucht, verblüffen mit ihrer Innovativität. Sie können in kurzem Wechsel eine Gänsehaut hervorrufen, zum Lächeln, zum Hineinspüren verleiten und zum Tanzen auffordern oder entführen gleich in eine bisher nicht gehörte Klangwelt. Das Ganze wird garniert mit intelligenten und charmanten Ansagen zwischendrin – wienerisch halt.

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Die Reaktion des Publikums fiel entsprechend aus – mit Klatschen, Jubeln und Stampfen. Der „Großbauernjodler“ am Schluss musste noch sein. A cappella – auch das können sie.

Von Reinhold Schmid

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