KATWARN ausgelöst! Schwere Unwetter in Bayern

KATWARN ausgelöst! Schwere Unwetter in Bayern
+
Für ein volles Zirkuszelt sorgte der österreichische Kabarettist Josef Hader beim IrschenBergFestival.

„Ich singe ein langes Lied und Sie gehen.“

Kabarettist Josef Hader rockt das IrschenBergFestival

„Peinlichkeiten ersparen“ wollte Josef Hader sich und seinem Publikum beim IrschenBergFestival. So zurückhaltend gab sich Österreichs Star-Kabarettist aber nur am Anfang seines Auftritts.

Irschenberg – Mit Eigenlob hielt sich Josef Hader bei seinem Auftritt beim IrschenBergFestival - vorsichtig ausgedrückt- eher zurück: Nirgendwo sonst in Europa – außer vielleicht bei Starbucks – gebe es ein derart schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis wie bei seinen Gesangs-Einlagen, meinte Österreichs Star-Kabarettist im ausverkauften Zirkuszelt beim Dinzler. Das Publikum bekam hingegen einen ganz anderen Eindruck.

2013 gastierte Hader beim Schlierseer Kulturherbst, wo ihn erstaunlich viele Gäste im Vorfeld nicht kannten. Mittlerweile aber ist Hader auch im Landkreis ein Begriff. Spätestens seit sein Kinofilm im Frühling durch Feuilletons und Fernsehen ging. Auf die „Wilde Maus“, in der Hader in Personalunion Autor, Regisseur und Hauptdarsteller ist, spielte Festival-Veranstalter Thomas Janko an und gab mit der Aussage über die schönsten Film-Momente, wenn Josef Hader nichts sagt, die Steilvorlage für ausgiebiges Schweigen zum Auftakt.

In schwarzem Hemd und schwarzer Hose stürzt Hader auf die blau beleuchtete Bühne wie auf einen Bahnsteig, auf dem schon der abfahrbereite Zug wartet, und bleibt erst einmal wortlos stehen. „I woit des ausprobieren“ lacht er nach einer Weile verschmitzt und kündigt eine stille Zugabe an, als erster Applaus aufbrandet. „Ich kann nix dafür, der Herr Vorredner hat es erwartet“ erklärt er ins Lachen der Gäste und präzisiert: „A Stund ungefähr wird’s dauern.“

Natürlich schweigt er keine Stunde. Und natürlich geht auch keiner. Nicht zu Beginn, als Hader dem Publikum den frühzeitigen Rückzug empfiehlt, um möglichen enttäuschten Hoffnungen vorzubeugen. Und auch nicht gegen Ende eines langen, aber zu keiner Zeit langweiligen oder langatmigen Abends, als der jüngst mit dem Dieter-Hildebrandt-Preis Ausgezeichnete über einen angemessenen Schluss sinniert: „Ich singe ein langes Lied und Sie gehen, um uns Peinlichkeiten zu ersparen.“

So muss er doch das richtige Maß zwischen „applausgeiler Drecksau“ und der zu lang hinausgezögerten Rückkehr auf die Bühne finden und nach den unter funkelnden Lichttupfen der Discokugel besungenen Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Rentnern und Türken in Ottakring zur Zugabe antreten. Wieder singt er und schließt damit den Kreis zum Auftakt mit seinem „F-Dur-Zyklus von Josef Hader“. Mit dem besingt der genaue Beobachter zuerst den tapsig-freundlichen Franz , der so gut genährt ist, dass ihm langsam die Augen zuwachsen und dann die Leute, die nicht ins Kabarett gehen, weil sie mit dem neuen Audi am Apfelbaum picken oder ihre gesamte Barschaft in Bier und Zigaretten investiert haben.

Hader singt viel an diesem Abend, über den er den Humanismus als Leitgedanken stellt. Es ist ein seit Jahren bewährter, aber immer wieder modifizierter Querschnitt aus alten Programmen. Bitterböse und so amüsant, dass sich viele vor Lachen auf den Sesseln krümmen. In sich rund hält Hader der Gesellschaft zwischen Wiener Gemeindebau und wohlsituierten Gutmenschen, die maßvoll mit den Ressourcen haushalten („keine Kilos Fleisch vom Aldi sondern nur ein bissl gutes Olivenöl, Barolo und ein paar Trüffel“) meisterlich den Spiegel vor.

Sein Traum, sagt er, sei es, die Leute mit einem Lächeln gehen zu lassen. Aber wie könnte ein passender Satz formuliert sein? Das begeisterte Publikum findet viele. Von der Beschreibung einer Katze als „Gemüse mit Schwanz“ über ein opulentes Begräbnis auf dem Land bis zur Beschreibung von Nachkriegs-Cappuccino und dem Schimmelringerl als Gütesiegel auf der Marillen-Marmelade in Zeiten vor einer omnipräsenten Kühlkette – vom Lebensmittel bis zur Leiche.

Von Heidi Siefert

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Riesen-Krach um Grundstücksdeal für Lärmschutzwand an A8: Jetzt kommt alles raus
Für die Lärmschutzwand bei Wöllkam wurden vor Jahren Verabredungen über Grundabtretungen getroffen. Nur erfüllt wurden sie nie. Im Gemeinderat explodiert nun jahrelang …
Riesen-Krach um Grundstücksdeal für Lärmschutzwand an A8: Jetzt kommt alles raus
Kommentar zum Irschenberg-Krach: Na sowas, die streiten ja plötzlich öffentlich!
Das haben wir lange nicht mehr gesehen: Eine Irschenberger Gemeinderatssitzung, die vorher nicht im Geheimen geprobt wurde. Der Anlass wäre freilich vermeidbar gewesen. …
Kommentar zum Irschenberg-Krach: Na sowas, die streiten ja plötzlich öffentlich!
Unser Advents-Rezept des Tages: Die Weihnachtsengerl
Melanie Striebeck ist die evangelische Pfarrerin in Neuhaus. In der Vorweihnachtszeit backt sie Lebkuchen-Engerl, die sie an ihre fleißigen Helfer der Pfarrgemeinde …
Unser Advents-Rezept des Tages: Die Weihnachtsengerl
Neue Ticketpreise: So teuer wird die Fahrt mit der BOB ab sofort
Pünktlich Mitte Dezember ändern die Bayerische Oberlandbahn und der Regionalverkehr Oberbayern ihre Fahrpreise. Wie die Neuerungen aussehen, haben wir in dieser …
Neue Ticketpreise: So teuer wird die Fahrt mit der BOB ab sofort

Kommentare