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Die Jury um Marion Ruppaner (l.) begutachtet die Pflanzenarten auf der Wiese von Landwirt Nikolaus Gasteiger (4.v.l.).

Wiesenmeisterschaft mit hoher Landkreis-Beteiligung

Blühende Wiesen, wie bei den Gasteigers in Irschenberg, sind selten

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Die Flächen bei der Wiesenmeisterschaft sind ein Traum für jeden Naturliebhaber. Eine Jury wählt aus fünf Kandidaten nun einen Sieger. Die letzte Station: Familie Gasteiger in Irschenberg.

Irschenberg – Als die Damen und Herren von der Jury eintreffen, unterbricht Marinus Gasteiger (15) seine Arbeit. Er ist gerade dabei, eine Wiese unterhalb des Hofes bei Irschenberg zu mähen. Papa Nikolaus (39) steht schon bereit, den Strohhut auf dem Kopf und Klausi (4), seinen jüngsten Sprössling, auf dem Arm. Er ist mit dem Hof unter den letzten fünf Kandidaten bei der Wiesenmeisterschaft.

Der Wettbewerb der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (Lfl) und dem Bund Naturschutz wurde heuer in den Landkreisen München und Miesbach ausgetragen. Sieben Landwirte aus München und 24 aus Miesbach hatten sich beworben – ihre Wiesen waren nach einem Punktesystem bewertet worden. Dabei ging es um die Artenvielfalt, den Futterertrag und den kulturlandschaftlichen Wert. Die fünf besten Wiesen wurden nun erneut von einer Jury besucht – daraus wählen sie den Sieger.

Der Hof der Gasteigers ist die letzte Station des siebenköpfigen Kommitees, das zuvor schon Höfe in München, Reichersbeuern, Kreuth und Fischbachau besucht hat. Auf der Wiese, um die es geht, nutzen Gasteigers Kinder die Chance, und toben durch das hohe Gras. Sie spielen Verstecken – und wenn sie abtauchen, sieht man sie tatsächlich nicht mehr. Die Jury hat die Augen aber sowieso ganz woanders.

Die Entscheidung zwischen den Kandidaten ist schwierig

Gasteiger erzählt über seinen Hof – ein Bio-Milchviehbetrieb mit 25 Tieren 30 Hektar Grund, den er mit seiner Frau und den fünf Kindern bewirtschaftet. Seit 2010 ist der Betrieb Bio und Gasteiger liefert die Milch an das Unser-Land-Netzwerk. „Von der Fläche, die wir haben, würden andere 80 Kühe füttern“, sagt er. 80 Kühe will er aber auf keinen Fall. Er führt die Jury über die rund 2,5 Hektar große Wiese, die er nur zweimal im Jahr mäht. Deshalb blüht es dort wie wild.

Inge Steidl, Landschaftsplanerin und Jury-Mitglied, zeigt auf eine blass-lila Blume: eine Kuckuckslicht-Nelke. „Die Wiese hier wird von allen am intensivsten genutzt“, zieht sie Vergleiche mit den anderen Bewerbern. Sie findet nicht nur das Nelkengewächs, auch Wiesenknöterich, eine Sumpfdotterblume, eine Kohldistel und andere Pflanzenarten. Manfred Pohl, Agrarökologe und ebenfalls Preisrichter, sagt: „Die Wiese ist durchaus sehr ertragreich und bringt hochwertiges Futter.“ Gasteiger verarbeitet das Gemähte zu Heu, das er seinem Vieh ganzjährig neben der Sillage füttert. „Die Wiese ist recht nass“, sagt er. „Da reich zweimal mähen vollkommen.“ Am Ende des Sommers dürfen die Rinder das, was noch übrig ist, abgrasen.

Je öfter man mäht, um so weniger blüht – Landwirte wissen das. „Um so besser, dass es noch Landwirte wie Herrn Gasteiger gibt“, sagt Marion Ruppaner, Agrarreferentin beim Bund Naturschutz. Blühende Wiesen seien zu einer Rarität geworden. „Wir brauchen die Blumen und Insekten aber für eine intakte Umwelt.“

Sie berät nun mit den Jurymitgliedern über die Siegerwiese. Ruppaner verrät: „Das wird richtig schwierig, alle liegen eng beisammen.“ Bei der Preisverleihung am 3. Juli wird der Sieger dann bekannt gegeben. Und während die Jury sich zur Beratung zurückzieht, sitzt Marinus Gasteiger schon wieder auf dem Traktor und mäht weiter. Auf allen Wiesen können auch die Gasteigers die Blumen nicht einfach wachsen lassen.

nip

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