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Nicht mehr auf Höhe der Zeit: die Kläranlage in Irschenberg.

Kosten von 5,5 Millionen Euro

Kläranlage Irschenberg: Das sind die Gründe für die teure Sanierung

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Seit 38 Jahren leistet die Irschenberger Kläranlage gute Dienste. Die neuen Auflagen erfüllt sie aber nicht mehr. Warum und welche Optionen es gibt, erklären wir hier.

Irschenberg – Die Bakterien haben sich gut geschlagen. Seit 1981 laben sie sich am Irschenberger Abwasser und bereiten es so im sogenannten Tropfkörperverfahren wieder auf. „Unsere Kläranlage hat immer gut funktioniert“, sagt Irschenbergs Bürgermeister Klaus Meixner. Doch was vor fast 40 Jahren auf dem neuesten Stand war, kann die heutigen, noch strengeren Auflagen nicht mehr erfüllen. „Das System“, sagt Meixner, „ist technisch am Ende.“

Diese Nachricht kam keinesfalls überraschend. Wie berichtet, bereitet sich die Gemeinde seit zwei Jahren auf eine Modernisierung ihres Klärwerks vor. Hätte sie die Planungen nicht in die Wege geleitet, wäre die Abwasserreinigung 2020 vor dem Aus gestanden. Da nämlich läuft die wasserrechtliche Genehmigung der Anlage turnusgemäß nach 20 Jahren aus. „Eine Laufzeitverlängerung hätten wir nicht bekommen“, sagt Meixner.

Der von der Gemeinde beauftragte Fachmann, Ingenieur Dieter Schreff aus Miesbach, teilt diese Einschätzung. Die Kläranlage habe ein „gesundes Alter“ erreicht und könne die heute vorgeschriebene höhere Reinigungsleistung nicht mehr erfüllen. Diese sei unter anderem wegen der Einleitung des geklärten Wassers in den Schwamhamer Graben notwendig. Weil der im Sommer wenig Wasser führe, sei die Verdünnungsquote gering. Daher müsse das Abwasser umso stärker gereinigt werden, erklärt Schreff.

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Aktuell ist die Kläranlage auf 5000 Einwohnergleichwerte (ein Maß für die Kapazität der Anlage) ausgelegt. Effektiv genutzt werden laut Meixner rund 3200. Dennoch soll sie nach dem Umbau für 7000 Einwohnergleichwerte gerüstet sein. „Die Belastungen könnten in Zukunft steigen, vor allem auch durch Gewerbebetriebe“, sagt Schreff. So sind neben dem Hauptort Irschenberg und der Waldsiedlung auch Buchbichl, Salzhub, Wendling und Wilparting an das Klärwerk angeschlossen.

Für den Um- und Ausbau der Kläranlage steht derzeit eine Summe von 5,5 Millionen Euro im Raum (wir berichteten). Laut Schreff würden die Bauteile stufenweise ausgetauscht oder ertüchtigt, um den laufenden Betrieb nicht zu beeinträchtigen. Eineinhalb bis zwei Jahre müsse man dafür einplanen. „Das ist schon ein Riesen-Projekt“, sagt der Ingenieur. Immerhin würden die Genehmigungsbehörden die Frist für den neuen Bescheid bis zur Fertigstellung verlängern.

Doch ob es überhaupt dazu kommt, ist offen. Bekanntlich steht als zweite Variante ein Anschluss an Bruckmühl im Raum. Wie Meixner erklärt, müsste man dafür aber erst einen sieben bis acht Kilometer langen Kanal zur dortigen Kläranlage bauen. Da dieser sogar die Mangfall überqueren müsste, würde es sich vermutlich um ein aufwendigeres Bauwerk handeln. Laut Angaben des Bruckmühler Bürgermeisters sei die Reinigungsleistung aber grundsätzlich für die zusätzliche Belastung durch das Irschenberger Abwasser ausreichend.

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Bevor sich der Gemeinderat für eine der beiden Varianten entscheiden kann, müssen aber erst die Kosten bekannt sein, betont Meixner. An einer Schätzung arbeitet Ingenieur Schreff gerade. Er vermutet, dass noch rund eineinhalb Jahre bis zur Ausschreibung ins Land gehen können. Den Grundsatzbeschluss würde der Bürgermeister aber gerne noch heuer im Gemeinderat fällen.

Ohnehin eine politische Frage ist die Abrechnung der Kosten unter Beteiligung der Bürger. Wie berichtet, ist dabei entweder eine Gebührenerhöhung oder eine einmalige Sonderzahlung möglich. Ferner lässt die Gemeinde noch einen Zuschuss prüfen. Der wiederum hängt aber von der Finanzlage ab – und die ist in Irschenberg (noch) sehr gut. „Wir liegen knapp an der Grenze der Förderfähigkeit“, erklärt Meixner.

Alles in allem brauche es aber erst mal eine belastbare Kostenschätzung, um die nächsten Schritte in die Wege zu leiten. Bis dahin leisten die Bakterien in der Kläranlage weiterhin ihr Bestes, um das Irschenberger Abwasser wieder aufzubereiten.

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