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Fühlt sich angekommen im Amt: Irschenbergs Bürgermeister Klaus Meixner. 

„Jeder soll seine Meinung sagen dürfen“

Klaus Meixner über seine ersten Monate als Bürgermeister von Irschenberg

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    Sebastian Grauvogl
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Die Amtsgeschäfte im Irschenberger Rathaus führt Klaus Meixner bereits seit dem Tod von Hans Schönauer. Offiziell ist er aber erst seit seiner Wahl Ende Mai Bürgermeister. Im Interview zieht er Bilanz.

Irschenberg – Die Amtsgeschäfte im Irschenberger Rathaus führt Klaus Meixner (CSU) bereits seit dem überraschenden Tod von Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) Ende Januar. Offiziell ist der 60-Jährige aber erst seit seiner Wahl Ende Mai Bürgermeister. Im Interview mit unserer Zeitung zieht der gelernte Zimmerermeister, der zuvor elf Jahre lang Zweiter Bürgermeister war, eine Bilanz seiner ersten Monate im Chefsessel. Und er erklärt, warum es durchaus Parallelen zu seinem früheren Beruf gibt.

Klaus Meixner über seine ersten Monate als Bürgermeister von Irschenberg

Herr Meixner, was unterscheidet einen stellvertretenden Bürgermeister von einem richtigen Rathauschef?

Neben der deutlichen Zunahme an Terminen in erster Linie die fachliche Intensität. Man muss sich viel detaillierter in Themen einarbeiten, überall gut Bescheid wissen. Das war gerade in meinem Fall sehr aufwendig, weil ich ja meinen Vorgänger nicht mehr fragen konnte und es so gesehen keine geregelte Übergabe gab.

Das heißt, Sie haben in Ihren ersten Monaten erst mal viel Zeit mit Suchen von Akten verbracht?

Der Hans war ein Mensch, der unglaublich viel im Kopf hatte. Umso schlimmer war es, von heute auf morgen nicht mehr auf seine Erfahrung zurückgreifen zu können. Ich hatte keine Sekunde, um nachzudenken oder irgendetwas vorzubereiten. Das war schon brutal hart. Aber meine Mitarbeiter in der Verwaltung haben mich nach Kräften unterstützt. Und wenn wir heute alle nicht mehr weiterwissen, rufen wir einfach den Bögl Sepp an. Der war 40 Jahre Geschäftsleiter der Gemeinde und ist Gott sei Dank auch im Ruhestand ansprechbar.

Das heißt, alles läuft so weiter wie bei Hans Schönauer?

Nein. Auch wenn viele im Wahlkampf davon ausgegangen sind, dass ich Hans’ Stil weiter pflege: Ich habe von Anfang an meine eigene Philosophie umgesetzt. Man kann aber auch nicht von heute auf morgen alles umdrehen. Gerade bei laufenden Projekten ist es wichtig, sie gut weiterzuführen. Da kann man nicht einfach mittendrin stehen bleiben oder die Richtung ändern.

Gerade was die Zusammenarbeit im Gemeinderat anbelangt, haben sie aber bereits deutliche Akzente gesetzt.

Absolut. Mir ist wichtig, dass jeder im Gremium seine Meinung sagen darf und dass offen und transparent diskutiert wird. Früher hat oft eine angespannte Stimmung geherrscht, wenn jemand Kritik am Vorgehen der Verwaltung geäußert hat. Oft auch deshalb, weil man nicht genau gewusst hat, wo genau der Konflikt liegt. Da hat man nur gespürt, dass es irgendwo brennt, und dann lieber gar nichts mehr gesagt. Das wollte ich als Bürgermeister ändern. Die Rückmeldungen der Gemeinderäte zeigen mir, dass das Klima tatsächlich besser geworden ist. Auch die Wiedereinführung der Ausschüsse wurde sehr positiv aufgenommen.

Öffentlich sind die Termine trotzdem nicht. Ist diese Form der Transparenz nicht ein bisschen halbherzig?

Uns war vor allem wichtig, dass wir ein flexibles Instrument haben, um über bestimmte Themen schnell und ohne großen formellen Aufwand beraten können. Das ist vor allem bei Bauvorhaben gut. Da geht oft wertvolle Zeit verloren, wenn man erst wieder die Ladungsfrist zur öffentlichen Sitzung abwarten muss. Auch Ortstermine sind da immer relativ umständlich. Da wir in den Ausschüssen keine Beschlüsse fassen, kommen die Themen mit allen Informationen ohnehin noch in den Gemeinderat. Dann sind alle auf dem gleichen Wissensstand – auch die Öffentlichkeit. Für mögliche weitere Änderungen der Geschäftsordnung ist es sinnvoll, erst die Kommunalwahl und damit die Zusammensetzung des neuen Gemeinderats abzuwarten.

Sie persönlich haben den Wahlkampf bereits hinter sich, können also langfristig als Bürgermeister planen. Fehlt Ihnen manchmal Ihr alter Beruf als Zimmerei-Chef?

Ich habe beides sehr gern gemacht. Und ich habe bereits jetzt viele Parallelen entdeckt. Man muss gut mit Menschen können und verlässlich sein. Es muss gelten, wenn man was ausmacht.

Ein Handschlag allein reicht heute aber meist nicht mehr aus, oder?

Leider gilt das gesprochene Wort nicht mehr so viel wie früher. Das ist aber ein gesellschaftliches Problem. Tatsächlich ist es heute unabdingbar, die Dinge ausnahmslos schriftlich zu fixieren. Das beugt späteren rechtlichen Unsicherheiten und Konflikten vor. Das wird aber auch im Handwerk immer mehr.

Gibt es auch Unterschiede zur Selbstständigkeit?

Da fällt mir vor allem die längere Planungsphase für Projekte ein. Da braucht man schon viel mehr Geduld als in der freien Wirtschaft.

Frustriert Sie so was?

Nein, ich hab da schon eine gewisse Hartnäckigkeit. Ich bin eh der Meinung: Wenn man was von jemand anderem will, muss man selbst auf ihn zugehen. Das wiederum kenn’ ich auch aus der Zeit in meinem Betrieb.

Wilparting ist ja so ein Dauerbrenner. Wie und vor allem wann geht’s da weiter?

Ich hoffe, dass wir den Pachtvertrag mit der Brauerei noch vor dem Winter unterzeichnen können. Die Pläne liegen zur Genehmigung am Landratsamt, die Ausschreibung ist in Vorbereitung. Haushaltstechnisch wird das aber wahrscheinlich erst 2020 wirksam.

In finanzieller Hinsicht ein großer Brocken wird wahrscheinlich auch die Sanierung der Kläranlage. Gibt es da schon belastbare Zahlen?

Da wird gerade ein Gutachten erstellt. Parallel prüfen wir auch die Kosten eines Anschlusses an Bruckmühl. Ich gehe davon aus, dass der Gemeinderat im November auf Basis der Kostenschätzungen eine Grundsatzentscheidung fällen kann.

Wird auch das Thema Wohnraum für Einheimische bald akut in Irschenberg?

Das ist tatsächlich ein heißes Eisen, das sich nur schwer anpacken lässt. Immerhin planen wir, fünf Wohnungen im früheren Postwirt nach den EU-Kriterien für Einheimische zur Verfügung zu stellen. Ansonsten würden wir gern unsere Ortsteile weiter entwickeln. Das ist aber sehr kompliziert, weil da die Ausweisung von Bauland gern mal als Splittersiedlung ausgelegt und damit abgelehnt wird. Das finde ich nicht richtig. Warum sollte man denn nicht da bauen dürfen, wo der Platz da ist?

Apropos Bauen: Beteiligt sich die Zimmerei Meixner noch an kommunalen Ausschreibungen in Irschenberg?

Aktuell nicht. So soll es auch bleiben, bis die Firma rechtlich von mir getrennt ist. Das braucht noch ein bisschen Zeit. Mein Stiefsohn hat aber auch so genug Arbeit (lacht).

Und bei Fragen kommt er noch zu Ihnen?

Klar, da stehe ich immer gern zur Verfügung. Als Neu-Bürgermeister weiß ich, wie dankbar man für gute Tipps von erfahrenen Leuten ist.

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