Als ökologische Nische soll der Kreisverkehr am Ortseingang von Irschenberg genutzt werden. Umgestaltet zu einer Blüh-Insel, könnten dort heimische Wiesenblumen wachsen – via Wiesenkopierverfahren. Foto: Thomas Plettenberg
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Als ökologische Nische soll der Kreisverkehr am Ortseingang von Irschenberg genutzt werden. Umgestaltet zu einer Blüh-Insel, könnten dort heimische Wiesenblumen wachsen – via Wiesenkopierverfahren.

AKTION - Landschaftspflegeverband will heimische Blumen im Gemeindegebiet verbreiten

Kreisverkehr in Irschenberg soll zur Blüh-Insel werden

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Lebensräume für Insekten verbessern, das ist das Ziel der Initiative „Natürlich Bayern“, für die sich im Landkreis der Landschaftspflegeverband Miesbach einsetzt. Und dafür einen ungewöhnlichen Ort ausgemacht.

Irschenberg – In Irschenberg hat sich Diplom-Biologin Barbara Krogoll auf die Suche gemacht nach geeigneten Flächen gemacht, und sie ist fündig geworden. Das Ergebnis stellte sie nun im Gemeinderat vor.

Damit Blumen Insekten als Lebensgrundlage dienen können, sei es wichtig, dass sie blühen, wenn die Insekten fliegen. Das gelingt laut Krogoll am besten, wenn beide gebietsheimisch sind. Ebenfalls große Bedeutung hat das richtige Mähen – dazu gehört der richtige Zeitpunkt und auch mal das Stehenlassen.

Spezial-Saatgut oder eigene Mischung

Um Wiesen mit einer guten Mischung heimischer Blumen ansäen zu können, braucht es geeignetes Saatgut, doch sei gar nicht so leicht zu bekommen, wie Krogoll erklärte. Denn seit März dürfe gebietstypisches Saatgut nur noch diesem bestimmten Gebiet stammen. Für den Landkreis ist das das „Gebiet 17 – Voralpenland“.

Doch warum kaufen, wenn man es selbst gewinnen: „Wir haben eine tolle Fläche an der Aussicht gefunden.“ Dort, im Übergang zum Magerrasen, stimme die Pflege, sodass die Fläche für ein Wiesenkopierverfahren geeignet sei.

Saatgut ernten mit dem E-Beetle

Dabei fährt ein sogenannter E-Beetle, ähnlich einem Auto-Mäher, über die Wiese, bürstet über die Blüten und fängt so deren Saatgut auf. Das werde anschließend gereinigt und getrocknet – und schon könne man dank dieser Spenderfläche neue Böden bestücken. Ein gutes Verfahren, fand Krogoll: „Man tut der Wiese damit nicht weh.“ Und mitgefangene Insekten könnten beim Trocknen wieder flüchten.

Wildrosenstöcke als Auflockerung

Auch zum Ausbringen hat Krogoll ein geeignetes Terrain gefunden: den Kreisverkehr an der Autobahn. Dort könne man eine schöne Blühfläche schaffen, „denn Arten sind da keine drin“. Streifenweise soll das Saatgut eingearbeitet werden. Als strukturgebende Elemente sind fünf Wildrosenstöcke angedacht – und Zaunpfosten mit Bohrlöchern für Insekten. 1600 Euro würde es kosten, das Material zu sammeln, zu trocknen und zu reinigen sowie den Boden vorzubereiten. Das Pflegeprogramm würde bis Mitte 2022 laufen.

Das Projekt kam im Gemeinderat gut an, beschlossen wurde jedoch noch nicht. Krogoll betonte zum Schluss noch mal, dass es bei den Blühflächen nicht um die Optik gehe, sondern ums Ökologische. Vor allem Schmetterlinge und Wildbienen sollen so unterstützt werden.

ddy

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