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Wo geht’s hier ins Internet? Projektentwickler Felix Heisig aus Irschenberg weicht auf der Suche nach einer schnellen Verbindung gerne mal zum McDonald’s in Wendling aus.

Gemeinde und Avacomm schieben sich Schuld zu

Lahmes Internet am Land: Geschäftsmann surft bei McDonald's

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Irschenberg - Flächendeckend schnelles Internet bleibt in Irschenberg vorerst ein Traum. Der Ausschreibungsprozess für den Glasfaser-Ausbau stockt. Ein Geschäftsmann droht mit Abzug.

Wenn das Internet mal wieder stockt, fährt Felix Heisig zum McDonald’s. Nicht, um sich Nervennahrung in Form von Hamburgern einzuverleiben, sondern um sich dort ins WLAN einzuklinken. „Da geht es wenigstens ein bisschen schneller als bei mir“, sagt der Entwickler von Immobilienprojekten.

Seit 2009 arbeitet er in seinem Büro auf einem abgelegenen Hofgut zwischen Loiderding und Niederhasling. Er ist Kunde der Firma Avacomm, die seit acht Jahren Teile der Gemeinde Irschenberg mit Funk-DSL versorgt. Die Bandbreite von 100 MBit pro Sekunde, die er zum Senden und Empfangen der meist hochauflösenden Planungsunterlagen braucht, bekommt Heisig damit aber nicht. Meist gurkt er mit drei bis sechs MBit durchs Internet. „Wenn’s stark regnet, bricht die Verbindung auch gerne mal zusammen“, sagt er. Seit Jahren wartet der Unternehmer sehnsüchtig auf den Glasfaserausbau in Irschenberg. Doch der ist ins Stocken geraten, wie Bürgermeister Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) nun im Gemeinderat bekanntgab.

Das liege nicht an der Technik, sondern an einem Verwaltungsakt. So habe sich Avacomm 2015 bei der Bundesnetzagentur die Verteilerkästen in Buchbichl und Niklasreuth reserviert, um die die dortigen Kupferkabel-Verzweiger mit der sogenannten Vectoring-Technik für höhere Übertragungsgeschwindigkeiten aufzurüsten. Weil dies aber bis heute nicht erfolgt sei, habe die Gemeinde die Freigabe der Kästen beantragt, um den parallel angelaufenen Ausschreibungsprozess für den Breitbandausbau nicht zu gefährden.

Die Bundesnetzagentur kam dem nach, hatte die Rechnung jedoch ohne Avacomm gemacht. Das Valleyer Unternehmen legte Widerspruch ein und setzte damit ein sogenanntes Nachweisverfahren in Gang. Nun müsse die Gemeinde beweisen, so Schönauer, dass Avacomm die versprochenen Bandbreiten nicht zur Verfügung stellen kann. 95 Prozent der Kunden sollten demnach mit mindestens 30 MBit pro Sekunde im Internet surfen. Der Bürgermeister bezweifelt, dass das tatsächlich so ist. „Wir bekommen immer wieder Beschwerden aus der Bevölkerung“, sagte Schönauer sichtlich verärgert.

Aus Unternehmersicht könne er die Vorgehensweise von Avacomm zwar verstehen, „aber für unsere Bürger ist das ein riesiges Problem“. Schönauer wurde noch deutlicher. So habe die Firma mit ihrem Widerspruch der Gemeinde „Prügel in den Weg geschmissen“. Diese Blockade gelte es nun schnell aufzulösen, um den Glasfaserausbau nicht noch weiter zu verzögern. Zweiter Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) sah das ähnlich. So hätte sich Avacomm ja an der offiziellen Ausschreibung beteiligen können. „Man hat ihnen die Chance gegeben“, ergänzte sein Fraktionskollege Klaus Waldschütz.

Um die Bundesnetzagentur doch von der endgültigen Freigabe der Verteiler-Kästen zu überzeugen, bat Schönauer die Bürger um Mithilfe. Alle Avacomm-Kunden sollten der Gemeinde ihre aktuelle Übertragungsgeschwindigkeit melden. Sollte diese geringer als die versprochenen 30 MBit pro Sekunde sein, sieht der Rathaus-Chef gute Chancen, dass die Behörde den Widerspruch des Versorgers abschmettert.

Dessen Geschäftsführer Helmut Gallitscher sieht das entspannt. „Das ist eine reine Verwaltungsangelegenheit und hat mit der Bandbreite nichts zu tun“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Die Aufregung in Irschenberg kann Gallitscher nicht nachvollziehen. Es sei rechtens, dass sich Avacomm die Kästen reserviert habe. „Das ist ein ganz normaler Vorgang“, sagt er. Fakt sei, dass sein Unternehmen der Gemeinde einen eigenwirtschaftlichen Ausbau angeboten habe. „Ohne Fördermittel und damit Steuergelder zu beanspruchen“, wie Gallitscher betont. Dies wäre längst geschehen, wenn die Gemeinde die betreffenden Bereiche von der Glasfaserausschreibung ausgenommen hätte.

Weil das aber nicht passiert sei, habe Avacomm mangels Investitionssicherheit bislang nicht aufgerüstet. „Ich baue doch nichts aus, wenn danach ein anderer Anbieter mit Fördergeldern seine Glasfaserkabel drüberzieht“, schimpft Gallitscher. Sich an der Ausschreibung zu beteiligen macht für ihn keinen Sinn. Gegen Wettbewerber wie die Telekom habe ein kleines Unternehmen ohnehin keine Chance. Dass die Gemeinde seine Firma nun als Schuldigen für die Verzögerungen bezeichnet, enttäuscht Gallitscher sehr. „In den vergangenen acht Jahren hat sich jeder über unser Angebot gefreut“, sagt er. Jetzt, wo Fördergelder winkten, sei plötzlich alles anders.

Wie der Streit um die Verteilerkästen letztlich ausgeht, ist Projektentwickler Heisig ziemlich egal. Er wünscht sich nur eines: eine schnelle und stabile Internetverbindung – und das so bald wie möglich. „Ansonsten“, sagt Heisig, „muss ich mir einen anderen Standort suchen."

Ihre Bandbreite

können die Bürger der Gemeinde bis Mittwoch, 27. Juli, per E-Mail an gl@irschenberg.com mitteilen. Ein kostenloses Testprogramm steht auf http://dsl-speedtest.computerbild.de/ zur Verfügung.

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