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Ärgert sich über die Autobahn: Landwirt Josef Messerer hält den neuen Lärmschutz auf seinem Grundstück an der A 8 für wirkungslos. Auch die vereinbarte Ausgleichsfläche hat er noch nicht bekommen.

„Profitiert hat nur die Autobahn“

Landwirt gibt Grund für Lärmschutz ab, der ihm nichts bringt

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2000 Quadratmeter Weide hat Landwirt Josef Messerer für den Lärmschutz an der A 8 am Irschenberg abgetreten. Auf die Ausgleichsfläche wartet er bis heute – auf die erhoffte Ruhe auch. 

Irschenberg – Josef Messerer hat schon einiges mitgemacht mit der Autobahn. „Es hat immer nur Ärger gegeben“, sagt der Landwirt aus Wöllkam über die benachbarte A 8. Mal musste er Müll aus seiner Weide klauben, mal eine Viehtränke aufgeben. Eigentlich hätte Messerer viele Gründe gehabt, der Flächenabtretung für den Lärmschutzwall zu widersprechen. Doch am Ende willigte er ein – um sich und seine Nachbarn endlich vom ständigen Lärm zu befreien.

Seit Oktober 2015 ist der Erdwall mit aufgesetzter Wand an der A 8 fertig. Die meisten Wöllkamer profitieren davon – Messerer jedoch nicht. „Ich sehe und höre die Autobahn genauso wie vorher“, schimpft der Landwirt. Das Problem: Die eigentliche Schutzwand endet nach 300 Metern an seinem Grundstück, die restlichen 400 Meter Richtung Süden bleibt nur der begrünte Wall. Einen Plan mit Höhenangaben, den er bei einem Ortstermin von der Autobahndirektion eingefordert hatte, habe er nie erhalten, klagt Messerer. „Nur so hätte ich die Wirksamkeit für mein Haus abschätzen können.“

Bis heute nicht erhalten hat er auch die vereinbarte Ausgleichsfläche. Wie berichtet, hatte die Autobahndirektion den Lärmschutz nur unter der Bedingung errichtet, dass die Anwohner die benötigten Flächen kostenlos zur Verfügung stellen. In Messerers Fall ist das ein wenig komplizierter: Sein Nachbar Martin Eberhard hatte sich bereit erklärt, ihm einen Teil seiner Weide zur Verfügung zu stellen. Eberhard wiederum hätte dafür von der Gemeinde zwei Grundstücke bekommen.

Dass aus dem Tausch bis heute nichts geworden ist, liegt laut Eberhard an einer nicht eingelösten Zusage. So sei er aufgrund des Protokolls einer Gemeinderatssitzung davon ausgegangen, dass auch die Autobahn eine Fläche einbringe. „Davon weiß die Autobahndirektion aber nichts“, wundert sich Eberhard. Für ihn stehe jedoch fest, dass sich der Staat als Verursacher des Lärms nicht einfach heraushalten könne. Das zumindest sieht Messerer ähnlich. „Ich bin jetzt gleich zwei Mal der Lackierte“, sagt er. „Profitiert hat nur die Autobahn.“ Die nämlich hätte sich so gleich die Flächen für den geplanten, vierstreifigen Ausbau der A 8 gesichert.

Um seinem Unmut Ausdruck zu verleihen, hat der Landwirt eine Petition beim Bayerischen Landtag eingereicht. Neben dem „niedrigen und unzureichenden Wall“ bemängelt Messerer auch das in das Bauwerk eingearbeitete Material. Er fürchtet, dass dieses „kontaminierte Recycling-Stoffe“ wie Betonreste oder Reifenschlacke enthalten und so sein zur Nahrungsmittelproduktion genutztes Feld gefährden könnte.

Diese Ängste seien unbegründet, sagt Martina Kamischke, zuständige Sachgebietsleiterin bei der Autobahndirektion Südbayern. Zur genauen Zusammensetzung der Schüttung könne sie zwar nichts sagen. Sie bestehe aber ausschließlich aus „zulässigem und nicht belastetem Recyclingmaterial“. Nachvollziehen kann Kamischke dafür Messerers Enttäuschung über den Lärmschutz. „Dass er sich mehr erhofft hat, kann man verstehen.“

Die Autobahndirektion sei dafür aber nicht verantwortlich. „Alles wurde so gebaut wie geplant und genehmigt“, betont Kamischke. Dass die Wand nicht Messerers komplettes Grundstück abschirme, sei ein Ergebnis einer Berechnung auf Grundlage der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte. Dabei sei jedes Haus aufgrund seiner Lage einzeln betrachtet worden. Der Lärmschutz sei eine freiwillige Leistung des Bundes. „Das konnten wir nicht überdimensioniert ausführen.“

Was die Ausgleichsfläche anbelangt, ist dagegen vieles offen. „Das ist ein Dilemma“, seufzt Bürgermeister Hans Schönauer. Das freiwillige Angebot der Gemeinde gelte nach wie vor. Um Messerer nicht im Regen stehen zu lassen, habe man ihm angeboten, seinen Verlust an Heu auszugleichen. Parallel dazu arbeite die Gemeinde an einer anderen Lösung für die Ausgleichsfläche. „Es wird Zeit, dass da endlich Ruhe einkehrt“, sagt Schönauer.

Messerers Hoffnungen ruhen vorerst auf seiner Petition. Die Aussichten auf Erfolg seien aber „nicht besonders gut“, schreibt Karl Heinz Jobst, Parlamentarischer Berater des zuständigen Landtagsabgeordneten Hans Jürgen Fahn. „Wir zielen lediglich auf die Nichteinhaltung von mündlich getroffenen Zusagen ab“, so Jobst. Einen Versuch sei es trotzdem wert.

Egal wie der am Ende ausgeht: Eine Sache hat Messerer für zukünftige Vorhaben der Autobahn gelernt: „Ohne Rechtsanwalt mache ich nichts mehr.“

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