Viele Fugen mussten oben im Turm erneuert werden. Pfarrer Tadeusz Kmiec-Forstner (l.) und Kirchenpfleger Franz Nirschl zeigen die grauen Stellen. Foto: Andreas Leder
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Viele Fugen mussten oben im Turm erneuert werden. Pfarrer Tadeusz Kmiec-Forstner (l.) und Kirchenpfleger Franz Nirschl zeigen die grauen Stellen.

KIRCHWEIH - Irschenberg feiert Sanierungsende des Kirchturms mit besonderem Gottesdienst

Langes Glockengeläut und Open-Air-Messe

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Der bevorstehende Kirchweihsonntag ist ein besonderer Tag für Irschenberg. Nach über drei Jahren werden die Glocken wieder läuten.

Irschenberg – Der baufällige Turm ist nun saniert, die Schäden am Mauerwerk sind behoben. Das will die Kirchengemeinde mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel feiern.

Dass der Turm wieder in Ordnung ist und die Glocken wieder läuten dürfen, dürfte jedem in Irschenberg auffallen. Denn 30 Minuten lang – von 8.30 bis 9 Uhr – sollen die Glocken von St. Johann Baptist zu hören sein. „Wir holen die Zeit nach, die sie zuletzt nicht zu hören waren“, sagt Pfarrverbandsleiter Tadeusz Kmiec-Forstner mit einem Lachen. Der wahre Grund ist natürlich ernsthafter: Das Läuten soll deutlich machen, dass die über drei Jahre währende Sperrung des Kirchturms beendet und die dringend notwendige Sanierung abgeschlossen ist.

Feuchtigkeit zersetzte die Fugen

Wie berichtet, hat Feuchtigkeit den Turm im Lauf der Jahre massiv angegriffen und ihn damit im Zusammenspiel mit dem Glockengeläut zu einem ernsten Sicherheitsrisiko gemacht. Steine und Fugenmörtel hatten sich 2017 gelöst und waren runtergefallen. Der Gefahrenbereich wurde umgehend gesperrt, die Glocken hingen still und wurden nur noch zu den Stunden per Hammer automatisch geschlagen. Zuletzt war das Geläut am 8. August 2017 zu hören.

Als erste Maßnahme wurde ein Gerüst um den Turm aufgebaut, um vor allem die Wetterseiten West und Nord vor Regen und Nässe zu schützen. Denn der Kirchturm besteht aus Tuffstein, und dieser hat die Eigenschaft, dass er Feuchtigkeit leicht aufnimmt und auch wieder abgibt. Das Problem: Die Fugen machen das auf Dauer nicht mit.

Aufwendige Sanierung auch beim Dachstuhl

In der Folge mussten viele Fragen rund um die Sanierung geklärt werden. Erst im Mai dieses Jahres gingen die Arbeiten los – ein extrem aufwendiges Projekt, wie Kirchenpfleger Franz Nirschl erklärt: „Die schadhaften Fugen wurden sauber gemacht und neu verfugt. Dabei mussten einige Stellen in zwei bis drei Schritten aufgefüllt werden, damit die Masse trocknen konnte, die tiefer in der Wand ist.“ Teilweise mussten auch Steine ersetzt werden.

Insgesamt wurde von oben nach unten gearbeitet, in kleinen Schritten, im Wechsel innen und außen und in Absprache mit dem Zimmerer, der innen den stellenweise verfaulten Dachstuhl erneuerte. „Insgesamt“, sagt Nirschl, „ist der Schaden größer gewesen als zunächst angenommen, aber das ist meistens der Fall, wenn man bei einer Sanierung die betroffenen Stellen aufmacht.“

Auch die Sakristei muss saniert werden

Im Vorfeld wurde auch noch intensiv untersucht, was dem Turm wie zugesetzt hat. Alte Fugenmasse sei beprobt und auf schädliche Salze untersucht worden, berichtet Pfarrer Tadeusz. Die Statik sei dabei ebenfalls kontrolliert worden – wie Abwasserleitungen, die mit einer Kamera befahren wurden.

Alles in allem wird es ein teures Projekt, dessen genaue Kosten noch nicht absehbar sind. Allein für die Turmsanierung dürften nach aktuellen Schätzungen rund 700 000 Euro zusammenkommen. Hinzu kommt noch die Sanierung der Sakristei, die ebenfalls ein Feuchtigkeitsproblem hat. Hier kommt die Belastung aber aus dem Boden. „Auch da muss etwas gemacht werden, damit die Schäden nicht größer werden“, stellt der Kirchenpfleger fest. Die Gesamtsumme könnte somit 900 000 bis zu einer Million Euro betragen. Mit der Sakristei werde im Frühjahr begonnen. Damit sollte für Jahrzehnte keine großen Baumaßnahmen mehr nötig sein.

Als Datum für das erste Geläut habe man sich auf den Kirchweihsonntag verständigt, sagt der Pfarrverbandsleiter. Bei gutem Wetter soll der Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Dorfplatz stattfinden. „Wir wollen mehr Menschen ermöglichen zu kommen, als wegen Corona sonst in unserer Kirche Platz finden“, sagt Nirschl. „Es ist ein besonderer Tag, und den wollen wir besonders feiern.“ Wenn auch natürlich mit Mundschutz und ausreichend Abstand.

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