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Lockdown für Gastronomie: Rösterei-Chef Franz Richter schreibt Brandbrief

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Von: Christina Jachert-Maier

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Franz und Isolde Richter von der Kaffeerösterei Dinzler.
Franz und Isolde Richter von der Kaffeerösterei Dinzler. © THOMAS PLETTENBERG

Scharfe Kritik am neuerlichen Lockdown für die Gastronomie übt Franz Richter, Chef der Kaffeerösterei Dinzler. Dagegen zeigt Wirte-Sprecher Hans Vogl Verständnis.

Landkreis – Lockdown light: In den Ohren von Franz Richter, Vorstandsvorsitzender der Dinzler Kaffeerösterei AG, klingt das zynisch. Für die Gastronomie, auch für seine Niederlassung an der Autobahn in Irschenberg, könnte der neuerliche Lockdown kaum härter sein. „Mit minimalem Vorlauf werden für die Gastronomie und Hotellerie zum wiederholten Male schärfste Einschränkungen beziehungsweise generelle Beschäftigungsverbote verhängt“, macht Richter in einer Pressemitteilung deutlich. Dabei sei keineswegs sicher, dass die Betriebe im Dezember wieder öffnen dürfen. Schließlich bleibe fraglich, ob die Infektionszahlen nach vier Wochen Lockdown geringer sein werden. Und was wolle der Staat tun, wenn eine dritte und vierte Welle komme, fragt Richter: „Wie lange reicht das Steuergeld für Umsatzerstattungen, bis die Politik klein beigeben muss, weil die Ressourcen erschöpft sind?“

Wie die Wirtschaftshilfe aussieht, ist noch nicht klar

Ohnehin sei noch nicht bekannt, wie die versprochene Wirtschaftshilfe für die Unternehmen konkret aussehe, merkt Richter an. Das Kurzarbeitergeld etwa werde davon abgezogen. Besonders hart treffe es die Angestellten im Gastronomiesektor. Denn für Trinkgelder, die erheblich zu deren Einkommen beitragen, gebe es keinen Ersatz.

Treffen finden jetzt privat statt

Den Sinn des gastronomischen Lockdowns zieht Richter stark in Zweifel. „Es wird sich zeigen, dass die sozialen Kontakte, die ansonsten in der Gastronomie gepflegt würden, nunmehr in den komplett privaten Bereich verlegt werden“, schreibt er. Anders als in den Gasthäusern unterlägen die Hygiene- und Abstandsregeln dort nicht der Kontrolle durch einen Dritten, den Wirt. Dass Ministerpräsident Markus Söder dazu aufrufe, den Nachbarn im Auge zu behalten, zeige „das ganze Dilemma und die Sinnlosigkeit der verzweifelt ergriffenen Maßnahmen“, erklärt Richter. Bei einem vom Robert-Koch-Institut ermittelten Ansteckungswert von 0,5 Prozent in der Gastronomie könne jeder erkennen, dass der Schaden den Nutzen überwiege.

Wirtesprecher Hans Vogl steht hinter Söders Kurs

Hans Vogl, Wirtesprecher des Landkreisesund Geschäftsführer des Altwirts in Großhartpenning, beurteilt die Situation anders. Er stehe weitgehend hinter dem Handeln der bayerischen Staatsregierung, meint er. „Und ich möchte nicht in deren Haut stecken.“ Dabei sei auch er davon überzeugt, dass es gefährlicher sei, mit der U-Bahn zu fahren als im Restaurant zu essen. Doch gerade jetzt habe ihm die Regierung mit dem Lockdown die Entscheidung abgenommen, Hotel und Restaurant zu schließen. „Der November wäre ohnehin grottenschlecht geworden“, meint Vogl. Keine Tagungen, keine Geschäftsreisen, erst recht keine Hochzeiten oder Familienfeiern: Die Kundschaft fehle einfach. Das sollten sich alle überlegen, die „jetzt Parolen rauspfeifen“. Vogls Belegschaft – rund 30 Mitarbeiter – bauten gerade Resturlaub ab oder befänden sich in Kurzarbeit. „Die Kurzarbeit ist überhaupt das beste Instrument“, erklärt Vogl. Es habe ihm ermöglicht, alle Angestellten zu halten. „Und ich werde auch jetzt keinem kündigen.“

Online-Petitionen laufen

Auf Verbandsebene plant Vogl als ehrenamtlicher Kreisvorsitzender keine Proteste. Aktivitäten zum Lockdown würden auf übergeordneter Ebene vom Hotel- und Gaststättenverband organisiert, meint Vogl, der in diesen Tagen oft von Mitgliedern angesprochen wird. Er verweise dann auf die laufenden Online-Petitionen. Von der Teilnahme an Kundgebungen verspreche er sich nichts: „Ich bin kein Demostrierer.“  

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