Stolz auf den neuen Garten: Das Wirtepaar Margarethe Nirschl und Christian Maß hat die Außenanlage des Culinaria aufgepeppt.
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Stolz auf den neuen Garten: Das Wirtepaar Margarethe Nirschl und Christian Maß hat die Außenanlage des Culinaria aufgepeppt.

Trotz Corona-Krise

Culinaria-Wirtepaar glaubt an seine Vision

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Als sie zu Beginn der Corona-Krise schließen mussten, waren Margarethe Nirschl und Christian Maß noch optimistisch. Drei bis vier Wochen vielleicht, so dachte das Wirtepaar. Danach sollte der Corona-Lockdown ausgestanden sein – und sie könnten wieder öffnen. Doch es dauerte viel länger.

Drei Monate war ihr Culinaria zu. Drei Monate ohne Einnahmen, vier Monate ohne Abendöffnung. Doch was am schlimmsten war: Die Corona-Beschränkungen erwischten alle Bereiche des jungen Unternehmens.

„Wir haben drei Standbeine“, erklärt Maß. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin begann er mit dem Catering. Dann kam Anfang 2019 das Culinaria im Waitzinger Keller in Miesbach dazu. Anfang 2020 folgte der Einstieg in die Schulverpflegung. Drei Säulen, die Stabilität bringen sollten. Doch mit Corona brach alles mit einem Mal weg: Keine Kulturauftritte mehr, die Schulen dicht, und die Firmen strichen ihre Veranstaltungen.

„Situation ist schwer in Worte zu fassen“

Wie sich das anfühlt, wenn alles irgendwie einzustürzen beginnt, fällt Maß nicht leicht zu beschreiben. „Das ist schwer in Worte zu fassen“, berichtete er vor Kurzem im Kulturausschuss der Stadt. „Es ist wie ein Albtraum – man sieht sein Lebenswerk dahingleiten.“ Zumal es nicht nur um einen selbst gehe, sondern auch um die Familien der zehn Mitarbeiter. Dennoch: Ohne Kurzarbeit gehe es nicht.

Auch mit dem Re-Start bei Gastronomie und Schulen waren die Probleme nicht vom Tisch. Bei den Schulen werden bekanntlich nur halbe Klassen im wöchentlichen Wechsel unterrichtet. Damit fallen 50 Prozent des Volumens weg. Komplett abgehakt hat Maß das vor allem auf die Sommermonate konzentrierte Catering-Geschäft. „Hier wäre es normalerweise im Mai richtig losgegangen, aber das fällt diesen Sommer aus.“ Alles storniert. „Keiner traut sich aktuell, etwas Größeres zu planen.“

Gäste scheuen noch die Innenräume

Bleibt das Culinaria, und auch hier ist es nicht leicht. „Anfangs kamen zu wenig Gäste“, berichtet der Gastronom mit Blick auf die Wiedereröffnung Mitte April. Die Folge: Nach zwei Wochen sperrten sie das Culinaria wieder zu. Das Geschäft habe sich nicht gerechnet. „Die Leute zog es nicht in geschlossene Räume“, sagt der 30-Jährige. Die Sorge war somit groß, die Stammkundschaft zu verlieren. „Wenn man vier Monate zu hat, entstehen auch neue Gewohnheiten“, weiß der Gastronom.

Mittlerweile läuft das Geschäft wieder an. Seit drei Wochen hat das Culinaria drei Mal die Woche abends geöffnet, und diesmal scheint es zu laufen. Auch wenn hinsichtlich eines Besuchs im Inneren immer noch Hemmungen zu spüren seien. Ein Problem bleibt jedoch: Kulturveranstaltungen kommen erst im September wieder auf die Bühne des Kulturzentrums. Und das auch nur zögernd.

Während des Lockdowns den Garten verschönert

Die Zeit des Lockdowns haben die Culinaria-Wirte dazu genutzt, ihr Lokal und das Drumherum aufzupeppen. Der Innenausbau wurde abgeschlossen, die bereits bestellten Möbel aufgestellt. Zudem war es hilfreich, Zeit zu haben. „Damit konnten wir uns mehr um kleine Details und Deko kümmern.“ Auch der Biergarten wurde aufgehübscht. „Damit haben wir 2019 angefangen. Wir wollten das Feeling von drinnen nach draußen holen.“ Dies ist mit neuer Bepflanzung, Windschutz, Brunnen und renaturierter Treppe gelungen. Für ein neues Ambiente sorgen – wenn auch ungewollt – die Baumfällungen im Rahmen der Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB).

Was dem Wirtepaar wirklich geholfen hat, ist der Mittagstisch, der sich nun auf To-go-Bestellungen konzentriert. Diese Möglichkeit hätten vor allem Stammkunden gewählt. „Uns hat das sehr geholfen“, sagt Maß. „Wir haben damit auch emotionalen Rückhalt bekommen. Wenn man verzweifelt, hilft so etwas enorm.“

Dass das Wirtepaar trotz allem nicht aufgegeben hat, liegt auch daran, dass beide vom eingeschlagenen Weg überzeugt sind. „Du musst an Dein Konzept und an Deine Vision glauben, sonst hat es keinen Sinn.“ Ein zweiter Corona-Lockdown wäre aber trotz aller Überzeugung eine Katastrophe – für alle, wie Maß betont: „Ich hoffe, dass möglichst viele diese Krise überstehen.“

ddy

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