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Möglicherweise verstrahlt: Wer ein Wildschwein schießt, muss vorsichtig sein. 

Kreisvorsitzender des Jagdverbands verweist auf Tests

Radioaktiv belastetes Wildschwein-Fleisch: Experte warnt Jäger vor Verzehr

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Essen Jäger im Landkreis Miesbach zu viel radioaktiv belastetes Wildschweinfleisch? Ein Strahlenschutzexperte geht davon aus. Der Kreisvorsitzende des Jagdverbands widerspricht.

Landkreis – Auch 32 Jahre nach dem Reaktorunglück sind die Spuren des Super-GAUs von Tschernobyl noch nicht verwischt. Noch immer sind bestimmte Pilz- und Wildarten mit Cäsium-137 belastet. Besonders Wildschweine, die sich von unterirdisch wachsenden und damit stärker verseuchten Hirschtrüffeln ernähren. Eine Gefahr für den Endverbraucher besteht nicht. Alle für den Handel bestimmten Lebensmittel werden vorher auf Radiocäsium getestet. Doch was passiert mit dem Fleisch, das von den Jägerfamilien selbst verzehrt wird? Helmut Rummel, ehemaliger Strahlenschutzbeauftragter für Radioaktivität, hat einen schlimmen Verdacht.

Rummel behauptet, dass im Jahr 2015 alleine in Südbayern rund 11 000 Wildschweine nicht gemessen, aber verzehrt wurden. Diese Zahl habe er aus einem Vergleich der erlegten Tiere mit den erfolgten Messungen errechnet. Einen genauen Wert für den Landkreis Miesbach kann Rummel nicht angeben. Dennoch geht er davon aus, dass auch hier nur 30 bis 50 Prozent der geschossenen Wildschweine überprüft werden. Daraus folgert er, dass sich die Jägerfamilien, die das nicht getestete Fleisch selbst essen, einer erhöhten und damit gesundheitsgefährdenden Strahlendosis ausgesetzt sind. Bei einem Jahresverzehr von sechs Kilogramm pro Kopf sei dies eine Belastung von 234 Mikrosievert, was zwölf Röntgenaufnahmen der Lunge entspreche.

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Diese Zahlen wiederum schließt Rummel aus den Messwerten im Landkreis. So seien hier im April 2018 Dosen von deutlich mehr als 3000 Becquerel pro Kilogramm Fleisch aufgetaucht. Der Grenzwert für den Lebensmittelhandel liegt bei 600. Erschwerend hinzu komme, dass im Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen teilweise extrem hohe Werte von bis zu 10 000 Becquerel pro Kilogramm aufgetreten seien.

Martin Weinzierl, Vorsitzender der Kreisgruppe Miesbach des Bayerischen Jagdverbands, streitet die hohe Belastung des Schwarzwilds nicht ab. Zwar seien Wildschweine im Landkreis ursprünglich nicht beheimatet, sie würden aber aus Gegenden wie dem Ebersberger Forst einwandern. Rummels Befürchtung, weniger als die Hälfte der erlegten Tiere würden getestet, weist Weinzierl aber zurück. 2017 seien im Landkreis Miesbach gut 25 Schweine erlegt worden. „Selbstverständlich wurden alle überprüft“, betont Weinzierl. Im Schnitt sei jedes zweite Tier vom Verzehr ausgeschlossen worden.

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Da es im Landkreis Miesbach bisher keine zertifizierte Messstelle gibt, würden die Jäger nach Bad Tölz oder Bad Aibling fahren. Noch heuer will aber auch Weinzierl in seinem Haus in Irschenberg selbst ein Prüfgerät in Betrieb nehmen. Die rund 5000 Euro teuren Apparate würden durch die Jagdabgabe zu 90 Prozent bezuschusst. Um eine Zertifizierung zu erhalten, müsse man einen Lehrgang ablegen. Weinzierls Tochter wird diese Aufgabe übernehmen, erklärt der Irschenberger. „Sie ist Chemielaborantin.“ Gegen einen Unkostenbeitrag könnten die Jäger nach erfolgter Freigabe der Messstelle hier ihr Wildfleisch untersuchen lassen.

Dass sich manche, wie von Rummel beschrieben, dieser Kontrolle entziehen, kann sich Weinzierl nicht vorstellen. Schließlich gebe es für jedes belastete Tier eine Entschädigung. „Ein Test ist also im eigenen Interesse jedes Jägers“, sagt Weinzierl. Übrigens würden im Landkreis sogar Rot- und Rehwild stichprobenartig auf Cäsium-137 überprüft. „Da wird aber eigentlich nichts gefunden.“

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