Eine Therapie bewahrt den Angeklagten vor einer härteren Strafe.
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Eine Therapie bewahrt den Angeklagten vor einer härteren Strafe.

AMTSGERICHT

Mit Amphetamin auf Autobahn erwischt: Rosenheimer (34) kassiert Bewährungsstrafe und muss Therapie machen

Irschenberg/Miesbach – Erst fuhr er unter dem Einfluss von Cannabis mit seinem Auto, dann wehrte er sich gegen eine Blutprobe. Wegen unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte musste sich ein 34-jähriger Rosenheimer nun vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten.

Im September 2020 haben Beamte der Grenzpolizeiinspektion (GPI) Raubling den Angeklagten, der derzeit in der Justizvollzugsanstalt in Bernau eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzt, auf der Autobahn A8 am Irschenberg kontrolliert: Sie fanden 0,62 Gramm Amphetamin und nahmen ihn mit aufs Revier. Ein Arzt sollte wegen des Verdachts auf Drogen eine Blutprobe nehmen, wobei sich der Mann so sehr wehrte, dass die Polizisten zutreten und ihm Handschellen anlegen mussten.

Der Verteidiger des Beschuldigten, Andreas Leicher, erklärte gleich zu Beginn der Verhandlung: „Er räumt ein, tags zuvor Cannabis konsumiert zu haben.“ Und der Angeklagte selbst gab zu, bei der Blutentnahme seinen Arm weggezogen zu haben. Der Arzt sei ihm suspekt vorgekommen. Zudem hätten die Beamten die Body-Cam ausgeschaltet. „Seit diesem Tag habe ich Angst vor Spritzen“, klagte er.

In puncto Amphetamin gestand der 34-Jährige, „dass ich das Zeug überführen wollte“. Nach Russland. Das soll er zu einer Beamtin (28) der GPI Raubling gesagt haben. „Er meinte, dass er die Betäubungsmittel in einem Umschlag zu Forschungszwecken nach Moskau schicken wollte“, erinnerte sich die Polizistin. Und dass es sich um „verschreibungsfähiges Amphetamin“ handle. Ein Rezept konnte der Mann aber nicht vorlegen. Immerhin habe er den Umschlag freiwillig geöffnet. Darin hätten sich „szenetypische Plomben mit weißer Substanz“ befunden, beschrieb die Polizistin. Kontrolliert hätten sie und ihre Kollegen den Rosenheimer aber, weil er beim Autofahren „paranoid und nervös nach rechts und links schaute“. Da der 34-Jährige zugab, am Vortag Cannabis konsumiert zu haben, nahmen die Beamten ihn mit auf die Dienststelle. „Dort hat er sich erst gegen eine Blutentnahme gesträubt, weshalb wir ihm Handschellen anlegen mussten“, erklärte die Polizistin. „Ich glaube aber, dass er primär Angst vor der Nadel hatte.“

Da durch das Geständnis des Angeklagten sowie die detaillierte Beschreibung der Polizistin auf weitere Zeugenaussagen verzichtet werden konnte, klärten die Juristen in einem Rechtsgespräch die zu erwartende Strafe ab. Vier bis sechs Monate auf Bewährung stellte das Gericht dem 34-Jährigen in Aussicht – wenn er eine Drogentherapie macht. Zerknirscht, aber willig, sich zu bessern, stimmte der bereits mehrfach Vorbestrafte zu.

Die Staatsanwaltschaft hielt ihm letztlich sein Geständnis zugute. Auch habe er aus Sicht der Juristin „eher geringen Widerstand bei der Polizei“ geleistet. Ein Dorn im Auge war der Staatsanwältin jedoch, dass der Rosenheimer die Taten unter offener Bewährung begangen und schon zehn Einträge im Bundeszentralregister hat. Sie forderte sechs Monate auf Bewährung – plus Therapie sowie drei Monate Fahrverbot.

Anwalt Leicher meinte, dass „der Widerstand meines Mandanten bei der Polizei im unteren Bereich anzusiedeln“ sei. Zudem erkläre sich der Rosenheimer zu einer Therapie bereit. Die Sozialprognose sei aufgrund eines enges Familienzusammenhalts günstig. Eine viermonatige Bewährungsstrafe würde ausreichen, fand Leicher.

Richter Walter Leitner verurteilte den 34-Jährigen letztlich zu fünf Monaten auf Bewährung, einem dreimonatigen Fahrverbot sowie einer stationären Drogentherapie als Bewährungsauflage. „Das hatten wir alles schon mal“, konstatierte Leitner. „Besitz von Betäubungsmitteln und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte stehen bereits in Ihrem Bundeszentralregister.“ Zudem habe der Rosenheimer „die halbe Dienststelle der Polizei“ beschäftigt, indem er sich zunächst gegen die Blutentnahme wehrte. Eine Bewährung sei laut dem Richter jedoch noch möglich, da sich der Angeklagte bereit erklärte, eine Therapie zu machen – „und weil Sie in Haft trocken geworden sind“.

hph

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