+
Musiklehrer meldet sich zum Dienst: Christof Sturm (r.) hat vor Kurzem den ersten Teil seiner Ausbildung bei der Irschenberger Feuerwehr abgeschlossen. Kommandant Tom Niggl freut sich über die Verstärkung.

Alles begann mit einer paar Übungsstunden

Musiklehrer wird Feuerwehrmann: Christof Sturm rückt in Irschenberg aus

  • schließen

Musiklehrer Christof Sturm möchte seiner Heimatgemeinde Irschenberg etwas zurückgeben: Nicht am Klavier, sondern als Feuerwehrmann. Doch er plant auch ein besonderes Konzert.

Irschenberg/Miesbach – Seine Schüler kennen Christof Sturm vor allem am Klavier. Oder sie haben schon zusammen mit ihm im Musikraum Lieder geträllert. Seit Kurzem steckt der 57-jährige Gymnasiallehrer seine zarten Pianistenhände aber beizeiten auch in dicke Handschuhe: als aktives Mitglied der Feuerwehr Irschenberg. Beide Welten will er im Oktober miteinander verbinden – mit einem Benefizkonzert der besonderen Art.

Lesen Sie auch: Dieses Ross hat viel erlebt: Die Geschichte des Pegasus am Miesbacher Gymnasium

Angefangen hat alles im vergangenen Herbst. Bei einer Abschiedsfeier im Dorf hat Sturm einen Feuerwehrler kennengelernt. „Ich fand das total interessant und hatte so einen Respekt vor dem Ehrenamt“, sagt der Lehrer. „Dann hat das angefangen in mir zu gären.“ Kurz darauf veranstaltete die Irschenberger Feuerwehr ihren jährlichen Hoagascht. Interessierte haben dort die Möglichkeit, mal hineinzuschnuppern. Das tat auch Sturm. Und blieb prompt dabei. „Ich habe dann ein paar Übungsstunden mitgemacht“, erzählt er. Schon war der Musiklehrer mittendrin. Im Januar dieses Jahres absolvierte er das Basismodul zur Modularen Truppausbildung (MTA). 22 Termine, 52 Unterrichtseinheiten. Im Juni legte er die theoretische und praktische Zwischenprüfung ab. Weiter geht es noch mit einem zweijährigen Ausbildungs- und Übungsmodul. Doch ausrücken darf Sturm bereits jetzt.

Zwei Einsätze hat er bereits hinter sich. Einmal ging’s zu einem brennenden Auto, einmal zu einem lecken Tanklaster. Für Sturm und seine Kollegen beschränkten sich die Aufgaben auf die Verkehrsabsicherung, den Umgang mit Gefahrstoffen und das Reinigen der Unfallstelle. „Ein gemäßigter Einstieg“, meint der 57-Jährige.

Dass er bei der Irschenberger Feuerwehr auch zu schweren Unfällen ausrücken muss, ist Sturm bewusst. Wie er damit umgeht, kann er noch nicht sagen. „Da muss ich erst Erfahrungen sammeln. Unter Adrenalin kann man seine Gedanken vielleicht abschalten.“

Lesen Sie auch: Retter rufen um Hilfe: A8 bringt uns Feuerwehrler an die Grenzen

Alarmiert wird Sturm über eine App auf dem Handy. „Die pfeift lautstark“, sagt er. Doch wenn er da gerade im Klassenzimmer am Klavier sitzt? „Wenn ich in der Schule bin, kann ich fast nicht ausrücken“, erklärt der 57-Jährige. Nicht, weil er seinen Schülern keine Freistunde gönnt, sondern wegen der Anfahrtszeit. „Von Miesbach brauche ich etwa 15 Minuten nach Irschenberg.“ Die Einsatzkräfte daheim sind dagegen binnen fünf bis sechs Minuten vor Ort. Trotzdem will sich Sturm aber nicht herausnehmen, betont er. „Ich hab’s gemacht, um immer dabei zu sein.“ Dank seines Lehrerberufs sei er oft schon nachmittags zuhause.

Sturm möchte etwas Gutes tun mit seinem Einsatz. Und er will zeigen, dass es für eine Ausbildung bei der Feuerwehr nie zu spät ist. Damit ist er nicht allein. Fünf Quereinsteiger und viele Jugendliche um die 16 Jahre haben zusammen mit ihm die Ausbildung gemacht. Einen Nachwuchsmangel gibt es in Irschenberg nicht. „Die Jugend ist stark besetzt“, sagt Kommandant Tom Niggl. 20 Jugendliche unter 18 Jahren seien derzeit aktiv. Ein Problem sei allerdings, dass viele Mitglieder aufgrund ihres Berufs weiter weg pendeln müssen und somit tagsüber nicht zur Verfügung stehen. „Deshalb sind wir um jeden froh, der zu uns kommt“, sagt Niggl.

Lesen Sie auch: Wie echte Opernstars: Miesbacher Schüler beweisen Gesangstalent

So auch über Sturm. Dessen Einsatz für die Feuerwehr geht sogar noch weiter. Im Oktober organisiert der Musiklehrer ein Benefizkonzert zugunsten der Freiwilligen Feuerwehren Irschenberg und Miesbach. Im Waitzinger Keller dirigiert er dann 55 ehemalige Mitglieder des Sinfonieorchesters des Miesbacher Gymnasiums. „Von der Idee, gemeinsam in einem größeren Ensemble zu spielen, waren alle begeistert“, sagt der 57-Jährige. Es sei für alle schön, wieder im Kontakt zueinander zu stehen.

Erste Treffen haben schon stattgefunden, in den kommenden Wochen steht ein strenger Probenplan bevor. Ohne Übung geht gar nichts. Weder am Feuerwehrschlauch, noch am Musikinstrument.

Das Benefizkonzert

findet am Samstag, 27. Oktober, um 19.30 Uhr im Waitzinger Keller in Miesbach statt. Es spielen die „Pegasus Symphonics“, das Ehemaligen-Orchester des Gymnasium Miesbach, unter der Leitung von Christof Sturm. Karten zu 14 Euro und 16 Euro sind im Vorverkauf beim Waitzinger Keller und an der Abendkasse erhältlich. Der Erlös kommt den Freiwilligen Feuerwehren Irschenberg und Miesbach zugute.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Skigebiet Sudelfeld: Der Liftstreit ist noch nicht ausgestanden
Der Saisonstart in den Skigebieten des Landkreises gerät allmählich in Sicht, und seit Jahren stellt sich immer wieder die Frage, wie es am Sudelfeld aussieht. Die …
Skigebiet Sudelfeld: Der Liftstreit ist noch nicht ausgestanden
Offensive in der Waagrechten
Die Waagrechte hat es Reinhold Schmid einfach angetan. Sie ist Dominante und Konstante zugleich in seinen Arbeiten. Das gilt auch in den neuen Werken, die der Valleyer …
Offensive in der Waagrechten
A8: Unbekannte brechen in mehrere Wohnmobile ein - Polizei warnt alle Reisenden
Profi-Einbrecher haben ein neues, sehr leichtes Ziel für sich entdeckt: Geparkte Wohnmobile an Raststätten auf der A8. In einer Nacht wurden gleich drei ausgeräumt.
A8: Unbekannte brechen in mehrere Wohnmobile ein - Polizei warnt alle Reisenden
Anhörungstermin zur Wasserschutzzone:Der erste Tag im Ticker
Befangenheitsanträge und massive Kritik am Landratsamt: Der Auftakt des auf drei Tage angesetzten Erörterungstermins zur Wasserschutzzone hatte es in sich. Wir berichten …
Anhörungstermin zur Wasserschutzzone:Der erste Tag im Ticker

Kommentare