Die neuen Trommelröstanlagen der Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg erzeugen bei gleicher Qualität deutlich weniger Geruchsemissionen.
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Ausgeklügelte Technik: Die neuen Trommelröstanlagen der Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg erzeugen bei gleicher Qualität deutlich weniger Geruchsemissionen. Zudem strebt Dinzler eine CO2-neutrale Unternehmensbilanz an. Ein weiterer Schritt zu diesem ehrgeizigen Ziel ist der klimaneutrale Versand des am Irschenberg gerösteten Kaffees für Geschäfts-, aber auch für Privatkunden.

Nachbarn hatten sich wiederholt beschwert

Nach Ärger um Kaffee-Geruch in Irschenberg: Dinzler hat Röstanlagen ausgetauscht

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Immer wieder beschwerten sich Nachbarn der Kaffeerösterei Dinzler in irschenberg über den penetranten Geruch der Abluft. Jetzt hat das Unternehmen in neue Anlagen investiert.

Irschenberg – Um sich den Duft von frischem Kaffee um die Nase wehen zu lassen, mussten manche Irschenberger gar nicht selbst zu Bohne, Pulver oder Kapsel greifen. Je nach Windrichtung brauchten sie dafür nur den Kopf aus dem Fenster oder der Tür strecken. Nicht wenige jedoch taten genau das Gegenteil. Sie verbarrikadierten sich lieber, um den penetranten Röstaromen aus den Abluftrohren der Kaffeerösterei Dinzler zu entkommen. Das ist nun nicht mehr nötig, teilt das Unternehmen mit. Nach intensivem fachlichen Austausch habe man sich dazu entschieden, die Röstanlagen auszutauschen. „Das Prinzip der Röstung bleibt nach wie vor das gleiche, doch die Abluft wird wesentlich besser gereinigt“, erklärt Vorstandsmitglied Katrin Richter. Das Ergebnis stelle nun auch die Anwohner zufrieden.

Trotz Filter immer wieder Kritik aus der Nachbarschaft

Wie berichtet, gab es immer wieder dicke Luft zwischen Dinzler und den von der Abluft betroffenen Nachbarn. Obwohl die gesetzlich vorgeschriebenen Emissionsgrenzwerte stets unterschritten wurden, habe man die Beschwerden der Irschenberger ernst genommen, betont Richter. Wiederholt habe man neue Filter eingebaut, um die Abluft zu klären und so die Geruchsbelastung zu reduzieren. Doch die „Dissonanzen“ rissen nicht ab.

Das hat auch Irschenbergs Bürgermeister Klaus Meixner mitbekommen. Gleich bei seiner ersten Bürgerversammlung 2019 erhielt er den Auftrag, nochmals bei der Firma Dinzler nachzuhaken. Auch wenn die Wahrnehmung subjektiv sei – „Für den einen duftet es, für den anderen stinkt’s“ – habe er das Gespräch mit der Familie Richter gesucht, berichtet Meixner. Sein Ziel war ein Kompromiss: „Die Kaffeerösterei muss gut und wirtschaftlich arbeiten können, die Leute im Ort sollen aber auch zufrieden sein.“ Groß verhandeln musste Meixner da aber ohnehin nicht mehr, denn kurz darauf tauschte Dinzler die erste Röstanlage aus. 2020 folgte die zweite.

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Landratsamt bestätigt Verbesserung bei Emissionswerten

Mit Erfolg, wie das Landratsamt bestätigt. Aktuelle Messungen hätten „sehr erfreuliche Ergebnisse“ gebraucht, berichtet der Fachbereichsleiter Umwelt- und Naturschutz, Florian Brand. Ein anerkanntes Gutachterbüro habe nachgewiesen, dass die Geruchsstoffkonzentration in den Abgasen „ganz erheblich“ reduziert wurde. „Dies deckt sich mit dem persönlichen Eindruck, den wir bei den letzten Ortseinsichten gewonnen haben.“ Die Belastung im näheren Umfeld sei merklich zurückgegangen, Intensität und Häufigkeit seien als „zumutbar“ einzustufen. Somit hätten sich die Investitionen der Firma Dinzler nicht nur im Hinblick auf die Produktqualität, sondern auch unter Umweltgesichtspunkten gelohnt.

Investitionssumme im sechsstelligen Bereich

Die Qualität war auch das sensible Thema für das Unternehmen. So würden die am Irschenberg eingesetzten Trommelröster durch das Langzeitröstverfahren für das besondere Aroma im Dinzler-Kaffee sorgen. „Eine ausgeklügelte Technik“, betont Richter. Entsprechend lange habe man überlegt, ob man sich wirklich an einen Austausch heranwagen soll – zumal dieser mit einer Investitionssumme im sechsstelligen Bereich verbunden gewesen sei. „Die Anlagen wurden speziell für uns gebaut“, erklärt Richter. Durch die bessere Abluftreinigung seien nun auch die 2012 nachgerüsteten Biofilter obsolet.

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„Uns fällt ein Stein vom Herzen, dass wir mit dieser erheblichen Investition einen wesentlichen Teil dazu beitragen konnten, Dissonanzen aus dem Weg zu räumen und damit ein gemeinsames Miteinander zu sichern“, sagt Franz Richter, Vorstand der Dinzler Kaffeerösterei AG. Darüber freut sich auch Rathauschef Meixner, denn so „bleibt der Gemeinde ihr größter Gewerbesteuerzahler erhalten“. War der Standort Irschenberg also wegen der Abgasproblematik gar auf der Kippe? Katrin Richter winkt ab. So weit wäre es dann doch nicht gekommen. Dennoch sei man als ortsansässiges Unternehmen an einem guten Verhältnis mit den Anwohnern interessiert, betont Richter: „Insofern sind unsere neuen Röstanlagen auch ein dauerhaftes Bekenntnis zum Produktionsstandort Irschenberg.“

sg

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