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Blättert gerne in alten Büchern: Resi Gasteiger kümmert sich um die Exponate im 2016 eröffneten Reider Dorfmuseum in Niklasreuth. Auch ein paar besondere Gebetbücher zählt sie zu ihren Schätzen.

Das Reider Dorfmuseum: Ein Geheimtipp

Museums-Schmuckstück: Ein Gebetbuch für Scheinheilige

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Das Olaf-Gulbransson-Museum Tegernsee oder Markus Wasmeiers Freilichtmuseum hat jeder schon mal gehört. Aber das Reider Dorfmuseum? Das ist ein echter Geheimtipp.

Niklasreuth - Das Niklasreuther Dorfmuseum ist vergleichsweise klein, existiert erst seit gut einem Jahr – hat aber auch Kuriositäten zu bieten.

Die Schätze

Dazu zählt der „Goldene Himmelsschlüssel“. Der Untertitel dieses Werks lautet: „Ein sehr kräftiges, nützliches und trostreiches Gebetbuch zur Erlösung der lieben Seelenleiden – zum besonderen Gebrauch des andächtigen Weiber-Geschlechts.“ Verfasst hat es Pater Martin von Cochem. Der Autor zahlreicher religiöser Bücher starb 1712, seine Werke wurden aber noch 200 Jahre später nachgedruckt und fanden weltweit Verbreitung. Die Niklasreuther Ausgabe stammt aus dem Jahr 1862.

„Seine Sprache ist nicht so spirituell, sondern so, wie den Leuten der Schnabel gewachsen war“, sagt Resi Gasteiger. Die Museumsleiterin weiß auch, was es mit dem Buch auf sich hat. Früher seien alle Bauern sonntags in die Kirche gegangen. Nur ein Knecht oder eine Frau blieb zu Hause, um auf die Kinder und auf das Vieh aufzupassen. Damit auch die Daheimgebliebenen etwas vom christlichen Glauben erfahren, seien Bücher wie der „Goldene Himmelsschlüssel“ geschrieben worden.

Mindestens ebenso alt dürfte ein Predigtbuch mit Holzeinband sein, das ebenfalls im Dorfmuseum steht. „Vielleicht fragen wir mal einen Fachmann, wann es geschrieben wurde“, sagt Gasteiger. „Das würde mich selbst interessieren.“

Etwas fürs Kuriositäten-Kabinett ist dagegen „Buch“ Nummer drei. Von außen sieht es aus wie ein Gebetbuch, innen enthält es Spielkarten. Gasteiger taufte das Exponat „Gebetbuch für Scheinheilige“. Ebenfalls sehenswert: die Einrichtung eines Klassenzimmers aus den 1960er-Jahren mit sehr alten Landkarten.

Das Museum

Als das Niklasreuther Gemeindehaus gebaut wurde, war angedacht, dass die Schützen in den Keller einziehen. Doch die Schützen winkten ab. So kam Irschenbergs Bürgermeister Hans Schönauer auf die Idee, ein Dorfmuseum einzurichten. Resi Gasteiger bekam diesen Auftrag und motivierte einige Bekannte mitzumachen. Ein paar Jahre benötigte sie, um die Exponate einzusammeln – allesamt Leihgaben. Am Kirchweih-Tag 2016 wurde das Reider Dorfmuseum feierlich eröffnet.

Die Öffnungszeiten

Das Museum ist an jedem ersten Samstag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Auf Anfrage (z 0 80 64 / 4 28 88 02) ist der Eintritt auch außerhalb dieser Zeiten möglich. Erwachsene zahlen drei Euro und Schüler einen Euro. Für Kinder ist der Eintritt frei.

Zu dieser Serie

Jede Gemeinde hat ihre Schmuckstücke. Besondere Gegenstände, die in Heimatmuseen ausgestellt werden, in Kirchen zu sehen sind oder manchmal auch in Archiven schlummern. Wir haben uns auf die Suche gemacht und stellen in den kommenden Wochen die Schätze und ihre Hüter vor.

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