Koppel-Sommer, Irschenberg
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Ausreichend Platz hatten die Zuschauer auf der großzügigen Wiese.

Liedermacher Michael Dietmayr auf der Bühne

Nur 60 Zuschauer: Koppel-Sommer in Irschenberg startet gemütlich

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Nur rund 60 Gäste fanden am Sonntagnachmittag zur Premiere des Koppel-Sommers auf der Reitanlage in Irschenberg. Der Rest hat echt was verpasst.

Irschenberg – Sommer, Sonne, Musik und Picknick unter freiem blauen Himmel. Das klang für viele zu schön, um wahr zu sein. Nur rund 60 Gäste fanden am Sonntagnachmittag zur Premiere des Koppel-Sommers auf der Reitanlage in Irschenberg. Der Rest hat echt was verpasst.

Schwitzte ordentlich: Liedermacher Michael Dietmayr spielte Barfuß auf der Bühne.

Gut, frühe 16 Uhr waren jetzt nicht der optimale Zeitpunkt, um bei 28 Grad auf einer sonnenbeschienenen Pferdekoppel dem bayerischen Liedermacher Michael Dietmayr zu frönen, der obendrein in seinen Liedern heiße (Beziehungs-)Themen anpackt. Aber als die Organisatorinnen Katja, Franziska und Barbara Otten vor rund fünf Wochen in die Organisation ihres ersten Open Air-Kulturfestivals einstiegen, war die Laufzeit öffentlicher Veranstaltungen noch deutlich befristet und auch die Teilnehmerzahl beschränkt. Und es konnte ja auch keiner ahnen, dass just am Sonntag derart der Hochsommer ausbricht, dass sich die Gäste unter eiligst aus dem Auto geholten Regenschirmen zum Sonnenschutz flüchteten.

Ansonsten waren die Musikfans, von denen viele sonnenbehütet in Dirndl und Lederhosen anrückten, aber mit Picknickdecken, Camping- und Liegestühlen bestens vorbereitet. Ganz in Festival-Stimmung nahmen sie am Hang gegenüber der Bühne Platz. Mit Poolnudeln, die die Gäste am Eingang ausgehändigt bekamen, sorgten sie für den richtigen Abstand zu den Nebengruppen ringsum. Aber auch so hätten sie aufgrund der Geländebeschaffenheit von jedem Punkt der Koppel freie Sicht auf den Künstler gehabt.

Und während im zweiten Konzertteil eine leichte Brise für ein bisschen Abkühlung sorgte, musste Dietmayr auf der sechs auf acht Meter, schwarzverhüllten Bühne schwitzen. Da halfen weder das Handtuch noch die Wasserflasche oder der Verzicht auf Schuhwerk. Beherzt griff der Barde, den man unter anderem aus der Formation „3 Männer – nur mit Gitarre“ mit Roland Hefter und dem Keller Steff kennt, in die Saiten seiner Gitarre – und zwar laut, wild, straight und politisch inkorrekt. Vor allem aber voller Freude, dass es jetzt nach Corona endlich wieder was geboten wird in der Kultur: „Es muss ja irgendwie wieder losgehen!“, sagte er. Aus der Krise könnte man schließlich auch mitnehmen, dass man ab und zu runterfahren und auch den Gang mal rausnehmen sollte.

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Verpflegung nur mit Mundschutz: Kühle Getränke waren gefragt beim heißen Auftakt des Koppel-Sommers.

So störte ihn auch die überschaubare Zuschauerzahl nicht: „Hat ja ein bisschen was von Woodstook hier. Ob damals auch so viele Leute da waren?“, witzelte er. Den Konzertort bezeichnete Dietmayr als geradezu paradiesisch: „Wenn Osama bin Laden sich hier versteckt hätte, würde er heute noch leben.“

Freilich lästerte sich der Familienvater in gewohnt deutlicher und überspitzter Manier durch nahe liegende Alltagsthemen – wie das „Neudeutsch“ seiner pubertierenden Töchter und über Ehefrauen, die sich plötzlich im Elternbeirat engagieren, Tupperparties veranstalten oder sich kulinarisch auf einem veganen Trip verirren. Die anzüglichen Songs, wie „Ost-Dur“ oder „Schatz, bitte nicht jetzt!“, und die Trinklieder wie „Ich hab’ kein Bier mehr“, die ihm laut eigener Aussage den Ruf des Proleten in Künstlerkreisen einbrachten, ließ er ebenso wenig aus, wie die nachdenklichen, tiefgründigen Lieder („Netzlos“, „Haus in der Provinz“) oder die Freiheitslieder wie „Free as a Bird“ oder „Christopher Streetday“.

Dem Publikum gefiel’s. Es sang kräftig mit und spendete am Ende des zweistündigen Programms, das von einer halben Stunde Pause zum Nachfassen eisgekühlter Getränke, selbst gemachter Chips und frischer Salate im Glas (nur leider kein Mückenspray) diente, ausgiebigst Applaus. Auch den Organisatorinnen, die mit dem Koppel-Sommer ein spitzen Open Air Programm mit zwölf Konzerten und Kabarett-Abenden auf die Beine gestellt hat.

Das weitere Programm

Am kommenden Wochenende geht der Koppel-Sommer mit dem Austria Project am Samstag, 11. Juli, um 12 Uhr und Kabarettist Michael Altinger am Sonntag, 12. Juli, um 16 Uhr in die nächste Runde. Mittlerweile sind maximal 200 Zuschauer zugelassen.

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