Bekommt einen neuen Einsatzort: Pfarrvikar Michael Nagel, der sich derzeit im Krankenstand befindet, wurde bereits zum 1. Februar der Stadtkirche Landshut zugewiesen.
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Bekommt einen neuen Einsatzort: Pfarrvikar Michael Nagel, der sich derzeit im Krankenstand befindet, wurde bereits zum 1. Februar der Stadtkirche Landshut zugewiesen.

Ordinariat hat entschieden

Pfarrvikar Nagel nach Landshut versetzt

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Der Abschied von Michael Nagel ist nun beschlossene Sache. Wie das Ordinariat in München auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, ist der Pfarrvikar aus dem Pfarrverband Irschenberg bereits seit 1. Februar der Stadtkirche Landshut zugeteilt – ebenfalls als Pfarrvikar, also weiterhin ohne administrative Aufgaben.

Michael Nagel, der noch in Niklasreuth wohnt und dort schwerpunktmäßig wirkte, generell aber für den ganzen Pfarrverband mit zuständig war, hatte Mitte November 2019 beim Gottesdienst in Niklasreuth mitgeteilt, dass er versetzt werden soll. Grund sind dabei offenbar unüberbrückbare Differenzen mit Pfarrverbandsleiter Tadeusz Kmiec-Forstner (wir berichteten).

Nach einem von Nagel abgebrochenen Klärungsgespräch zwischen ihm, Kmiec-Forstner und dem Ordinariat erfolgte zu Beginn des Jahres die offizielle Entpflichtung. Da sich Nagel seit Mitte November im Krankenstand befand, ließ das Ordinariat den neuen Einsatzort lange offen. Da der Pfarrvikar aber weiterhin krank geschrieben ist – aktuell bis Ende Februar –, wurde die Entscheidung nun getroffen. Ab 1. April steht ihm in Landshut auch eine Dienstwohnung zur Verfügung. Das Ordinariat werde ihn – so heißt es gegenüber unserer Zeitung weiter – beim Umzug unterstützen.

Infoveranstaltung im Reider Wirth

Indes hat sich in Niklasreuth ein Unterstützerkreis um Maria Jost-Simbeck gebildet, der sich für Nagels Verbleib einsetzt und den Geistlichen als Opfer im Machtkampf mit seinem Vorgesetzten sieht. Nachdem bisherige Versuche, im Dialog mit dem Ordinariat eine Lösung zu finden, gescheitert waren, hatte „eine Initiative von um Aufklärung bemühten Reidern“ am vergangenen Sonntag zur „Informationsveranstaltung“ in den Reider Wirth eingeladen – ohne die beiden Geistlichen. Im mit rund 100 Gästen voll besetzten Gasthaus zeigte sich jedoch, dass der Fall sich nicht so einfach gelagert ist.

Die Nagel-Unterstützer beschreiben ihren Geistlichen nicht nur als sehr nah am Gläubigen, sondern auch als sehr gesellig und interessiert am Vereinsleben. Krankenbesuche nehme er sehr ernst, und bei Hochzeiten und Beerdigungen seien seine Predigten auf die jeweiligen Personen perfekt zugeschnitten. Die anwesenden Fürsprecher von Pfarrer Tadeusz betonten wiederum, dass der Pfarrverbandsleiter bei der Fülle der Verwaltungsaufgaben deutlich weniger Zeit habe.

Vielschichtige Ursachensuche

Als Ursache für den Streit zwischen den beiden Geistlichen sieht die Nagel-Fraktion Eifersüchteleien seitens des Vorgesetzten, während die Nagel-Kritiker beim Untergebenen eine fehlende Bereitschaft ausmachten, Vorgaben des Vorgesetzten anzuerkennen – es habe schon vor November zunehmend heftigen Streit gegeben. Auch im persönlichen Umgang gab es nicht nur gute Erfahrungen mit Nagel, wie Niklasreuths Pfarrgemeinderatsvorsitzende Agnes Bernöcker nach Aufforderung durch das Publikum berichtete. So habe sie Nagel im Rahmen einer Terminanfrage, die sie ihm weitergegeben hatte, vor Zeugen beschimpft und runtergemacht. In der Folge habe er sie nicht mehr geduzt, sondern wieder gesiezt. Das sei eine Schwäche Nagels, stellte Bernöcker fest: „Er kann sich nicht entschuldigen.“

Was Kmiec-Forstner besonders angekreidet wurde, war ein heimliches Treffen, zu dem er Anfang November die Vereinsvorsitzenden nach Irschenberg geladen hatte, um ihnen mitzuteilen, dass die Zusammenarbeit mit Nagel nicht mehr funktioniere und dieser den Pfarrverband verlassen werde. Dabei habe Kmiec-Forstner die Teilnehmer zu Stillschweigen verpflichtet, was diese jedoch nicht einhielten – so erfuhr Nagel von dem Treffen und kündigte umgehend im Gottesdienst empört seinen anstehenden Abschied an. „Dreckige Wäsche soll nicht auf dem Dorfplatz gewaschen werden“, folgte aus dem Publikum als Begründung für das Vorgehen des Leiters.

Treffen ohne klares Ergebnis

Ein konkretes Ergebnis gab es am Ende nicht wirklich. Die Nagel-Anhänger wollen weiterhin versuchen Einfluss zu nehmen, dass sich beide Geistliche so weit einigen, dass Nagel bleiben kann. Dies habe auch das Ordinariat in Aussicht gestellt. Ein großer Teil der Zuhörer ging aber davon aus, dass der Abschied Nagels beschlossene Sache ist. Daher sei es wichtig, dem Pfarrvikar einen guten Abschied zu bereiten.

Vor allem aber gehe es darum, dass die Dorfgemeinschaft in Irschenberg und Niklasreuth sich nicht entzweien. Denn dass diese nachhaltig über die Amtszeit von Pfarrern hinaus Schaden nehmen kann, habe man beim Streit um Pfarrer Anton Wenhart vor 25 Jahren erlebt. Die Gemeinde, so ein Appell einer Seniorin, müsse unabhängig von Namen zusammenstehen.

ddy

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