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Basteln für die Verwandten: Im Kinderdorf Irschenberg sind Besuche zurzeit nicht erlaubt.

Auch die Einrichtung ist im Ausnahmezustand

Ostern in der Corona-Krise: So feiern die Kinder im Kinderdorf Irschenberg

  • Christine Merk
    vonChristine Merk
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Im Kinderdorf Irschenberg werden Oster-Traditionen gelebt. Wegen Corona sind heuer aber Besuche tabu - in beide Richtungen. Die Stimmung sei trotzdem gut, berichtet eine Erzieherin. 

Irschenberg – Acht Kinder, acht Jahre Altersspanne – so sieht es aus, wenn im Haus 9 des Caritas Kinderdorfs in Irschenberg alle dort betreuten Kinder und Jugendlichen an einem Tisch zusammensitzen. An Ostern wären ein paar von ihnen zu den Eltern oder Großeltern gefahren. Diesmal bleiben sie alle während der Feiertage und der kompletten Ferien in Irschenberg. Die Corona-Pandemie vereitelt jeglichen Besuch.

„Sie waren schon ein bisschen traurig“, berichtet Nicole Klasna. Die Erzieherin arbeitet im Schichtdienst im Haus 9. In dieser Situation sei natürlich Kreativität gefordert gewesen. „Wir haben also ganz schnell ein Motivationsprogramm auf die Beine gestellt.“ Können wir nicht zu Mama, Oma oder Opa, dann sollen sie uns wenigstens sehen und was von uns in der Hand halten – war eine der Ideen. Also wurde mit Fotos von den Kindern Briefpapier gedruckt: hintendrauf das Foto, vorne drauf ein paar Zeilen und was Gemaltes. Ihre Osterbriefe haben die Kinder schon am Montag zur Post getragen, damit sie auch rechtzeitig ankommen. Auch an Spender und an ehrenamtliche Helfer haben die Kinder Osterbriefe geschrieben, denn auch die sind ja nun „ausgesperrt“.

Besuchsverbot wegen Corona gilt auch im Kinderdorf

Das Besuchsverbot gilt im Übrigen sogar innerhalb des Kinderdorfs. Das große Areal mit seinen etwa 100 Kindern und Jugendlichen in zwölf Häusern ist in sechs kleine Kinderdörfer aufgeteilt worden. Haus 9 bildet zusammen mit dem Nachbarhaus quasi eine Insel. Mit den sechs Kindern von nebenan darf also gespielt werden. Direkte Kontakte zu den anderen Kindern und Jugendlichen im Dorf sind tabu. Sogar der zentrale Spielplatz ist gesperrt. „Wir wollen auch Vorbild für außerhalb sei“ sagt Klasna.

So schwer das Kontaktverbot ist, weil ja zwischen den Bewohnern der zwölf Häuser viele Freundschaften bestehen, beobachtet Klasna doch auch etwas Erfreuliches. „Ich habe das Gefühl, dass unsere Gruppe mehr zusammengewachsen ist.“ Die Kinder hätten selbst Ideen entwickelt. „Unsere haben die Lust am Zeichnen entdeckt.“ Mit Begeisterung würden sie neuerdings Comics zeichnen. Nicht nur auf Papier, sondern auch auf T-Shirts und Bettwäsche. Ein weiteres Projekt: Vogelnistkästen bauen. Die etwas älteren Kinder seien handwerklich sehr geschickt, berichtet die Erzieherin. Es sei toll zu sehen, wie lange sich alle mit diesem Bauen beschäftigen könnten.

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Für Ostern gibt es im Kinderdorf feste Traditionen, von denen die meisten auch heuer trotz Corona so stattfinden können wie in den vergangenen Jahren. „Wir lassen uns für alle Feiertage etwas Besonderes einfallen“, erklärt Klasna. Traditionen seien in der Philosophie des Kinderdorfs tief verankert – auch die kirchlichen Feiertage. „Wir wollen sie feiern und leben lassen.“

Eine der festen Traditionen zum Fest der Auferstehung sei der Brunch am Ostersonntag. Da werden heuer allerdings ein paar Gesichter am Tisch fehlen: die Ehemaligen, also die jungen Menschen, die im Kinderdorf aufgewachsen sind und mittlerweile außerhalb leben. Sie sind normalerweise eingeladen, heuer dürfen sie nicht kommen. Die anderen Traditionen aber werden beibehalten. 

So haben die Mädchen und Buben im Haus 9 am Gründonnerstag und am Karfreitag Ostereier gefärbt und bemalt. Für den Osterbrunch haben sie ein Osterbrot gebacken, und sie haben eine Osterkerze gestaltet. Die wollen sie in der Kapelle in Fehleiten aufstellen. Dem kleinen Gotteshaus werden sie am Ostersonntag einen Besuch abstatten – und in dem Wäldchen drumherum ihre dort versteckten Nester suchen.

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