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Wie eingefroren: Der ehemalige Gasthof Post in Irschenberg liegt immer noch brach. Investor Rolf Schulz kann derzeit nicht sagen, wann das Haus zugunsten einer neuen Wohnanlage abgerissen wird.

„Wir haben einfach viel Arbeit“

Postwirt: Investor erklärt, warum heuer nichts mehr passiert

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Die Zeichen stehen auf Stillstand: Vier Jahre liegt der Postwirt in Irschenberg brach. Noch immer ist die geplante Wohnanlage nicht gebaut. Dabei liegt die Genehmigung längst vor.

Irschenberg – Es war ein ewiges Hin und Her. Erst war von einem neuen Hotel die Rede, dann von einem Verkauf – und zuletzt von Wohnungen. Passiert ist bis heute nichts. Der Postwirt in Irschenberg steht nun seit fast vier Jahren leer. Dabei dürften die Bagger längst anrollen, sagt Bürgermeister Hans Schönauer auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die könnten morgen anfangen.“

Wie berichtet, hatte der Gemeinderat im April 2016 dem Eingabeplan für das Projekt von Bauunternehmer Rolf Schulz aus Brunnthal zugestimmt. Das vorläufige Ende eines Weges mit zahlreichen Wendungen und Hürden schien erreicht. Und der Start für den Bau von 21 neuen Wohnungen im Herzen Irschenbergs stand scheinbar vor der Tür.

Ursprünglich war der Wunsch jedoch ein anderer: Der Gasthof Zur Post, so die Auffassung des Gemeinderats, sollte ein Beherbergungsbetrieb bleiben. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, belegte das Gremium das Grundstück 2011 mit einer Veränderungssperre. Zu diesem Zeitpunkt war gegen den damaligen Eigentümer, dessen Familie den Gasthof seit 1919 besaß, bereits ein Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Schulz kaufte das Traditionshaus schließlich aus der Insolvenzmasse heraus – und machte gleich Nägel mit Köpfen. Er stellte einen Antrag auf Abriss und Neubau eines Hotels mit 70 Doppelzimmern, Gastronomie und Wellness-Bereich. Eine große Nummer für Irschenberg. Im Frühjahr 2015 hatte Schulz die Genehmigung in der Tasche. Den Abriss kündigte er für den Sommer an, die Fertigstellung für 2016. Es passierte: nichts.

Stattdessen überraschte der Bauherr die Gemeinde mit immer neuen Ideen. Erst kündigte er an, den Postwirt wieder verkaufen zu wollen. Im Sommer 2015 beantragte Schulz dann den Neubau einer Wohnanlage auf dem Grundstück. Das wiederum schmeckte einigen Gemeinderäten nicht. Intensive Diskussionen waren die Folge. Trotzdem war man um eine schnelle Lösung für den Leerstand in der Ortsmitte bemüht und schickte die Pläne mehrheitlich ins Verfahren.

Das ist längst abgeschlossen, wie Schönauer betont. „Es ist alles genehmigt.“ Warum sich trotzdem nach wie vor nichts rührt, kann sich der Bürgermeister nicht erklären. Er habe schon länger nicht mehr mit Schulz gesprochen. Ein erneuter Änderungsantrag sei jedoch nicht im Rathaus eingegangen.

Dazu werde es auch nicht kommen, versichert Schulz auf Nachfrage unserer Zeitung. Er halte nach wie vor an seinem Projekt fest. Wann der Baubeginn erfolgen soll, könne er zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen. Heuer werde jedoch definitiv nichts mehr passieren. Die Verzögerung erklärt der Bauunternehmer mit seinen zahlreichen anderen Aufträgen, auch im Gewerbebereich. „Wir haben einfach viel Arbeit“, sagt er. Das liege auch daran, dass seine Firma vieles selbst mache. Das werde auch beim Projekt Postwirt der Fall sein, versichert Schulz.

Von einem kompletten Stillstand will er ohnehin nicht sprechen. Im Hintergrund werde nämlich weiterhin an der Wohnanlage gefeilt. Aktuell sei man damit beschäftigt, die Grundlagen für ein Statik- und Entwässerungsgutachten zusammenzustellen. Am Leerstand des Traditionsgasthofs ändert das bis auf Weiteres nichts. Eine Zwischennutzung ist laut Schulz nicht vorgesehen.

Der Bürgermeister hofft, dass sich endlich etwas Sichtbares tut beim Postwirt. Die beantragten 21 Wohnungen würden jedenfalls dringend gebraucht in Irschenberg: „Die Nachfrage ist da.“

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