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Quadro Nuevo und Cairo Steps: Auf dem fliegenden Teppich der Musik

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Quadro Nuevo und Cairo Steps
Harmonischer Wechsel zwischen Morgen- und Abendland: Die Musiker von Quadro Nuevo und Cairo Steps beim IrschenBergFestival. © Andreas Leder

Was für ein Abend: Mit ihrem Projekt „Flying carpet“ versetzten Quadro Nuevo und die ägyptische Formation Cairo Steps ihr Publikum in Irschenberg in eine andere musikalische Welt.

Irschenberg – Der rauschende Applaus bei der Landung des „fliegenden Teppichs“ bestätigte den Veranstaltern des IrschenBergFestivals ihr gutes Händchen bei der Programmauswahl. „Flying Carpet“ wurde erst vor ein paar Wochen mit dem Jazz Award ausgezeichnet. Am sommerlichen Freitagabend wehte ein mildes orientalisches Lüftchen über Irschenberg, als die beiden hoch dekorierten Bands Quadro Nuevo und Cairo Steps ihren musikalischen Teppich knüpften und abhoben in exotische Klanglandschaften des Morgen- und Abendlandes.

Mulo Francel (Saxophon, Klarinette), Andreas Hinterseher (Akkordeon), D.D. Lowka (Bass) und Evelyn Huber (Harfe), für gewöhnlich in Jazz, Tango und Weltmusik zu Hause, gingen eine spannende Liaison ein mit Besem Darwisch, Rageed William, Sebastian Müller-Schrobsdorff und Max Klaas, die dazu landestypische Instrumente mitbrachten. Mit der Nay-Flöte aus Bambus, der fagottähnlichen Dudik und der Knickhalslaute Oud sorgte das Weltmusik-Ensemble Cairo Steps für Klänge, die die fast 600 Besucher in 1001 Nacht entführten. Zusammen zauberten die acht Spitzenmusiker einen spannenden Mix aus klassisch-arabischer Musik, Tango oriental, meditativen Grooves, Jazz und jeder Menge Improvisation – mitreißend, emotional, meditativ.

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Der charismatische Oud-Virtuose Besem Darwisch erzählte in glänzendem Deutsch, wie er bereits mit zehn Jahren auf seinem täglichen fünfzehnminütigen Schulweg auf der Fähre an einem Lied schrieb und es 40 Jahre später vollendete: „Dance du Nil“. Es beschreibt die leichte, unbeschwerte Stimmung auf dem Nil in den frühen Morgenstunden. Aus der Feder von Andreas Hinterseher stammt das Stück „Café Cairo“, das der Lokalmatador aus dem Leitzachtal der 20 Millionen-Metropole und dem Karl-May-Klassiker „Durchs wilde Kurdistan“ widmete. Nicht nur hier steuerte Mulo Francel ein atemberaubendes Solo auf der Klarinette bei und nicht nur hier durften sich die Musiker solistisch in Szene setzen.

Alle Stücke waren geprägt von kraftvollen Beiträgen, einem Dialog zwischen den Instrumenten, aber auch einem innigen Zusammenspiel, bei dem sich die Musiker in eine andere Welt zu spielen schienen, in die sich das aufnahmebereite Publikum gerne mitnehmen ließ. Dass abwechselnd mal mehr der musikalische Einfluss des Morgenlandes, mal mehr der westliche in Gestalt von Jazz und Tango dominierte, machte das Programm spannend.

Dass die Kraft der Musik über alle Grenzen hinweg – politisch, religiös und kulturell – wirkt, war eine zentrale Botschaft des Abends: Wenn sich Menschen unterschiedlicher Herkunft so gut verstehen wie die acht Musik-Künstler bei ihrem Genre-übergreifenden Konzert, trägt der fliegende Teppich hinweg über den Nebel trivialer Alltagsprobleme, aber auch über die Grenzen von Kulturen und Ideologien und die Gräben scheinbar unlösbarer Konflikte.

Von Reinhold Schmid

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