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Die Lärmschutzwand von Wöllkam wurde errichtet, ohne dass sämtliche Forderungen klar definiert und gesichert wurden. Nun herrscht Unmut.

„Gibt’s denn noch was Moralisches hier drin?“

Riesen-Krach um Grundstücksdeal für Lärmschutzwand an A8: Jetzt kommt alles raus

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Für die Lärmschutzwand bei Wöllkam wurden vor Jahren Verabredungen über Grundabtretungen getroffen. Nur erfüllt wurden sie nie. Im Gemeinderat explodiert nun jahrelang angestauter Frust.

Irschenberg - Es soll wieder Frieden herrschen in Irschenberg, nachdem der Streit um den Lärmschutz an der Autobahn die Gemeinde zunehmend belastet. Deshalb hat es am Montagabend im Gemeinderat massiv gekracht. Die Runde las Ratsmitglied Martin Eberhard (FDP/Aktive Bürger) die Leviten. „Gibt’s denn noch was Moralisches hier drin?“, fragte etwa Marinus Eyrainer (FWG Irschenberg/Reichersdorf), und Zweiter Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) schimpfte: „Du hast Dein Wort gegeben. Das ist Vertrauenssache. Das ist eines Gemeinderates nicht würdig.“

Seit Monaten schwelt in der Gemeinde der Streit um den Lärmschutz entlang der A8. Seit September soll das Thema im Gemeinderat auf den Tisch. Öffentlich. Zwei Mal ließ sich Landwirt Eberhard zuletzt entschuldigen, doch nun sollte die Diskussion stattfinden. Dabei war es egal, ob mit oder ohne Eberhard – denn dessen Kontrahent, der Landwirt Josef Messerer, hatte vergangene Woche seinem Unmut nun auch im Bayerischen Fernsehen Luft gemacht. Dort hatte er beklagt, dass er für den A8-Lärmschutz rund 2000 Quadratmeter Weidefläche der Autobahndirektion zur Verfügung gestellt habe. Die vereinbarte Ausgleichsfläche von Eberhard habe er aber nicht erhalten, weil dieser sich nicht mehr an die schriftliche Vereinbarung halten wolle.

Bürgermeister Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) rollte den Hergang nun öffentlich auf. Demnach gab es 2013 unerwartet die Chance, die lange geforderte Schutzwand zu bekommen. Voraussetzung: Da die Autobahndirektion Südbayern kein Geld für Grunderwerb hatte, sollte der Boden kostenlos überlassen werden.

Die Lösung sah so aus: Die zehn Wöllkamer Hauseigentümer sollten die vier betroffenen Grundeigentümer finanziell dafür entschädigen, dass sie ihren Grund für die Wand überlassen. Fünf Euro pro Quadratmeter war der Preis – insgesamt rund 23.500 Euro. Lediglich Landwirt Messerer wollte einen Sonderweg: Er forderte eine doppelt so große Ausgleichsfläche für sein Land.

An dieser Stelle kam Eberhard ins Spiel: Er wollte Nachbar Messerer eine angrenzende Wiese abtreten. Im Gegenzug sollte ihm die eigentlich unbeteiligte Gemeinde (Schönauer: „Wir wollten nur helfen“) zwei Flächen überlassen, die zusammen 50 Prozent jener Fläche für Messerer umfassten: den alten Kirchenweg bei Leiten sowie ein südlich gelegener Hagstreifen auf Wilpartinger Seite. Und die andere Hälfte?

Darüber streiten die Parteien. In der Sitzung wollte sich Eberhard nicht äußern. Er verwies nur darauf, dass kein Vertrag mit Messerer zustande gekommen sei, sondern „nur eine Vereinbarung“ – denn es fehlte die notarielle Beglaubigung, wie bei Immobiliengeschäften vorgeschrieben.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Eberhard gestern, dass er davon ausgegangen sei, er würde zusätzlich eine benachbarte Wiese aus dem Bestand der Autobahndirektion bekommen. Laut Sitzungsprotokoll sollte dies geprüft werden, doch es wurde nie seitens der Direktion akzeptiert. „Ich bin Landwirt und habe eine hofnahe Fläche hergegeben, um die Wand zu ermöglichen“, erklärt Eberhard. Eine Flächenverringerung helfe seinem Betrieb aber nicht. „Letztlich hätte ich den Grund herschenken sollen. Wir haben von vornherein falsch verhandelt.“ Wöllkam habe nun die Wand, nur er gehe leer aus.

Das beklagt auch Messerer. Auch er habe Grund freigegeben, ohne die von Eberhard zugesicherte Gegenleistung bekommen zu haben. Die bislang fünf Flächen- und Baurechtsangebote seitens der Gemeinde zur Beendung des Streits hätten die Messerers, so Schönauer in der Sitzung, allesamt ausgeschlagen. Ebenso die neue Option, dass die Gemeinde die Flächen für fünf Euro pro Quadratmeter kauft, um sie in ein paar Jahren beim geplanten vierspurigen Ausbau der A8 an den Bund weiterzuverkaufen – mit etwaiger Gewinnabschöpfung für die Ex-Eigentümer.

Am Montagabend einigte sich der Gemeinderat nicht öffentlich darauf, Messerer ein weiteres friedenstiftendes Angebot zu machen. Eberhard war da schon gegangen.

Lesen Sie auch unseren Kommentar zum Thema: Na sowas, die streiten ja plötzlich öffentlich!

ddy

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