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Noch steht das Gerüst: Die Sanierung der Niklasreuther Pfarrkirche neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu.

Sogar die Turmuhr wird neu vergoldet

Sanierung von St. Nikolaus: Vom Katastrophenfall zum Schmuckstück

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Rund zwei Jahre ist es her, dass Statiker der Niklasreuther Pfarrkirche ein schlechtes Zeugnis ausgestellt haben. Bereits in diesem Sommer wird die Sanierung abgeschlossen.

Niklasreuth – Risse im Gewölbe der oberen Sakristei, Risse im Altarbogen: Schon als Tadeusz Kmiec-Forstner als neuer Leiter des Pfarrverbands Irschenberg vor rund fünf Jahren zum ersten Mal in die Niklasreuther Pfarrkirche St. Nikolaus spazierte, spürte er ein gewisses Unbehagen beim Anblick dieser Spuren im Mauerwerk. Irgendwann ließen sie ihm keine Ruhe mehr und er ließ einen Statiker kommen. Und der schenkte dem Pfarrer reinen Wein ein: „Er hat gleich den Katastrophenfall ausgerufen“, erzählt Kmiec-Forstner. Die tragenden Balken des Dachstuhls seien zu 85 Prozent kaputt und morsch gewesen. Eine schnellstmögliche Sanierung sei unausweichlich.

Tadeusz Kmiec-Forstner Leiter des Pfarrverbands Irschenberg.

Vor zwei Jahren war das. Heute ist St. Nikolaus immer noch eingerüstet, aber trotzdem schon so gut wie fertig. Die Balken seien erneuert, die Schindeln weitgehend ausgetauscht, berichtet der Pfarrer. An der Außenfassade werde noch gearbeitet. Sie erhält einen neuen, feineren Putz. Auch der Altarraum sowie der Eingangsbereich würden noch hergerichtet. Kosten zwischen 1,6 und zwei Millionen Euro würden am Ende auflaufen, schätzt Kmiec-Forstner.

Aufgrund der Dringlichkeit habe das Erzbischöfliche Ordinariat die Mittel aber schnell freigegeben. Was laut dem Pfarrer im Normalfall fünf bis sechs Jahre Vorlaufzeit brauche, sei in Niklasreuth in zwei Jahren erledigt gewesen. Eine vorübergehende Schließung der Kirche samt Gottesdienstausfällen habe man so vermeiden können. Seine alte Methode „Hammer und Axt“ habe sich damit wieder einmal bewährt, meint Kmiec-Forstner schmunzelnd.

Darauf hat auch einer seiner Vorgänger zurückgegriffen. 1694 berichtete der damalige Benefiziat Johannes Lidl dem Geistlichen Rat in München von der „Pauvölligkeit“ und „Reparations notdurfft“ an der Niklasreuther Kirche. Diese wurde laut Chronik 1315 erstmals als Filiale der Irschenberger Kirche urkundlich erwähnt und wohl im spätromanischen Stil erbaut. Lidl verpflichtete dann den renommierten Maurermeister Hans Mayr mit dem Umbau des düsteren Sakralraums in ein lichtdurchflutetes, barockes Schiff. Nur drei Jahre später, am 14. August 1697, weihte der Fürstbischof von Freising die runderneuerte Pfarrkirche St. Nikolaus. Den Schlusspunkt bildete allerdings erst die Erhöhung des Turms im Jahr 1708.

Dass trotzdem nur Fragmente von Mayrs Arbeit bis heute überlebt haben, liegt an zahlreichen Renovierungen. Die größten baulichen Veränderungen erfolgten laut Chronik um 1779, 1875, 1920 sowie 1957/58. Die letzte Außenrestaurierung erfolgte 1978. Dabei wurden die originale, geritzte und gemalte Wandpfeilergliederung, die senkrechte und waagrechte Bänderung am Turm sowie die Tönung der Mauern in Ocker und Altweiß wiederhergestellt. Auch das zwischenzeitlich mit blauem Schiefer eingedeckte Dach wurde wieder mit Schindeln versehen.

Mit der geplanten Fertigstellung der Sanierung im Sommer 2018 wird Kmiec-Forstner der bewegten Geschichte von St. Nikolaus ein weiteres Kapitel hinzufügen. Und wie schon sein Vorgänger Lidl 1694 will auch er keine halben Sachen. So lässt der Pfarrer auch Zeiger und Ziffernblatt der Turmuhr neu vergolden und bemalen. „Wir müssen es ausnutzen, dass wir ein Gerüst stehen haben“, meint Kmiec-Forstner. So wird aus dem Katastrophenfall St. Nikolaus wieder ein echtes Schmuckstück.

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