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Nah dran an der Realität: Im Videosimulationsraum des Aimcenters in Irschenberg können die Schützen auf virtuelle Tiere zielen.

Einen Waffenschein braucht man dafür nicht

Schießkino eröffnet: Auch Laien dürfen mit scharfer Munition feuern

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„An die Gewehre“ heißt es ab sofort im neuen Schießkino in Irschenberg. Dank moderner Videotechnik können Jäger und Polizisten realitätsnah trainieren - sogar mit scharfer Munition.

Irschenberg – Schon im Empfangsbereich des Aimcenters wird klar, wer das Hauptpublikum des neuen Schießkinos in Irschenberg ist. Geweihe von Hirsch und Wasserbüffel hängen an der Wand. Jagdtrophäen. Doch nicht nur Jäger sollen in der Raumschießanlage im Gewerbegebiet Salzhub trainieren. Auch Polizisten und Sicherheitskräfte können an ihrer Treffsicherheit feilen. „Und jeder, der Lust und Laune hat“, sagt Filialleiter George von Bierbrauer (57), während rundherum Techniker und Arbeiter die letzten Handgriffe erledigen.

Hier wird mit scharfer Munition auf die Leinwand gefeuert.

Wie berichtet, hatte der Gemeinderat den Antrag für das Vorhaben auf dem 1800 Quadratmeter großen Grundstück 2015 ins Verfahren geschickt. Gut zwei Jahre später ist der Neubau der extra dafür gegründeten Aimcenter Irschenberg GmbH fertig. Im Landkreis waren die drei Gesellschafter bislang nicht aktiv. Das Interesse an ihrem Projekt ist jedoch groß. Noch vor der Eröffnungsfeier heute Nachmittag sind die ersten Buchungen über die Homepage eingegangen.

Vorkenntnisse oder gar ein Waffenschein sind nicht notwendig. Wer kein eigenes Gewehr besitzt, leiht sich eins aus. Mit einer Schießbude für Hobby-Revolverhelden hat die südlich von München bislang einmalige Anlage aber nichts gemein, versichert Bierbrauer, der selbst seit 35 Jahren auf die Jagd geht. „Das läuft alles hochprofessionell und unter unserer Aufsicht ab.“ Die Schützen schließen eine Tagesversicherung ab, bevor sie anlegen. An der Tür zum Schießstand hängt ein mehrseitiges Regelwerk. „Wir schauen uns die Leute schon bei der Begrüßung genau an“, erklärt Bierbrauer.

Auch die Einrichtung ist nüchtern-modern gehalten. Den Charme einer Jagdhütte sucht man im Aimcenter vergebens. Konferenzraum statt Kaminzimmer lautet hier das Motto. Das setzt sich im eigentlichen Herzstück des mit hellem Holz eingekleideten Gebäudes fort: den beiden Schießanlagen. Sowohl der Videosimulationsbereich wie auch die Halle für die scharfen Waffen strotzen vor Technik. Trotzdem werden sich die Schützen vorkommen wie in freier Wildbahn.

Der Videoraum

Hier sieht dank Beamer, Leinwand und Computer alles nach Heimkino aus. Bis Lars Markgraf (48), einer der beiden Assistenten Bierbrauers, das Licht ausknipst und den ersten Film abspielt. Eine sonnige Waldlichtung taucht den Raum in grünliches Licht, Vogelgezwitscher flötet aus den Lautsprechern. Bierbrauer nimmt das verkabelte Plastikgewehr vom Tisch und stellt seinen Vorderfuß auf ein Kreuz auf dem Boden. Er legt an und ruft „Pull“ – das internationale Kommando beim Tontaubenschießen. Sekunden später trottet gemächlich eine Wildsau hinter einer Tanne hervor. Bierbrauer drückt ab. Treffer. Die kleine Kamera am Lauf der „Waffe“ hat die Koordinaten des virtuellen Einschusses auf das Pixel genau aufgezeichnet.

Auf dem Analysebildschirm sieht der Schütze jedes kleine Zittern seines Arms, jede minimale Abweichung vom roten Bereich. Den Körperteilen des Tiers also, wo das Projektil sofort zum Tod führt. „Das ist das Ziel des Jägers“, erklärt Bierbrauer. Der Kameraaufsatz lässt sich auf jedes erdenkliche Gewehr klemmen. Wird der Computer mit den Daten wie Kugeldurchmesser und Geschossgewicht gefüttert, ist die Simulation perfekt.

Der Schießstand

Trotzdem wird es jeden Schützen früher oder später auf den Schießstand ziehen. Wände und Boden der 30 Meter langen Halle sind mit Gummigranulat eingekleidet, die Querschläger abfängt und den Schall dämpft. Ohrschützer sind trotzdem Pflicht. Eine Lüftungsanlage saugt den Pulverdampf ab und filtert ihn aus. Auch hier gibt es eine Leinwand, auf der Jagdszenen gezeigt werden. Die Kugeln schlagen auf drei doppelwandigen Bahnen ein. Diese werden nach jedem Schuss millimeterweise abgerollt, sodass die Löcher wieder verschlossen werden.

Richtig Spannend wird es hinter der Leinwand. Wie in einem gigantischen Kohlenlager liegt eine vier Meter tiefe Schicht an schwarzen Gummibrocken im Rückraum. „Das sind geschredderte Flugzeug- oder Gabelstaplerreifen“, erklärt Bierbrauer. Sie stoppen die Geschosse. Nach nur 20 Zentimetern rührt sich nichts mehr, sagt Bierbrauer. Eine Spezialfirma tauscht das Gummi regelmäßig aus.

In Kombination mit der Videotechnik lassen sich auch mit scharfer Munition Entfernungen von mehreren Dutzend Metern trainieren. 80 Filme mit verschiedensten Tieren stehen zur Wahl. Auch Großwildjagd in Namibia sei kein Problem, versichert Bierbrauer. Menschliche Ziele gebe es aber nicht. „Das ist im zivilen Bereich absolut verboten.“

Weitere Informationen

zu Preisen und Buchung im neuen Schießkino in Irschenberg gibt es auf www.aimcenter.de.

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