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Bald bezugsfertig: Der neue Kindergarten Irschenberg kostet der Gemeinde heuer 1,81 Millionen Euro. 

Weil die Zuschüsse erst 2019 fließen

Schwieriges Haushaltsjahr: Schuldenfreies Irschenberg braucht Kredit

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Hohe Kreisumlage, keine Zuweisungen vom Freistaat: Der Gemeinde Irschenberg steht finanziell ein schwieriges Jahr bevor. Das macht sich auch im Haushalt bemerkbar.

Irschenberg – Dem Sparschwein im Irschenberger Rathaus geht’s an den Speck. Auf 4,3 Millionen Euro war die Rücklage wegen der hohen Gewerbesteuereinnahmen im Jahr 2016 angewachsen. Schon im Vorjahr knabberte die Gemeinde aber wegen stark gesunkener Schlüsselzuweisungen des Freistaats fast zwei Millionen Euro ab. Heuer nimmt sie zur Finanzierung des Investitionsprogramms von 4,91 Millionen Euro weitere 1,76 Millionen Euro vom Bankkonto. Mit 382 000 Euro gleicht Irschenberg zudem das Defizit im Verwaltungshaushalt aus, das in erster Linie durch die rund 700 000 Euro höhere Kreisumlage auflaufen wird (wir berichteten). Eine weitere Folge der Einnahmenspitze aus 2016.

„Die Gelüste des Ausgebens waren da, aber wir haben das Geld auf die hohe Kante gelegt“, sagte Bürgermeister Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) nun vor dem einstimmigen Haushaltsbeschluss im Gemeinderat. Geschäftsleiter Josef Bögl habe die „Voraussicht des klugen Kaufmanns“ walten lassen, lobte Schönauer. In der Tat sei die Entwicklung absehbar gewesen, erklärte Bögl. „Das darf alle zehn Jahre mal passieren“, sagte er schmunzelnd – und meinte damit nicht nur den Griff aufs Bankkonto, sondern auch die Kreditaufnahme von einer Million Euro. Für das schuldenfreie Irschenberg ein überraschender Ausrutscher.

Doch auch der hat seinen Grund, wie Bögl erklärte. Heuer nämlich schlage der neue Kindergarten mit 1,81 Millionen Euro zu Buche. Die Zuschüsse der Regierung von Oberbayern ließen jedoch auf sich warten. „Das große Geld wird vermutlich erst nach der Endabrechnung 2019 ausbezahlt“, sagte Bögl. Zur Zwischenfinanzierung nehme die Gemeinde besagten Kreditrahmen auf. Ob er tatsächlich in voller Höhe ausgeschöpft wird, stehe noch nicht fest. „Wir warten erst ab, wie weit wir kommen“, betonte Bögl.

Die Ausgabenliste ist auch heuer lang. Neben dem neuen Kindergarten sind die Planungskosten für die Sanierung des gemeindeeigenen Gasthofs in Wilparting mit 300 000 Euro der größte Einzelposten. Laut Bögl hat man hier aber eher großzügig geplant. Ein Dauerbrenner sind in Irschenberg hingegen die Investitionen in die Infrastruktur. Abzüglich Zuschüsse und Beiträge werden rund 350 000 Euro in den Straßen verbaut und rund 450 000 Euro im Abwassernetz. Teuerste Maßnahme ist hier ein neuer Kanal von der Pumpstation südlich der Autobahn zur nördlich gelegenen Kläranlage für 200 000 Euro.

Letztere wird die Gemeinde auch in den kommenden Jahren stark beschäftigen. Weil sich die 1981 errichtete Anlage technisch nicht mehr erweitern lässt und deshalb laut Bögl wohl 2020 keine neue Genehmigung mehr erhält, muss sich Irschenberg eine neue Lösung überlegen. Ein Fachbüro prüfe derzeit mehrere Varianten, erklärte Schönauer. Darunter ein Neubau, aber auch ein Anschluss an die Anlage in der Nachbargemeinde Bruckmühl. Bereits jetzt hat Bögl dafür eine weitere Rücklagenentnahme von 780 000 Euro im Jahr 2021 in den Finanzplan eingestellt.

„Hat das auch höhere Gebühren zur Folge?“, wollte Marinus Eyrainer (FWG Irschenberg-Reichersdorf) wissen. Es sei richtig, dass die Kläranlage kostendeckend arbeiten müsse, stellte Bögl fest. Um den Bürgern eine sprunghaften Gebührenanstieg zu ersparen, könnte man auch einen einmaligen Ergänzungsbeitrag verlangen. Darüber müsse aber der Gemeinderat entscheiden. Auch die Gemeinde selbst werde sich an den Kosten beteiligen – in der Hoffnung, Zuschüsse abgreifen zu können. Aktuell gebe es zwar noch kein Programm, räumte Bögl ein. „Aber der Druck auf den Staat wächst.“

Die wichtigsten Zahlen

Verwaltungshaushalt: 

Gesamtvolumen: 7,16 Millionen Euro

Größte Einnahmen: Steuern: 4,76 Mio. Euro, Zuweisungen: 1,02 Mio. Euro, Gebühren: 543 000 Euro, Zuführung vom Vermögen: 382 000 Euro. 

Größte Ausgaben: Kreisumlage: 2,8 Mio. Euro, Betriebskosten: 1,39 Mio. Euro, Personalausgaben: 1,32 Mio. Euro, Umlagen: 1,21 Mio. Euro, Steuerumlage an Staat: 374 000 Euro. 

Vermögenshaushalt: 

Gesamtvolumen: 4,91 Mio. Euro.

Größte Einnahmen: Rücklagenentnahme: 1,76 Mio. Euro, Zuschüsse und Beiträge: 1,71 Mio. Euro, Kredite: 1,0 Mio. Euro, Rücklagenentnahme aus 2017: 345 000 Euro. 

Größte Ausgaben: Kindergarten Irschenberg: 1,81 Mio. Euro, Breitbandausbau: 500 000 Euro, Planung Wilparting: 300 000 Euro. 

Schuldenstand: 1,0 Mio. Euro. 

Rücklage: 635 400 Euro.

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