Viele Schäden

„So was haben wir noch nicht erlebt“: Hagel und Starkregen verwüsten Irschenberg - Bürgermeister schockiert

  • Dieter Dorby
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Eine fatale Mischung aus Hagel und Starkregen hat am Montagabend die Gemeinde Irschenberg erwischt und stellenweise verwüstet. Keller liefen voll, Straßen und Wege wurden überflutet.

Irschenberg – Während Bürgermeister Klaus Meixner am Montagabend in der Sitzung des Gemeinderats Irschenberg in der Turnhalle die Gelegenheit nutzte, die Starkregen-Einsätze der Feuerwehr zu loben, brach draußen gegen 19.40 Uhr erneut ein Unwetter los. Noch heftiger, noch unheilvoller als am Wochenende.

Schwere Unwetter ziehen über Irschenberg: Feuerwehren im Dauereinsatz

Winter im Sommer: Eine dicke Schicht aus Hagelkörnern liegt auf dem Randstreifen der A8. Heftige Gewitter mit Starkregen und Hagel haben auch in Irschenberg vielfach für Überschwemmungen gesorgt.

Diesmal donnerte bis zu Taubeneier großer Hagel runter, demolierte Autos, Scheiben und Dächer, drosch Laub und Äste aus den Gehölzen. Zusammen mit dem Regen ergab sich eine fatale Mischung: Vielerorts machte das weggeschwemmte Grünzeug Gullys und Abläufe dicht. So aufgestautes Wasser lief in Bächen über Wege und Straßen, drang in Häuser ein, flutete Keller und Garagen.

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Für Irschenbergs Feuerwehrkommandant Tom Niggl, der als Dritter Bürgermeister ebenfalls am Gemeinderat teilnahm, war die Sitzung um 19.50 Uhr beendet – der erste Alarm ging ein. Die Hilfskräfte formierten sich. Neuralgische Punkte wurden kontrolliert, darunter der Winterweg, die Verbindungsstraße von der B 472 runter zur Auerschmied. „Dort war es massiv“, stellt Niggl fest.

Gewitter verwüstet Irschenberg: Wasser schießt 20 Zentimeter hoch aus dem Wald

Die stärkste Belastung zeigte sich für die Einsatzkräfte in den Ortsteilen Ober- und Niederhasling. 20 Zentimeter hoch sei das Wasser dort aus dem Wald geschossen. Durchlässe waren verstopft, Wasser drang in Häuser ein. Auch im Ort selbst gab es an Anzinger- und Breitensteinstraße mehrere Einsatzorte.

„Insgesamt hatten wir 40 Einsatzstellen“, berichtet Niggl. 110 Kräfte waren im Einsatz. Die 25 Feuerwehrleute aus Irschenberg wurden unterstützt von den Kollegen aus Parsberg, Wörnsmühl, Hundham, Gmund und Schaftlach sowie dem Technischen Hilfswerk, dem Bauhof, dem Klärwerk-Team und einem Fahrzeug des Rettungsdienstes. Gegen 2 Uhr war der Einsatzabend abgeschlossen – nicht ohne eine Brotzeit für die fleißigen Helfer.

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Auch für Niggl war es ein ungewöhnliches Unwetter: „Ich mache das jetzt schon einige Zeit, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Schlimm sei gewesen, dass die Gewitterwolke nicht weitergezogen, sondern gewissermaßen hängen geblieben war. „So kam jede Menge Wasser zusammen, das dann zeitversetzt nach unten floss.“ So sei die Waldsiedlung ebenfalls arg betroffen gewesen. Auch hier verwandelten sich Straßen in Bachläufe, und Wasser drang in Häuser. Das THW habe zwar noch versucht, mit Sandsäcken die Fluten zu kanalisieren, was aber überaus schwierig war. Niggl: „Es war überall nur noch Wasser.“ Auch aus den Gullys sei es geschossen.

Hagel in Starkregen im Landkreis Miesbach: Häuser unter Wasser - Straßen unterspült

Das Unwetter hat nicht nur Häuser unter Wasser gesetzt, sondern auch den Gemeindestraßen in Irschenberg argen Schaden zugefügt – einige wurden unterspült, unter anderem bei Schwamham und Niederhasling. Bürgermeister Meixner war am Montagabend und am Dienstag unterwegs, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Sein Fazit: „Es lässt sich zwar alles reparieren, aber es ist nicht wenig.“ Und es werde Zeit brauchen, die Schadensliste abzuarbeiten.

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Vom Ausmaß des Unwetters ist Meixner geschockt: „Solche Massen habe ich auch noch nicht gesehen.“ Der Sportplatz sei von den Wassermassen, die von der Aussicht heruntergeschossen waren, regelrecht überflutet. „30 Zentimeter war das Wasser hoch auf der Straße“, berichtet Meixner von seinem nächtlichen Besuch. Sein Auto hat ebenfalls einen Hagelschaden abbekommen – so wie alle Autos der Gemeinderatsmitglieder, die während der Sitzung am Kirchplatz geparkt hatten.

Irschenberg: Bürgermeister vom Ausmaß des Unwetters geschockt

Trotz aller Schäden hat Feuerwehrkommandant Niggl auch Positives zu vermelden: „Viele Leute haben uns gefragt, ob sie helfen sollen. Andere, die genug zu tun hatten, haben uns weitergeschickt zu Leuten, die unsere Hilfe nötiger hatten. Einige packten von selbst an, räumten mit dem Traktor Straßen und Wasserläufe frei. Wir konnten uns so um die wichtigen Einsätze kümmern.“ Auch Meixner lobte den Zusammenhalt.

Weniger positiv war die Tatsache, dass Verkehrsteilnehmer unter der Autobahnbrücke an der B 472 Schutz gesucht und so die Straße blockiert hatten. „Für uns war es schwierig, durchzukommen“, sagt Niggl. „Aber wer will es ihnen verübeln?“

ddy

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Rubriklistenbild: © Jutta Steinhoff/dpa

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