+
Noch grüne Wiese: Auf diesem Grundstück an der B 472 bei Buchbichl will die Firma Lettenbichler auf eigenem Grund ihren neuen Firmenstandort bauen.

Trotz Kritik und Naturschutz-Petition

Sondergebiet Transport: Gemeinderat lässt Bebauungsplan aufstellen

  • schließen

Der Ausgang der Petition des Bund Naturschutz ist noch offen. Dennoch hat der Gemeinderat Irschenberg die Aufstellung eines Bebauungsplans für ein Sondergebiet Transport beschlossen.

Irschenberg – Bis 6. August liegt der geänderte Flächennutzungsplan für ein Sondergebiet Transport im Irschenberger Rathaus aus. Auch auf der Internetseite der Gemeinde ist die Bekanntmachung zu finden. „Wir haben nichts zu verstecken“, sagte Bauamtsleiterin Irmgard Dinges im Gemeinderat. Jeder könne sich über die Planung informieren und seine Einwände einreichen. Die finale Abwägung werde das Gremium in seiner Sitzung am 13. August treffen, kündigte Bürgermeister Hans Schönauer (FWG Niklasreuth) an.

Parallel dazu haben die Ratsmitglieder nun bereits den nächsten Schritt eingeleitet: die Aufstellung des Bebauungsplans. Dies gegen die Stimme von Hans Maier (Aktive Bürger) – der dabei extra seinen Namen im Protokoll vermerkt haben wollte – und wohlwissend, dass die Petition des Bund Naturschutz für die Beachtung des Anbindegebots vom Landtag noch nicht behandelt wurde.

Wie berichtet, will die Firma Lettenbichler mit ihren Transport-Lkw von ihrem derzeitigen Standort in Sinnetsbichl auf eine 7600 Quadratmeter große Fläche an der B 472 zwischen Buchbichl und Sperlasberg umziehen. Da diese Wiese bislang rein landwirtschaftlich genutzt wurde und an kein anderes bebautes Grundstück anschließt, sieht der Bund Naturschutz bei einer Neuansiedlung das sogenannte Anbindegebot verletzt. Nachdem die Kritik der Kreisgruppe keine Wirkung gezeigt hat, reichte diese mit Unterstützung des Landesverbands besagte Petition ein. Ihr Ausgang ist noch offen.

Genau an diesem Punkt hakte Maier ein. „Ich gebe der Petition große Chancen, weil sie sich für geltendes Recht einsetzt“, sagte er. Da er schon die Änderung des Flächennutzungsplans abgelehnt habe, könne er nun auch nicht für die Aufstellung des Bebauungsplans stimmen, so Maier. Man sollte lieber abwarten, bis der Ausgang der Petition bekannt sei. „Ein Bebauungsplan verursacht Kosten“, mahnte er.

Was dann folgte, war ein Austausch altbekannter Argumente. Schönauer verwies wiederholt auf das Recht einer Gemeinde, ihre Entwicklung selbst zu gestalten. „Es geht um einen alteingesessenen Betrieb, der an dieser Stelle niemanden belästigt.“ Dass sich mit dem BN-Kreisgruppenvorsitzenden Manfred Burger ein Miesbacher Stadtrat so in die Entwicklung der Nachbargemeinde einmische, könne er nicht verstehen. Zumal in Irschenberg vier Millionen Quadratmeter weniger Fläche bebaut seien als in der Kreisstadt.

Vize-Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) störte vor allem die Befürchtung, der Verkehr würde durch die Ansiedlung weiter zunehmen. „Das ist lächerlich“, schimpfte Meixner. „Da fahren vielleicht 20 Lkw hin und her.“ Das wesentlich größere Problem seien die Umfahrungen bei Stau auf der Autobahn. „Da reden wir dann von einem richtigen Chaos.“ Schönauer erinnerte an die großen Gewerbegebiete im Nachbarlandkreis Rosenheim. „Dieser Verkehr belastet uns auch.“

Dass die Kritik am Sondergebiet Transport überhaupt so stark aufgeflammt ist, führte Franz Gasteiger (FWG Niklasreuth) indirekt auf seinen Ratskollegen Maier zurück. „Jeder weiß, wem wir diesen Rattenschwanz zu verdanken haben“, wetterte Gasteiger. Der Gescholtene verteidigte sich. „Ich darf doch meine Meinung sagen“, betonte Maier. Und stellte einmal mehr klar, dass er nicht gegen die Firma Lettenbichler sei. „Es bräuchte nur einen anderen Platz.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ostermarsch in Miesbach: „Waffeln statt Waffen“
Vor dem Fest wird demonstriert: Seit 2016 findet in Miesbach der Ostermarsch statt. Der Protestmarsch zum Rathaus steht unter dem Motto „Waffeln statt Waffen“. 
Ostermarsch in Miesbach: „Waffeln statt Waffen“
Landschaftspflegeverband: „Wir verbinden Landwirte und Naturschutz“
Im Januar wurde Mathias Fischer Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes (LPV) im Landkreis. Seitdem ist viel passiert. Vor allem Bauern und Kommunen wird das …
Landschaftspflegeverband: „Wir verbinden Landwirte und Naturschutz“
Großtagespflege in Fischbachau: Flexibilität, die Schule machen soll
Die Großtagespflege Fischbachau läuft gut an. Das Interesse der Eltern ist groß und die Bürgermeister werben für mehr ähnliche Konzepte. Doch es gibt einen wunden Punkt.
Großtagespflege in Fischbachau: Flexibilität, die Schule machen soll
Leser fragen, Bürgermeisterkandidaten antworten
Drei Kandidaten bewerben sich am 26. Mai um das Amt des Irschenberger Bürgermeisters. Zuvor stellen Sie sich den Bürgern bei einer Podiumsdiskussion. Die Leser können …
Leser fragen, Bürgermeisterkandidaten antworten

Kommentare